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Sport
20.08.2021
20.08.2021 06:00 Uhr

«Ich würde nie nur wegen des Geldes wechseln»

Jann Billeter freut sich bei MySports auf die Chance von 100% Eishockey und auf ein agiles und kreatives Team.
Jann Billeter freut sich bei MySports auf die Chance von 100% Eishockey und auf ein agiles und kreatives Team. Bild: Fotomontage Linth24
Nach 24 Jahren wechselt Jann Billeter aus Rapperswil von SRF zu MySports. Im Linth24-Interview verrät der Eishockey-Experte Tops und Flops seiner Karriere, wie er für die Lakers mitfiebert und was er unbedingt moderieren möchte.

Ab September wird SRF-Sportmoderator Jann Billeter, der mit seiner Frau und den beiden Kindern in Rapperswil-Jona wohnt, das neue Aushängeschild von MySports. Der 49-Jährige übernimmt ab nächster Hockeysaison Studio-Moderationen und Live-Kommentare beim Upc-Sender.

Linth24: Was hält einen Bündner seit 16 Jahren in Rapperswil-Jona?

Jann Billeter: Lebensqualität, Kinder die hier gross werden, Freunde, Umgebung, Arbeitsweg – ich bin hier zu Hause! Und wenn ich in die Berge möchte, geht das ja auch ganz schnell.

Als Eishockey-Fachmann – liegt Ihnen da der SCRJ speziell am Herzen?

Mir liegt das Eishockey am Herzen und nicht ein einzelner Verein. In meinem Job ist man in der privilegierten Lage, dass man Spieler, Trainer Vorstandsmitglieder, Fans, Eismeister usw. aus der ganzen Schweiz kennen lernen darf. Ich kann sagen, überall gibt es gute Typen und es ist eine Freude mit diesen Leuten übers Eishockey zu sprechen.

Sie haben beim HCD gespielt: Was passiert bei Ihnen, wenn Rappi gegen Davos antritt?

Nicht was viele denken, dass ich mich als Fan nicht für ein Team entscheiden kann. Ich habe Freude am Spiel und bin gespannt, wer was zu bieten hat. Ob Dominik Egli nun bei den Lakers oder beim HCD spielt, ändert für mich nichts. Er ist ein sehr guter Spieler und eine spannende Persönlichkeit, egal mit welchem Logo auf der Brust. Das ist keine diplomatische Antwort, sondern die Realität, wenn man seit über 20 Jahren das Eishockey in der Schweiz intensiv verfolg und darüber berichtet.

«Ich bereue meinen Entscheid keine Sekunde»
Jann Billeter, Sportmoderator

Ihr letzter Auftritt bei SRF war sehr emotional: Was genau ging Ihnen dabei durch den Kopf?

Es wurde mir bewusst, dass ich nun mit sehr vielen Leuten, die ich seit über 20 Jahren kenne und die zu meinen Freunden gehören, nun nicht mehr zusammenarbeiten werde. Es wurde mir bewusst, wie viel ich gesehen habe und wie viele schöne Momente ich in diesem Job bei SRF erleben durfte. Dafür bin ich sehr dankbar. Trotzdem bereue ich meinen Entscheid keine Sekunde, sondern freue mich enorm auf die neue Herausforderung.

Bei «MySports» werden Sie weniger Zuschauer haben als bei SRF. Kein Problem für Sie?

Ich habe in den letzten Jahren mitbekommen, wie stark MySports bereits in der Eishockeyszene verankert ist. Viele Leute, die ich kenne, verfolgen die Meisterschaft nur noch bei MySports. Dieses Publikum hat hohe Ansprüche an Eishockeyübertragungen. Es motiviert mich enorm, für dieses Publikum spannende Sendungen und Formate zu produzieren. Mein Ziel ist es, Eishockey noch populärer zu machen und ich bin überzeugt, dass MySports auf verschiedenen Kanälen weiterwachsen wird, nicht nur via TV, sondern immer mehr auch via Mobile und Social-Media.

«MySports bietet mir einen spannenden und erfüllenden Job»
Jann Billeter, Sportmoderator

Was gab nach 24 Jahren den Ausschlag, vom Staatsfernsehen zum UPC-Sender zu wechseln?

Die Chance auf 100 Prozent Eishockey und die Möglichkeit mit einem agilen, kreativen Team, Ideen schnell umzusetzen und meine Erfahrung einzubringen.

Nicht das Geld? Man hört immer wieder, dass die privaten Sender besser zahlen als SRF...

Ich würde nie nur wegen des Geldes eine Stelle wechseln. MySports bietet mir einen spannenden und erfüllenden Job und eine Rolle im Team, die mich reizt. Der Lohn ist ein Teil des ganzen Pakets.

Was war Ihr persönliches Highlight als Moderator?

Da gibt es so vieles. Sicher die Eishockey-WM 2013. Wie sich die Schweizer Eishockey Nationalmannschaft damals in Stockholm durchs Turnier spielte, war einfach grandios. Unvergessen bleibt auch, wie Roger Federer in Wimbledon sein erstes Grand Slam Turnier gewann und ich auf dem Centre-Court mit Heinz Günthardt kommentieren durfte oder auch die Moderationen der Lauberhorn-Rennen im Schnee vor Eiger, Mönch und Jungfrau.

Ihr absoluter Flop?

Bei einem Test-Länderspiel Schweiz gegen Kanada im alten Stadion in Fribourg, mit sehr schlechter Sicht aufs Eisfeld, habe ich im Penaltyschiessen ein Tor eines Kanadiers nicht gesehen. Der Spieler hat nicht gejubelt, auf der Bank blieben alle ruhig und auf den Schiedsrichter, der das Tor angezeigt hat, habe ich nicht geachtet. Als dann der nächste Schweizer nicht getroffen hat, war die Partie plötzlich vorbei und ich verstand die Welt nicht mehr.

«Das MySports-Team zaubert immer wieder verrückte Ideen aus dem Hut»
Jann Billeter, Sportmoderator

Worauf freuen Sie sich am meisten bei Ihrem zukünftigen Job?

Ich freue mich auf die Studiosendungen mit den Experten, auf Analysen, auf Insiderwissen aber auch auf viele verrückte Ideen, die das MySports-Team immer wieder aus dem Hut zaubert und ich freue mich aufs Kommentieren in den Stadien. Am Dienstag Lugano, am Freitag Zug, am Samstag Fribourg – perfekt!

Sie haben einen Wunsch frei: Was fehlt noch in Ihrer langjährigen Hockey-Karriere auf und neben dem Eis?

Ich würde gerne kommentieren wie die Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft Weltmeister wird und darüber berichten wie ein Schweizer Spieler mit seinem Team den Stanley Cup gewinnt.

Linda Barberi, Linth24