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15.05.2020
15.05.2020 16:29 Uhr

Börsen mit Gefühlsschwankungen

Es geht weiter in Richtung Normalität, aber die düsteren wirtschaftlichen Zukunftsaussichten haben die Märkte belastet. Mehr darüber im heutigen Wirtschafts- und Börsenbericht von Christopher Chandiramani.

Nach mehreren Wochen des Corona-Stillstands wird in weiten Teilen Europas weiter schrittweise gelockert. Man freut sich auch bereits über die Grenzöffnungen zwischen der Schweiz, Deutschland, Österreich und Frankreich, spätestens anfangs Juni. Somit könnte die Sommersaison für Touristen teilweise gerettet werden, falls sich die Krankheitssituation nicht nochmals verschlechtern sollte bzw. einen zweite Welle kommt.

Die Beziehungen zwischen den USA und China sind wieder komplizierter geworden, gegenseitige Schuldzuweisungen bezüglich Corona und dadurch indirekt auch ein Wiederaufleben des Handelskriegs. In den USA verschlechtern sich die Wirtschaftsaussichten weiter (Arbeitslosigkeit), während in China im April mit 3.9 Prozent wieder gewachsen ist. Auch Grossbritannien kämpft, es verdichteten sich Gerüchte über einen möglichen finanziellen Engpass des öffentlichen Verkehrs. Hier wurden dann auch zwei Milliarden Pfund Staatshilfe gesprochen zur Beibehaltung des Betriebs ohne Unterbrechungen.

Korrektur bei den Finanz- und Industriewerten

Die Berichtswoche stand im Zeichen einer Korrektur mit Ausnahme des Pharmabereichs. Die Zwischenberichte der meisten Unternehmungen waren unterschiedlich. Viele Firmen verzichteten auf genaue Ausführungen bezüglich des Gesamtjahres. Zürich Versicherungen erwähnten einen Schadenaufwand von über 750 Mio. US-Dollar. Roche vermeldet Erfolge bei diversen Diagnoselösungen, auch bei neuen Marktzulassungen für Covid-19-Tests. Das erklärt auch ein neues Allzeithöchst der Roche-Aktie und des Genussscheins. Positiv waren auch Zahlen von Sunrise. Die Nachfrage nach Telekommunikation hat zugenommen. Ebenso überraschend war die Entwicklung des Augenmittelproduzenten Alcon. Dagegen hat Clariant, ein Produzent von  Chemieprodukten die Dividende gestrichen bzw. die Auszahlung zurückbehalten.

Aussichten – nur langesame Erholung

Mit Ausnahmen der USA, Russland und einigen Entwicklungsländern nehmen vor allem in Europa die Corona-Fallzahlen ab, in der Schweiz von rund 1000 auf 50 Neuansteckungen pro Tag, Der öffentliche Verkehr fährt wieder hoch, und die Grenzöffnungen stehen bevor, ebenso dürfte die Wiederinbetriebnahme der Schifffahrt und der Bergbahnen die Normalisierung abschliessen.

Ebenfalls hat sich der Ölpreis auf tiefem Niveau stabilisiert, eine Voraussetzung für eine weitere Verbesserung der Aktienbörsen. Die Zinssätze bleiben auf Rekordtief, US-Präsident fordert sogar von der US-Notenbank (FED) Negativzinsen, damit Bargeld weniger gehortet wird, sondern in den Wirtschaftskreislauf zurückgeführt wird. Auch die umfangreichen weltweiten Staatshilfen werden zur wirtschaftlichen Verbesserung beitragen - aber alles zusammen bedeutet weiterhin eine Erholung mit angezogener Handbremse.

Christopher Chandiramani, Börsenanalyst und freier Mitarbeiter Linth24
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