Home Gemeinden In-/Ausland Sport Magazin Agenda
Kanton
31.07.2020
31.07.2020 19:11 Uhr

Börse zunächst orientierungslos, dann schwächer

Nach den Verlusten der Vorwoche starteten die Aktienmärkte positiv, später verloren verschiedene Titel wieder an Schwung. Mehr darüber im Börsenkommentar von Christopher Chandiramani.

Im Wochenvergleich ergab sich ein Minus von zwei Prozent, der SMI verharrte knapp über 10'000 Punkten. Die Probleme sind noch immer die gleichen, höhere Fallzahlen bei Corona, Hoffnungen auf rasche Entwicklung von Medikamenten und Impfstoffen, wachsende politische Differenzen zwischen den USA und China. Präsident Trump denkt sogar darüber nach, die US-Wahlen vom Spätherbst zu verschieben. Das Umfeld mit Corona könnte den Wahlausgang verfälschen, besonders bei der Briefwahl. Konjunkturdaten zeigen immer noch ein düsteres Bild. Gold hat unterdessen ein Allzeithöchst erreicht. Ein Kilo kostet zurzeit CHF 58'000 und der US-Dollar sackte auf ein Mehrjahrestief von 91 Rappen ab. Bei den Aktien haben die Investoren wieder eine vorsichtigere Grundhaltung eingenommen.

Von Halbjahresergebnissen geprägt

Während in den USA die Technologiewerte wie Apple, Alphabet (Google), Facebook und Amazon im Fokus standen - Sieger während der Corona-Pandemie - dominierten bei uns einige Halbjahresergebnisse. Bei den Grossbanken hat sich Credit-Suisse gut behauptet. Erträge und Reingewinn konnten dank mehr Kundenaktivitäten zulegen. In Zukunft sind aber Straffungen angekündigt, Einsparungen von über CHF 400 Mio. und auch Filialschliessungen werden nicht ausgeschlossen. Gehaltene Zahlen auch bei der Bank Vontobel. Die Zürcher Privatbank erwirtschaftete insgesamt einen Betriebsertrag von 623 Mio. Franken gegenüber 626 Mio. im vor einem Jahr. Nestlé weist hingegen fast 10 Prozent Umsatzrückgang aus, geht aber trotzdem durch bessere Margen und einem höheren organischen Wachstum gestärkt aus der Corona-Krise hervor. Krisenmodus hat ebenfalls das Geschäft von LafargeHolcim im ersten Halbjahr 2020 geprägt: Der Zementkonzern hat einen Umsatzeinbruch von 18 Prozent erlitten. Der Höhepunkt der Krise sei aber gemäss Management gut überwunden und schon im Juni habe sich die Nachfrage wieder voll erholt. Entsprechend zuversichtlich ist man für das zweite Halbjahr 2020. Auch die Schweizerische Nationalbank schreibt schwarze Zahlen (8 Milliarden CHF). Die Goldposition stieg stark, während die Aktien- und Devisenpositionen insgesamt etwas verloren. Zeitweise grössere Gewinner gab es unter Nebenwerten bei Aryzta, Meyer Burger und Hochdorf - Turnaround-Spekulationen, Der Aktienkurs von Belimo befindet sich auch wieder nahe am Allzeithöchst, deutlich über CHF 7’000 (Emissionspreis CHF 225 vor 20 Jahren).

Aussichten

Es ist sehr schwierig, sich aus medizinischer Sicht über die Corona-Pandemie ein genaues Bild zu machen. Gewisse Daten fehlen, wie beispielsweise Neu-Infizierte im Verhältnis zur Anzahl Tests, Verhältnis zu den Genesenen, Todesfälle nach Ursachen, davon Corona, nicht nur die Gesamtzahl. Solche Verhältniszahlen und Vergleiche hätte man gerne gehabt, um Entwicklungsprognosen zu erstellen. Über die Wirtschaft wissen wir etwas mehr, dass durch Lockdown das Wirtschaftswachstum 2020 um durchschnittlich etwa 10 Prozent abnehmen dürfte (Europa) und bis zu minus 30 Prozent in anderen Staaten (z.B. USA). Branchenmässig haben sich Pharma- und Technologiewerte am besten gehalten. Die Exportindustrie (Maschinen) dürfte für eine Erholung längere Zeit brauchen, vor allem aber auch bei Luxusgütern (Uhren) sowie Gastgewerbe und Tourismus. Bezüglich des Gesamtmarkts haben wir vermutlich in den kommenden Monaten eine Seitwärtsbewegung in engen Bandbreiten, wenn sich düstere Zahlen und die lockere Geldpolitik der Notenbanken etwa die Waage halten.

Christopher Chandiramani, Börsenanalyst und freier Mitarbeiter Linth24