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Sport
12.06.2021
12.06.2021 06:38 Uhr

Rapperwiler Velofahrer finden das Paradies in Guatemala

In San Marco am Atitlan-See fanden die Abenteurer ein kleines Paradies.
In San Marco am Atitlan-See fanden die Abenteurer ein kleines Paradies. Bild: zVg
Mittlerweile sind Dani Koller und Silvan Bissegger seit Mitte April auf ihrer Velotour in Mittelamerika. In der vierten Folge finden sie ein paradiesisches Fleckchen.

Nachdem vier Wochen in Mexiko beschlossen die beiden Rapperswiler Veloabenteurer Dani Koller und Silvan Bissegger, Guatemala einen Besuch abzustatten. Doch was sie nicht bedacht hatten: Guatemala ist ein Land voller Vulkanberge. Wer dort mit dem Velo unterwegs ist, muss topfit sein. Sie seien an den Rand ihrer Kräfte gekommen, gesteht Koller. «Es ist schwer vorstellbar, wie steil es dort rauf und runter geht geht.»

Um doch eine Vorstellung davon zu haben: Auf den steilen Strassen fahren auch Autos hinauf immer im ersten Gang. Laut Koller ist selbst die anschliessende Abfahrt nicht wirklich beglückend. «Nach 500 Metern musst du eine Pause machen, um die glühenden Bremsen abkühlen zu lassen.» Immerhin waren die überholenden Autofahrer mitfühlend: «Mehrfach boten sie uns aus dem fahrenden Auto Wasser an. Einmal wollte man uns sogar Geld zustecken, weil sie dachten wir Velofahrer seien arme Schlucker.» Sie hätten das Geld allerdings nicht angenommen, versichert Koller. 

Die Strassen in Guatemala sind extrem steil – besonders für Velofahrer. Bild: Jérôme Stern/LInth24

Besuch beim dampfenden Vulkan

Beim Thema Landschaft und Klima Guatemalas gerät Koller ins Schwärmen: «Die Temperatur ist immer super angenehm, es ist wunderschön, man sieht eine wahnsinnige Blumenpracht, es ist überall grün und nochmals grün.» Auch die Vulkanlandschaft besitze für Schweizer eine gewisse Exotik. Es sei etwas Spezielles, wenn man rundum riesige Vulkane sehe. Natürlich wollten sie einen Vulkan bis zuoberst erklimmen und wählten dafür den momentan aktivsten Vulkan, den Pacaya. 

Mit ihren Bikes führen sie so weit hinauf wie möglich, die restlichen 600 Meter stiegen sie dann zu Fuss hoch – auf einen Vulkan, dessen letzter Ausbruch vor einem Monat geschah. «Wir sind dem Lavastrom entlang gelaufen, der zwar nicht mehr rot, aber schon noch heiss war», erzählt Koller. Aus unzähligen Ritzen habe es gedampft. Momentan seien die Leute am beten, damit der Vulkan nicht noch mal ausbricht, weil er damit eine Siedlung auslöschen würde. «Und er ist sehr aktiv. Seit 1966 ist der Vulkan um rund 600 Meter gewachsen.»

Der Vulkan Pacaya ist äusserst aktiv – es dampft aus allen Felsspalten. Bild: zVg

Heidi hilft immer

Auffallend sei, dass es in Guatemala viel weniger Touristen habe als in Mexiko. «Es sind so wenige Touristen unterwegs, dass sie extrem fokussiert auf einen sind.» So wurden Koller und Bissegger immer wieder in Gespräche mit Einheimischen verwickelt. Wobei viele keine Ahnung hatten, wo die Schweiz liegt. Schliesslich fanden sie die einfachste Erklärung für die Fragenden: «Wir müssten nur die Heidi-Geschichte erwähnen, dann wussten sie plötzlich Bescheid.» Das habe immer geholfen. «Manchmal hatte ich den Eindruck, dass die Menschen dort einfach mit uns reden wollten, um einen Teil unserer Welt zu erleben. Ihre Umfeld ist extrem klein und sie bewegen sich in kleinen Kreisen.»

Das Paradies von Martin Suter

Nach mehreren Stationen erreichten Koller und Bissegger schliesslich San Marco am Atitlan-See. Bekannt ist der Ort als Hippie-Paradies. Hier sei es wirklich magisch. «Alles ist dort anders: viel veganes Essen, viele schräge Leute, viele Geistheiler. Es ist schräg im Quadrat!» Übrigens sei der Ort auch erstaunlich vielen Schweizern bekannt. Die beiden liessen es sich für ein paar Tage in dieser komplett anderen Welt gutgehen. Koller schwärmt von Campingplatz und vom See mit sauberem Wasser, wo man wunderbar baden kann. «Rundum 4000 Meter hohe Vulkane.» Wobei Koller nicht der einzige ist, dem dieser Ort gefällt: Auch der erfolgreiche Schriftsteller Martin Suter lebte lange dort. «Er ist mein Lieblingsautor. Jetzt weiss ich auch woher er seine schrägen Ideen hat.»

Jérôme Stern, Linth24