Home Gemeinden In-/Ausland Sport Magazin Agenda
Rapperswil-Jona
14.11.2021
12.11.2021 18:42 Uhr

Einfahrt in Rapperswil-Jona nach 12'000 Velo-Kilometern

Seine Rückkehr nach Rapperswil-Jona zelebrierte Dani Koller regelrecht.
Seine Rückkehr nach Rapperswil-Jona zelebrierte Dani Koller regelrecht. Bild: zVg
In zehn Folgen berichtete Linth24 von den Erlebnissen des Rapperswiler Velo-Abenteurers Dani Koller. Im abschliessenden Bericht erzählt er, weshalb er die Reise sofort wieder machen würde.

Dani Koller sitzt im Steiner-Café an der Rapperswiler Zürcherstrasse und geniesst die heimische Umgebung in vollen Zügen. Was nicht erstaunlich ist. Sieben Monate erlebte er fremde Kulturen, Menschen und Sprachen. Dass er sich mit allen Menschen wieder auf Schweizerdeutsch unterhalten kann, daran muss er sich zuerst wieder gewöhnen. 

Vor ein paar Tagen fuhr er die letzten von 12'000 Kilometern auf dem Velo über den Seedamm, wobei er von seinem Göttibuben begleitet wurde. In Rapperswil-Jona angekommen, gab's zunächst eine Willkommens-Feier im engsten Familien- und Freundeskreis. Koller: «Die Heimkehr war schon ein emotioneller Moment – und der Seedamm gewissermassen meine Zieleinfahrt.»

Das Essen entlang der Balkanroute entsprach nicht immer höchsten Ansprüchen. Bild: zVg

Wie Zürich – Shanghai auf dem Velosattel

Die von Dani Koller auf dem Velo zurückgelegte Distanz entspricht ungefähr der Strecke zwischen Zürich und Shanghai. Dabei erlebte er unzählige bereichernde Begegnungen, Abenteuer, sportliche Glücksgefühle. Doch in Albanien packte ihn das erste und einzige Mal den Blues. «Albanien hat die grausigste Mittelmeerküste, die ich jemals gesehen habe, überall liegt Abfall. Es ist schrecklich.» Dass die Küste zudem noch auf schlimmste Art und Weise verbaut wurde, hob seine Stimmung auch nicht unbedingt. 

Genauso schlimm empfand er das Essen in dem Land: «Albanisches Essen kriegt man gar nicht. Man will ja international sein, also verpflegt man sich in Fast-Food-Lokalen.» Egal was man esse, überall habe es Mayonnaise drin. An der Küste sei Albanien ein Land, dass seine Kultur verloren habe, meint er. Man treffe dort viele russische Investoren, die das schnelle Geld machen wollen. 

Bild: zVg

Trost in den albanischen Alpen 

In dieser Stimmung war der Veloabenteurer sogar zum sofortigen Abbruch seiner Reise bereit. «Wenn jemand mit einem Busticket gekommen wäre und vorgeschlagen hätte, wir fahren heim, dann hätte ich das getan», erinnert er sich. Hinzu kam, dass der Winter sich mit kalten Temperaturen ankündigte. «Wenn man Velo fährt schwitzt man. Beim Abkühlen friert man brutal.»

Den kompletten Gegensatz erlebte er anschliessend in Montenegro. «Es war wunderschön. Und ich traf dort gleich zwei Kollegen mit montenegrinischen Wurzeln aus Rapperswil, die in der Stall-Bar und der Werki-Bar arbeiten.» Die beiden begleiteten ihn durch die Stadt Ulcinj. Obwohl es kalt war und drei Tage hintereinander geregnet hatte, würde er das Land gerne wieder besuchen, versichert er. Zumal der Strand bei Ulcinj zehn Kilometer lang sei und keine einzige Überbauung aufweise. 

Zum Abschluss genehmigte sich Dani Koller noch einen kleinen Abstecher auf den Julierpass. Bild: zVg

Zum Abschluss eine Spritztour auf den Stilfserpass

Auf der anschliessenden Strecke durch Bosnien gefiel dem Velofahrer besonders der «Ciro-Trail», eine Veloroute auf der alten Eisenbahnlinie Dubrovnik – Wien. «Mega cool», urteilt Koller. «Es ist superschön und geht nicht gross aufwärts.» In Trebinje besuchte er auf Empfehlung von Einheimischen eine Disco. «Dort wurde mir erstmals bewusst, wie Partys vor Corona waren. 3000 Leute feierten, als gäbe es den Virus nicht. Keinerlei Schutzmassnahmen. Nada, nix, gar nichts.» 

Als er auch Italien beinahe schon hinter sich gebracht hatte, beschloss er zur Feier des Tages noch einen Abstecher auf den Stilfser Pass zu unternehmen. «An diesem Tag hatte ich schon 80 Kilometer Strecke und 1000 Höhenmeter in den Beinen. Trotzdem entschloss ich mich, auch noch die folgenden 1900 Höhenmeter abzuspulen.» Bei der Erinnerung grinst er und sagt: «Bitte nicht nachmachen. Mit 25 Kilogramm Gepäck kam ich erstmals auf meiner gesamten Tour an den Anschlag.»

«Ich mache es wieder»

An dieser Stelle endet Dani Koller mit seinem Reisebericht. Gefragt, ob er diese Velotour wiederholen würde, sagt er: «Auf jeden Fall. Vielleicht nehme ich dann eine andere Route – aber ich mache es wieder.» Während er sich verabschiedet erklärt er, wo für ihn der Reiz liegt: «Auf dem Velo bist du genug schnell, um vorwärts zu kommen und langsam genug, um alles aufzusaugen.» Vor dem Café wartet sein Bike. Einmal mehr schwingt er sich auf den Sattel und entschwindet im Alltagsverkehr von Rapperswil-Jona. 

Jérôme Stern, Linth24