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22.05.2020

Aktienbörse: insgesamt richtungslos

Freundliche Tendenz zu Wochenbeginn und Gewinnmitnahmen am Freitag, so präsentierte sich die Auffahrts-Woche. Mehr darüber im heutigen Wirtschafts- und Börsenbericht von Christopher Chandiramani.

Die Menschen freuen sich über die Lockerungen nach der 1. Phase der Corona-Krise und gehen fast wieder zu grosse Risiken ein. Am Auffahrtstag waren viele Ausflugsorte überfüllt. Jedoch an Pfingsten sollen Gottesdienste wieder erlaubt sein. Am 27. Mai entscheidet der Bundesrat über weitere Lockerungsschritte, vorgesehen für den 8. und 15. Juni.

In der zweiten Wochenhälfte erinnerten sich die Marktteilnehmer wieder an die Pandemie und die erwarteten massiven wirtschaftlichen Folgen. Zusätzlich gab es neue Spannungen zwischen den USA und China bzw. den Präsidenten Donald Trump und Xi Jinping wegen angeblichen Desinformationen, was wiederum negativ auf die Stimmung wirkte.

Die Lage auf dem amerikanischen Arbeitsmarkt bleibt schwierig und verschlechtert sich weiter. In den vergangenen sieben Tagen wurden wiederum 2.4 Millionen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe gestellt. Damit sind fast 40 Millionen Leute in den USA ohne Beschäftigung und Einkommen, was fast einer Arbeitslosenrate von zwanzig Prozent entspricht, wie in den dreissiger Jahren des letzten Jahrhunderts, dies noch ohne Einberechnung einer Dunkelziffer.

Gewinnabgaben nach Auffahrt

Nach relativ stabilem und freundlichem Wochenbeginn schritten die Investoren am Freitag wiederum zu Gewinnmitnahmen. Am Donnerstag waren Europas Börsen geschlossen, in den USA und in Fernen Osten waren aber die Märkte weitgehend geöffnet, tendierten jedoch bereits schwächer. Die Sorgen bezüglich einer Rezession nach der Corona-Krise überwogen und die Kursgewinne wurden wieder preisgegeben. Praktisch alle SMI-Titel, mit Ausnahme der Zürich-Versicherungen verloren am Freitag im Durchschnitt über 1 Prozent. Neue Unternehmensmeldungen gab es nur wenige, ausser Roche, wo der Diagnostikbereich durch Zukäufe weiter ausgebaut wird. Bei der Stadler Rail übernimmt Peter Spuhler wiederum die Führung. Der CEO Thomas Ahlburg verlässt die Unternehmung. Auffallend waren die Aktien der Frauenfelder Versandapotheke zur Rose, Kursgewinn knapp 60 Prozent seit Januar. Offenbar blüht auch hier der Online-Handel mit Rekordumsätzen.

Aussichten - anhaltende Warnungen der Experten

Die Branchenentwicklung an der Schweizer Börse war in diesem Jahr stark unterschiedlich. Pharma, Chemie und Versorger konnten einstellig zulegen oder sich knapp im Plus halten, ebenso die Telekommunikation und die Nahrungsmittelbranche. Deutlicher verloren die Grossbanken, Maschinenindustrie, Versicherungen, Konsumwerte und Detailhandel im zweistelligen Bereich an Wert. Bei den Medien und Tourismuswerten waren die Verluste teilweise sogar über dreissig Prozent. Diese Tendenz dürfte sich im Jahresverlauf fortsetzen bis zum Tiefpunkt der Rezession.

Finanzexperten warnen weiterhin und rechnen mit nochmals stark steigender Arbeitslosigkeit und einem grösseren wirtschaftlichen Rückschlag als in der Finanzkrise vor 12 Jahren (Konkurswelle bei den KMU). Unsicherheiten gibt es auch bezüglich einer zweiten möglichen Corona-Welle im Sommer. Mediziner schliessen dies nicht aus. Geld anlegen und verwalten bleibt in der kommenden Zeit somit sehr anspruchsvoll.

Christopher Chandiramani, Börsenanalyst und freier Mitarbeiter Linth24
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