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Kolumne
07.08.2020
08.08.2020 11:28 Uhr

Aktienbörse: Schwankungen in engen Bandbreiten

Die erste Augustwoche startete freundlich. Danach sorgten Unsicherheiten und Schockmeldungen für Gewinnmitnahmen. Bessere US-Arbeitsmarktdaten liessen die Woche versöhnlich ausklingen.

Eine Riesenexplosion in Beirut (Libanon) mit massivsten Schäden – vergleichbar mit einem Erdbeben der Stärke 3.5 – mit über 300 Toten, etwa 5'000 Verletzten und 300'000 Obdachlosen hatte ein noch nie erreichtes Ausmass erreicht. Die Stadt und die Infrastrukturen sind zerstört, die Krankenhäuser überlastet. Ursache waren offenbar falsch gelagerte Chemikalien am Hafen (Ammoniumnitrat).

Auch der US-Präsident hat immer wieder neue Sorgen mit den Chinesen, diesmal mit dem Videodienst TikTok, der verboten werden soll. Seine Wiederwahl im Spätherbst wird täglich unsicherer, was sich auch in einem schwachen Dollar und Gold auf Höchstpreisen widerspiegelt (zeitweise über 2'050 US-Dollar pro Unze, CHF 60'000 pro kg).

Auch die Corona-Pandemie ist noch lange nicht besiegt. Die Fallzahlen steigen. Australien ist wieder im Lockdown. Die Quarantäne-Massnahmen wurden verstärkt (Spanien). Die Schweiz ist auf der Sperrliste der Norweger und der Kanton Genf bei den Belgiern. Durch sein Verhalten und seine Informationspolitik ist auch das Schweizer Bundesamt für Gesundheit (BAG) unter Beschuss geraten.

Die Schweiz hat sich am Freitag 4.5 Millionen Corona-Impfdosen gesichert. Der Bund hat mit der Firma US-Biotechnologiefirma Moderna einen entsprechenden Vertrag unterschrieben. Der Impfstoff soll mit Rohstoffen der Lonza-Gruppe hergestellt werden. Über den Preis herrscht Stillschweigen.

Halbjahresergebnisse eher über den Erwartungen

Der Schweizer Aktienmarkt konnte sich in engen Bandbreiten bei einem SMI von 10'000 gut halten. Im Wochenvergleich waren die Veränderungen insgesamt gering. Zyklische Werte tendierten eher besser als die Indexschwergewichte (Food, Pharma). Versicherungen litten zeitweise unter der Explosion in Beirut (USD 3-5 Mrd. Schaden).

Bei einigen Industrietiteln und Dienstleistern gingen die Umsätze im 1. Halbjahr im Wesentlichen spürbar zurück (OC Oerlikon, SIG, Coltene, Glencore, Swiss, Conzzeta, Orell Füssli, Vifor).

Bei den Regionalbanken (Valiant, Basler KB) lief es besser. Lonza-Aktien, Belimo und Geberit sind nahe am Allzeithöchst. Ebenfalls Ems-Chemie (GV am 8. August im kleinen Kreis).

Ausreisser im positiven Sinn war Relief Therapeutics mit fast einer Verzehnfachung des Aktienkurses. Ein Produkt dieser Gesellschaft könnte schwer erkrankten Corona-Patienten helfen (Aviptadil).

Aussichten

Nach mehr als einem halben Jahr haben wir erste quantitative Erkenntnisse bezüglich des Lockdown-Schadens in der Wirtschaft. Interessanterweise kommen Grosskonzerne gut weg, die Zahlen sind weniger schlecht als erwartet, je nach Sektor. Gross sind die Schäden in den Bereichen Luxusprodukte, Airlines, nicht börsenkotierten KMUs und einige Zulieferern der Industrie.

Neuste Wirtschaftszahlen aus den USA deuten aber auch auf eine Erholung hin. Falls die zweite Welle ausbleibt, kommen wir mit einem «blauen Auge» davon.

Noch zu wenig kennen wir die Defizitpolitik der Staaten. Offenbar wird hinter den Kulissen – für den schlimmsten Fall – auch bereits über Währungsreformen, Bargeldabschaffung, bedingungsloses Grundeinkommen usw. diskutiert. In diesem Falle wären Auswirkungen auf die Finanzmärkte schwer abzuschätzen. Das wären politische Entscheide auf internationaler Ebene. Im Moment bleibt diesbezüglich vieles noch ungewiss.

Christopher Chandiramani, Börsenanalyst und freier Mitarbeiter Linth24