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Rapperswil-Jona
26.06.2021
20.08.2021 08:55 Uhr

Fiesta Mexicana für die beiden Velo-Abenteurer

Die Landschaft in Oaxaca ist atemberaubend.
Die Landschaft in Oaxaca ist atemberaubend. Bild: zVg
In der fünften Folge seines Reisetagebuchs erzählt der Rapperswiler Dani Koller, wie ein Fest zu ihren Ehren partout nicht aufhören wollte.

Nachdem die Velo-Abenteurer Dani Koller und Silvan Bissegger ein paar Tage in Guatemala verbrachten haben, beschliessen sie, wieder zurück nach Mexiko zu fahren. Dort wollen sie den grössten Baum der Welt in Santa Maria del Tule sehen. Und während sie den 2000-jährigen Baum mit seinem 14 Meter umfassendem Stamm bestaunen, werden sie von einem Einheimischen angesprochen. «Er wollte uns unbedingt seiner Familie vorstellen», erzählt Koller. Worauf sie nichtsahnend der Einladung gefolgt seien. «Wir sagten uns, klar das machen wir. Coole Sache.» 

So landeten sie drei Tage später in dem Heim des Gastgebers in der Nähe von Puebla. «Dort wurden wir schon von einer 20-köpfigen Familie von der Grossmutter bis zum Enkel erwartet.» Am Nachmittag führte sie ihr Gastgeber durch sein Dorf, dabei wurden die Schweizer wie Trophäen präsentiert. 

 

Dani Koller (vorne im gelbem Shirt) wird von seinen Gastgebern wie eine Trophäe präsentiert. Bild: Jérôme Stern/LInth24

Herumgeführt wie ein Zirkuspferd

Nach einer ausgiebigen Dorführung landeten Koller, Bissegger sowie ihr Gastgeber mitsamt kompletter Familie in einem Restaurant. An diesem Nachmittag hätten sie ihren neuen Freunden sicher 30 Mal erklären müssen, dass sie nicht verheiratet seien oder Kinder hätten. «In Mexiko heiratet man mit 18 und hat anschliessend Kinder.» Auch eine Schwester des Gastgebers sei vor Ort gewesen. Wobei dieser nachdrücklich darauf hinwies, dass sie noch ledig sei. 

Doch dies war erst der Beginn der Party. Koller: «Sie wollten uns wirklich alles bieten. Abend um 10 Uhr hiess es, wir fahren jetzt noch zu einem Aussichtspunkt.» Mit einigen Autos wurde die ganze Gesellschaft dorthin verfrachtet. Die Aussicht über die Stadt sei wirklich fantastisch gewesen, eine Stunde hätten sie dort verbracht. Als sich die beiden Velo-Abenteurer schliesslich auf eine baldige Nachtruhe hofften, folgte die nächste Überraschung. 

Schildkröteneier sind nicht ganz nach Dani Kollers Geschmack. Bild: zVg

Torten um Mitternacht

Während ihre Gastgeber spätnachts Torten für die Party kauften, kamen immer mehr Leute. «Dann sah man wieder ein neues Gesicht und fragte, wer bist denn du?» Morgens um 2 Uhr hätten sie schliesslich ins Bett gehen dürfen. «Wir waren wirklich kaputt. Wir sagten unseren Gastgebern, wir würden am Morgen ohne Frühstück gehen. Aber da hatten wir uns getäuscht.» Am folgenden Tag sei ein riesiges Taco-Buffet für sie vorbereitet worden. Irgendwann seien sie endlich mit randvollen Bäuchen von dort weggefahren. «Wir waren nach 24 Stunden sehr froh, endlich wieder frei zu sein», sagt Koller und lacht. 

Auf ihrer Weiterfahrt nach Mexico City kamen die Beiden in ein kleines Kaff, wo gerade eine Wahlveranstaltung im Gange war. «Es war heiss und wir wollten einfach irgendwo ein Bier trinken.» Wobei sie erfuhren, dass Alkohol in Mexiko während öffentlicher Veranstaltungen verboten ist. Durstig fragten sie einen Polizisten nach einer Bar. Der wies sie zu einer illegalen Bar im Hinterzimmer eines kleinen Geschäfts. 

Kulinarische Offenbarungen

Weiter gings zu einem kleinem See, wo sie ein paar Fischer trafen. «Sie meinten, wir sollten mit ihnen kommen, sie würden uns etwas ganz Besonderes zeigen.» So wurden sie zum einem Schildkröteneier-Essen eingeladen. Die Eier seien recht weich und könnten einfach geöffnet werde. Den Inhalt esse man mit ein wenig Tabasco und anderen Gewürzen. Wobei Koller anfügt, dass er diese Spezialität gar nicht mochte. 

Während ihrer Reise sei ihnen die Lust auf Fleisch ziemlich vergangen, sagt der Rapperswiler. «Mexikaner essen derart viel Fleisch, dass wir nicht mehr zusehen konnten.» In einem Restaurant bestellten sie ein vegetarisches Essen. «Darauf kam die Rückfrage mit welchem Fleisch. Wir entgegneten nein, gar kein Fleisch.» Nächste Frage war, ob sie stattdessen Schinken wünschten. Nein, Schinken wollten sie auch nicht. Darauf kam der Vorschlag, ob sie Fisch oder Shrimps wünschten. Nein. Bitte rein vegetarisch. «Irgendwann sagte der Wirt, okay. Und was bekam ich? Einfach dasselbe wie alle, aber mit weniger Fleisch.»

Jérôme Stern, Linth24