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Rapperswil-Jona
10.07.2021
20.08.2021 08:56 Uhr

In Schachtdeckel reingefallen – Loch im Bein

4000 Kilometer haben Dani Koller und Silvan Bissegger auf ihrer Velotour bislang zurückgelegt.
4000 Kilometer haben Dani Koller und Silvan Bissegger auf ihrer Velotour bislang zurückgelegt. Bild: zVg
In der sechsten Folge des Reiseberichts erzählen die beiden Rapperswiler Velo-Abenteurer von der schönsten Stadt in Mexiko und wie sie einen Abstecher in die USA machen.

Seit Mitte April sind der Rapperswiler Dani Koller und sein Kollege Silvan Bissegger mit dem Velo in Mittelamerika unterwegs. Nach etlichen Kilometern durch Mexiko und Guatemala beschliessen die beiden, auch die USA zu bereisen. Doch zuvor wollen sie sich Mexiko-City, mit 21 Millionen Einwohnern eine der grössten Städte der Welt, anschauen. 

«Es ist ein Chaos im Quadrat», sagt Dani Koller bei telefonischen Interview. «Dann fährst du 40 Kilometer durch die Stadt, suchst deren Zentrum und bist nirgendwo.» Der Verkehr sei ein Gewusel ohne Ende und die Strassen extrem schlecht. Andere Velofahrer hätten sie erst Zentrum angetroffen. Wobei die Fahrt durch die City einem Selbstmordkommando glich. Sie mussten rücksichtslosen Autofahrern ausweichen und zugleich Schlaglöchern umfahren. «Nach diesen 40 Kilometern bist du fix und fertig – und zwar emotional. Du magst einfach nicht mehr.»

Mexico City – die Stadt mit 21 Millionen Einwohnern: Nichts für Velofahrer. Bild: zVg

Erinnerungen an die erste Mexiko-Reise

Für Koller war's nicht der erste Aufenthalt in Mexico-City. Schon vor 20 Jahren hatte er die Metropole besucht. Die Veränderung, welche die Stadt gemacht habe, sei enorm, sagt er. «Vor 20 Jahren war die Stadt nur «grusig». Die Luft war unheimlich schlecht und man konnte sich kaum draussen aufhalten, so dreckig ist alles gewesen.» Jetzt sei es, abgesehen vom Verkehr, eine wunderschöne Stadt. 

Am eindrücklichsten war für Koller, dass man heute sicher und ohne Angst vor einem Überfall auch nachts auf den Strassen spazieren kann. Früher sei das schlicht undenkbar gewesen. Doch Kollers Hochgefühle erlitten während des Besuchs einen schmerzhaften Dämpfer: «Auf den Strassen Mittelamerikas muss man immer aufpassen, weil die Schachtdeckel fehlen. Gefühlte 700 Schächte konnte ich vermeiden, aber in Mexico-City bin ich in einen reingefallen.»

Dani Koller (rechts) mit dem Arzt, der ihn nach dem Unfall behandelte. Bild: zVg

Spitalaufenthalt in der Megacity

Fazit des Unfalls war ein Loch im Bein, welches in einem Spital genäht werden musste. Trotz allen Befürchtungen sei die medizinische Versorgung dort erstaunlich gut gewesen, versichert Koller. «Es war ganz okay.» Doch die schönste Überraschung erlebte er nach der Behandlung. «Ich dachte, die Frage hinsichtlich Unfallversicherung würde kompliziert werden. Aber in Mexiko-City ist die Behandlung in der Notaufnahme gratis für jeden.» 

Vier Tage blieben Koller und Bissegger in der Metropole. Anschliessend wollten sie in die USA fahren. Doch mit dem Velo war das unmöglich, da die Landesgrenzen zwischen Mexiko und den Vereinigten Staaten wegen Corona noch immer geschlossen sind. Als einzige Möglichkeit blieb die Einreise auf dem Luftweg. 

Die beiden Abenteurer geniessen in San Francisco mal ein anderes Verkehrsmittel. Bild: zVg

Einreise mit Hindernissen

Tatsächlich fiel ihnen der Entscheid, mit dem Flieger in die USA zu reisen, nicht allzu schwer, da sie per Velo neun Tage bei brütender Hitze unterwegs gewesen waren. Für die Einreise mussten sie zwar unzählige Deklarationen ausfüllen – und natürlich galt es, auch einen Corona-Test zu machen. «Aber schliesslich fragte niemand danach.» 

Nach vier Stunden Flugzeit landeten Koller und Bissegger schliesslich in San Francisco. Aber während Koller die Passkontrolle innert 30 Sekunden passieren konnte, wurde Bissegger nach allen Regeln der Kunst durchleuchtet. «Sie haben ihn gnadenlos auseinandergenommen. Der Grund war vielleicht, dass er nicht ganz so gut Englisch sprechen kann. Dadurch war er den Beamten irgendwie suspekt.» Nach einer halben Stunde gab es dann doch ein Happy End und die beiden Velo-Abenteurer konnten glücklich einreisen. Wobei sie natürlich auch ihre Velos per Luftfracht mitgenommen hatten. 

Jérôme Stern, Linth24