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Rapperswil-Jona
29.05.2021

Die beiden Velo-Abenteurer landen im Knast

Die Busse in Guatemala sind eindrücklich  – und ihre Fahrer kennen keine Furcht.
Die Busse in Guatemala sind eindrücklich – und ihre Fahrer kennen keine Furcht. Bild: Jérôme Stern/LInth24
In der dritten Folge erzählt der Rapperswiler Velo-Abenteurer Dani Koller, wie sie in Chiapas Rebellen besuchen und schliesslich sogar im Gefängnis landen.

Nachdem Dani Koller und Silvan Bissegger von Cancun nach Campeche in Mexiko geradelt waren, entschlossen sie sich spontan anstatt in die USA nach Guatemala weiterzufahren. «Wir fanden, wir probieren es einfach und setzten uns das Ziel, quer durch Südamerika auf der Panamericana bis nach Ushuaia an der Südküste von Argentinien zu fahren.» Zumindest die Einreise gestaltete sich angenehm unkompliziert. 

Ob in Mexiko oder in Guatemala: Auf ihrer Route waren Koller und Bissegger stets mit der allgegenwärtigen Armut konfrontiert. «Wenn wir mit den Menschen sprachen kam garantiert als erstes die Frage, wie teuer unsere Velos seien.» Die Einheimischen würden sofort erkennen, dass ihre eigenen Velos anders seien. «Wir konnten ihnen aber nicht sagen, unsere Bikes kosten 5000 Franken. Das geht einfach nicht.» Wobei das Interesse der Einheimischen an den Velos schwindet, sobald sie realisiert haben, dass diese keine Elektromotoren haben. «Sie würden auch nicht verstehen, wie jemand für ein Velo so viel Geld ausgeben kann.»

Die Strassen in Guatemala können extrem steil sein. Bild: Jérôme Stern/LInth24

Langweiliges mexikanisches Essen

Obwohl die Beiden ein anspruchsvolles sportliches Ziel vor Augen haben, möchten sie sich auch die Sehenswürdigkeiten nicht entgehen lassen. So landeten sie etwa in San Cristobal. «Ein extrem touristisches und wunderschönes Städtchen, wo auch einige Hippies hängen geblieben sind.» Wobei auch sie sich hier zwei Tage lang verwöhnen liessen, insbesondere weil es hier endlich mal was anderes gab als Bohnenmus und mit Fleisch gefüllte Tortillas. 

Apropos Essen, wie ernähren sie sich auf ihrer Reise? Es gebe an jedem Ecken kleine Restaurants, egal wo man gerade sei. «Manchmal hat es an einer Strasse ein paar Tische und irgendwo kochen sie. Aber genauer hinschauen sollte man besser nicht.» Allerdings gebe es immer dasselbe. Das mexikanische Essen sei furchtbar langweilig, sagt Koller. Er kenne das noch von früher – und es sei nicht besser geworden.» Der sogenannte Tex-Mex-Food, den man hierzulande kenne, habe nichts mit dem Essen zu tun, das die Einheimischen essen, betont Koller bedauernd. 

Viele Früchte, doch das Essen in den Restaurant ist meistens dasselbe. Bild: zVg

Sie landen im Gefängnis

Von San Cristobal gings weiter Richtung Chiapa de Corzo, der Ausgangspunkt zum Nationalpark El Sumidor, einem der grössten Wasserspeicher in Amerika. Dort wechselten die zwei Velofahrer ihr Beförderungsmittel und unternahmen eine Bootstour. Es sei zwar super touristisch, aber trotzdem ziemlich spannend gewesen, findet Koller. 

Wesentlich weniger touristisch war die Begegnung mit den Rebellen im Chiapas-Gebiet. Er sei sich vorgekommen wie ein Affe im Zoo. «Die Menschen dort haben wahrscheinlich seit Jahren keinen europäischen Touristen gesehen. Sie haben uns angestarrt wie Tiere im Zirkus und sich dabei fast totgelacht.» Schliesslich fanden sie dort auch das einzige Hotel weit und breit. Doch irgendwie kam ihnen das Haus komisch vor. «Es sah genau so aus wie altes Gefängnis.» Der Eindruck bestätigte sich tatsächlich, wobei der «Hotelbesitzer» sich für diesen Umstand schämte. «Das Gebäude war ein Gefängnis, in dem der Staat früher die Rebellen eingesperrt hatte.» Die Zimmer dort hatten zwar keine Fenster. Aber die beiden Abenteurer schliefen gleichwohl erstaunlich gut. 

Jérôme Stern, Linth24