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Rapperswil-Jona
21.08.2021
21.08.2021 06:15 Uhr

Die Veloabenteurer lassen sich als Helden feiern

Auf einem Felsen im Brice Canyon Nationalpark erholen sich Dani Koller und Silvan Bissegger.
Auf einem Felsen im Brice Canyon Nationalpark erholen sich Dani Koller und Silvan Bissegger. Bild: Jérôme Stern/Linth24
In der neuesten Folge seiner Reiseberichte erzählt der Rapperswiler Dani Koller, wie es sich anfühlt, mit einem vollbeladenen Velo den höchsten Pass der USA zu bezwingen.

In der letzten Folge kamen Dani Koller und Silvan Bissegger in Las Vegas an. Mittlerweile haben die beiden Veloabenteurer über 5'000 Kilometer in den Beinen. Deshalb finden sie, es wäre zur Abwechslung ganz reizvoll, normaler Tourist zu spielen – sprich, sich einfach mal per Auto ein paar  Sehenswürdigkeiten im Bundesstaat Utah anzuschauen. 

«Unsere Ziele waren der Grand Canyon, Lake Powell, das Monument Valley und der Mesa Verde Nationalpark», sagt Koller beim telefonischen Interview. Doch die Umstellung von zwei auf vier Rädern fiel den beiden keineswegs einfach: «Es ist spannend, wie sehr sich das Reisegefühl dabei verändert. Man wird auf einmal extrem anonym.» Dass sie nicht mehr ständig im Mittelpunkt waren, sei ihnen zwar ganz recht gewesen. «Aber mit dem Auto hakt man einfach eine Sehenswürdigkeit nach der anderen ab, und die Reise ist viel weniger intensiv.»

Der Veloabenteurer nach der Bezwingung des höchsten Passes der USA. Bild: Jérôme Stern/Linth24

Die schönere Art des Reisens

Mit jedem Kilometer im Auto wurde Koller und Bissegger klarer, dass die zweirädrige Fortbewegung besser zu ihnen passt. «Auf dem Velo passieren viele unerwartete Begegnungen, während einer Autoreise geschieht nichts.» Gleichwohl schwärmt der Rapperswiler von der atemberaubenden Landschaft des Brice Canyon Nationalparks. Eher nachdenklich stimmte ihn der Anblick des Lake Powell. Der Seespiegel sei 35 Meter unter dem Normalpegel: «Die sind dort fast am Verdursten.» 

Auf ihrer Autotour kamen sie nach schliesslich nach Moab, einer kleinen Stadt in Utah. Wobei die Biker hier nicht bloss die Landschaft anschauen wollten. Koller erzählt: «Die Gegend rund um Moab ist das Bike-Eldorado der ganzen Welt. Zum Biken gehen die Leute entweder nach Graubünden oder nach Moab.» Praktisch jeder Amerikaner, den sie hier angetroffen hätten, wisse übrigens, wo Graubünden liege. Natürlich mussten auch Koller und Bissegger einen der zahllosen Trails ausprobieren und fuhren dabei eine 34 Meilen lange Strecke namens «The Whole Enchilada». 

«Es war mega», sagt Koller und sucht nach passenden Beschreibungen. «Die Strecke führt vom hochalpinen Start auf 3400 Meter über Alpweiden und Steinflächen in die Wüste runter.» Sie seien morgens um 7 Uhr losgefahren und waren um 14 Uhr am Ziel. Noch bemerkenswerter war die Sache durch den Umstand, dass dies Bisseggers erste Montainbike-Abfahrt war. Wobei er sich laut Koller gut gehalten habe. 

Silvan Bissegger (links) und Dani Koller geniessen die Velotouren in Utah in vollen Zügen. Bild: zVg

Die grosse Passüberquerung

Nachdem sie genug von Autoausflügen hatten ging es weiter auf dem Zweirad. Und als nächste Route hatten sich Koller und Bissegger nichts weniger als den Independence Pass ausgesucht – mit rund 3700 Metern höchster Pass Nordamerikas. Nicht genug damit: ihr Weg zu diesem Pass führte über weitere hohe Pässe. Wobei Koller das entspannt sieht: «Das hatte den Vorteil, dass die gesamte Strecke über 2000 Meter liegt, wo die Temperaturen angenehm kühl waren.»

Zu dieser Leistung muss man anfügen, dass die beiden nicht mit leichten Rennvelos, sondern mit ihren schweren Tourenbikes mitsamt voller Ausrüstung unterwegs waren. «Mit einem leichtem Velo hast du mindestens 35 Kilogramm weniger dabei. Als wir oben ankamen wurden wir gefeiert wie Tour-de-France-Helden. Die Leute konnten es fast nicht fassen, dass wir das gemacht haben.» Gefühlte 50 Personen hätten sie fotografiert, sagt Koller. «Wahrscheinlich geistern die Bildern jetzt irgendwo auf der ganzen Welt auf Social-Media-Plattformen herum.» Es sei ein super cooles Erlebnis gewesen. 

Gewissermassen zur Belohnung erlebten sie während der Abfahrt eine wundersame Begegnung. Eine Autofahrerin winkte ihnen zu, hielt an und drückte ihnen einen Gutschein über 50 Dollar für ein Essen im nächsten Restaurant in die Hand. Darauf schrieb sie an den Wirt folgende Nachricht: «Feed them well», – füttere sie gut. 

Dani Koller hält den Check über 50 Dollar in die Kamera. Bild: zVg
Jérôme Stern, Linth24