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03.07.2020
03.07.2020 18:33 Uhr

Wieder Covid-19-Vormarsch und Börsen-Verunsicherung

Die Corona-Fallzahlen verbreiten sich wieder stärker, speziell in den USA. Auch sonst gibt es wieder einige unerfreuliche Meldungen aus Politik und Wirtschaft. Mehr dazu in Christopher Chandiramanis Börsen- und Wirtschaftskommentar.

Unschön waren vor allem weitere Entlassungen, beispielsweise beim europäischen Flugzeughersteller Airbus, 15.000 Stellen werden gestrichen. Das Unternehmen steckt nach Angaben des Managements in der schwersten Krise der Luftfahrtbranche. Auch der Truppenabzug von US- Soldaten aus Deutschland ist beschlossene Sache. Rund 10'000 sollen es sein, fast ein Drittel der dort stationierten Truppen. Das betrifft letztlich das politische Gleichgewicht der Grossmächte in Europa.

Das umstrittene und von den Chinesen bezeichnete Gesetz «zum Schutz der nationalen Sicherheit in Hongkong» wurde definitiv verabschiedet. Es ermöglicht den chinesischen Behörden, die Freiheiten Hongkongs einzuschränken. Dies widerspricht dem Vertrag mit Grossbritannien im Zuge der Loslösung dieser Sonderverwaltungszone in Jahre 1997. Betroffen ist auch der Finanzplatz. Eine Ankündigung hat die Chinesen später auch verärgert – erleichterte Einbürgerungs- und Asylangebote der USA und GB an ausreisende Bewohner Hongkongs.

Frankreichs Regierung tritt zurück. Grund ist die «grüne Welle» bei den Kommunalwahlen vom letzten Wochenende. Staatspräsident Macron wird nun diverse Umbildungen vornehmen.

Die Arbeitslosenquote in den USA fiel überraschend von 13.3 Prozent auf 11.1 im Juni. Das ist immer noch sehr hoch, aber ein Lichtblick für eine Stabilisierung der Wirtschaft. Nach einem anfänglich schwachen Wochenstart erholte sich die US-Börse und zog auch die restlichen Weltbörsen wieder nach oben. Auch der SMI konnte die Marke von 10‘000 wieder überschreiten.

Meldungen zum 1. Halbjahr

Bei der Schweizer Wirtschaft ist die Handbremse immer noch angezogen. Der PMI-Index (Einkaufsmanager) ist auf 41.9 Punkte gefallen (50 = neutral, darunter bedeutet Schrumpfung). Die Basler Chemiefirma Clariant hat die Sparte Masterbatches verkauft und will allen Aktionären eine Sonderdividende von CHF 3 pro Titel auszahlen. Zudem seien Fusionsgespräche im Gang, hiess es weiter – Kursgewinn 11 Prozent. Profiteur vom zunehmenden Internetboom ist Interroll. Die Gesellschaft hat einen Grossauftrag aus den USA erhalten für Bau und Montage von Förderbändern für Pakete. Stadler Rail darf weitere Doppelstockzüge nach Ungarn liefern (Citylink-Netz Budapest). Novartis hat sich vergleichsweise den US-Behörden geeinigt. Es geht um die Bestechung von Ärzten mit teuren Einladungen und gehobenen Anlässen. Rückzug – Nestlé verkauft Mineralwasser-Geschäft «Pure Life» in Kanada.

Aussichten bleiben verhalten

Die wirtschaftliche Entwicklung dürfte weltweit und Corona-bedingt weiterhin sehr schwach bleiben. Die Zahlen zum 1. Halbjahr und auch später werden auf breiter Front tiefer sein, erst im kommenden Jahr sich wieder zögerlich erholen. Zwar haben sich die Aktien seit dem Einbruch im März stark erholt – Blick in eine positivere Zukunft – aber alles innerhalb eines labilen Gleichgewichts. Investoren brauchen weiterhin viel Geduld und gute Nerven.

Christopher Chandiramani, Börsenanalyst und freier Mitarbeiter Linth24