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Kolumne
10.01.2026
10.01.2026 22:52 Uhr

Neues Jahr – neuer SMI-Höchststand

Christopher Chandiramani stellt fest: «Die Börsenrally setzt sich offenbar fort, obwohl es geopolitisch wieder unruhiger geworden ist.»
Christopher Chandiramani stellt fest: «Die Börsenrally setzt sich offenbar fort, obwohl es geopolitisch wieder unruhiger geworden ist.» Bild: Linth24
2026 begann geopolitisch schwierig mit Venezuela-Angriff und Grönland-Anspruch der USA. Schweiz trauert wegen Crans-Montana. Börsen freundlich: SMI plus 1.2 Prozent, 13'422 Punkte.

Die Schweiz gedachte der Opfer von Crans-Montana. Am Freitag fanden Trauerfeiern statt, mit den Behörden, Angehörigen von Opfern und eingeladenen Staatsgästen, begleitet von Glockengeläute und einer Schweigeminute. Bei einem Grossbrand in der Nacht auf Neujahr in einer Bar starben 40 junge Menschen und Verletzte es gab über Hundert.

Vor einer Woche haben die Amerikaner Ziele in Venezuela angegriffen und Präsident Maduro verhaftet, in die USA verschleppt und angeklagt. Es geht hier vor allem ums Öl. Venezolanisches Rohöl ist angeblich einfacher und günstiger zum Raffinieren. Die USA haben im Nordatlantik und in der Karibik weitere Schiffe geentert und beschlagnahmt. Auch hier geht es um die Kontrolle des Ölmarktes, teilweise völkerrechtswidrig.

Die USA hat schon länger ein Auge auf Grönland geworfen. Unklar ist, wie genau die die Insel annektieren werden soll, welche zu Dänemark gehört; Rohstoffe, Energie und seltene Erden sowie strategische Gründe reizen.

In der Schweiz trübt sich die Lage am Arbeitsmarkt ein. Im Dezember ist die Arbeitslosenzahl gestiegen. Auch über das gesamte Jahr 2025 hinweg gerechnet legte die Arbeitslosenquote zu. Die Quote stieg im Monat Dezember auf 3.1 Prozent an nach 2.9 Prozent im Vormonat. Saisonal bereinigt verharrte die Quote jedoch bei 3.0 Prozent.

Den Höchststand 2025 erreichte die Inflation im Januar mit 0.4%. In der Folge ging sie deutlich zurück – begünstigt durch die Zollpolitik der USA sowie die damit verbundene Aufwertung des Schweizerfrankens. Im Mai fiel die Teuerung dann mit -0.1%vorübergehend sogar in den Minusbereich. Danach zog sie wieder an und lag Ende Jahr (Dezember) bei 0.1% im Plus.

Unternehmensnachrichten

Zusammenschluss im Bergbaubereich: Glencore und Rio Tinto loten Mega-Fusion aus. Die beiden Rohstoffkonzerne prüfen erneut einen Zusammenschluss. Strategisch wäre ein Deal nachvollziehbar. Der Konsolidierungsdruck nimmt weiter zu.

Der Telekommunikationskonzern Sunrise hat Ende Jahr Umstrukturierungen angekündigt und baut bis zu 190 Stellen ab – auch Führungspositionen. Das Unternehmen will Strukturen vereinfachen und verschlanken. Dafür sollen Stellen gestrichen werden. Sunrise will die Unternehmensstruktur vereinfachen.

Nach provisorischen Berechnungen für das Geschäftsjahr 2025 erwirtschaftete die Schweizerische Nationalbank (SNB) einen Gewinn in der Grössenordnung von CHF 26 Mrd. Bund und Kantone erhalten eine Ausschüttung von etwa CHF 4 Mrd., mehr als erwartet, Bund ⅓, Kantone ⅔, Aktionäre CHF 15. Die Namenaktien werden an der CH- Börse gehandelt.

Die neue Dividendenpolitik des Personalvermittlers Adecco dürfte nur langsamen Schuldenabbau erlauben. Jefferies senkt das Rating für Adecco auf «Underperformer». Die hohe Verschuldung und die damit zusammenhängende Dividendenpolitik bereiten Sorgen. Die Aktien von Adecco büssen am Donnerstag 7.5 Prozent ein auf CHF 22.30. Somit ist der Start ins neue Börsenjahr nicht wirklich geglückt. Die seit den letzten Tagen vor Weihnachten erzielten Kursgewinne sind somit zerronnen.

Der Detailhändler Coop (nicht-börsenkotierte Genossenschaft) hat 2025 unter anderem dank mehr Kundschaft einen Umsatzrekord erzielt. Die Nummer 1 im Schweizer Detailhandel gemessen am Gesamtumsatz konnte seine Position festigen und gemäss eigenen Angaben Marktanteile gewinnen. Der Umsatz stieg 2025 währungsbereinigt um 2.1 Prozent auf CHF 35.4 Mrd. wie das Unternehmen am mitteilte. Im Detailhandel ohne Treibstoffe legte Coop um 2.3 Prozent auf CHF 21.1 Mrd zu.

Aussichten

Die Börsenrally setzt sich offenbar fort, obwohl es geopolitisch wieder unruhiger geworden ist. Hauptthema bleibt die US-Zollpolitik. Noch unklar ist die weitere Entwicklung; KI-Aktien und Rüstungsaktien bleiben stark. Trotz der Senkung für die Schweiz von 39 auf 15 Prozent im November sind Gewinnrückgänge bei einigen Industriegesellschaften möglich. Das Bruttoinlandprodukt (BIP) dürfte 2026 zurückgehen, ab 2027 gibt es aber Hoffnung auf Erholung. Profitiert von der Situation haben die Finanzwerte, die Versicherungen mit ihren hohen Dividenden, Holcim, aber auch die UBS (Eigenmittel-Diskussion) und später auch die Pharmawerte nach Investitionsversprechen in US-Produktionsanlagen. Internationale grosskapitalisierte Werte stehen für 2026 weiterhin auch auf den Empfehlungslisten. Zinsen haben noch Abwärtspotenzial, aber eher aus politischen Gründen. Der Schweizerfranken und Gold bleiben gesucht.

Wir leben in einer Zeit, wo die Grossmächte die Welt unter sich aufteilen möchten. Die USA wollen Venezuela, Kolumbien und Grönland, die Russen die Ukraine unterwerfen, China will Taiwan sowie die EU strebt an, die Schweiz dem europäischem Recht zu unterordnen. Dies alles bleibt aber nicht reibungslos.

Christopher Chandiramani, Börsenanalyst Portal24
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