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Schweiz
02.01.2026
02.01.2026 07:41 Uhr

Ein Land unter Trauer und Schock

Ein Zeichen der Trauer und der Solidarität: In Crans-Montana breitet sich ein Lichtermeer aus.
Ein Zeichen der Trauer und der Solidarität: In Crans-Montana breitet sich ein Lichtermeer aus. Bild: Keystone SDA
Nach dem verheerenden Brand in der Silvesternacht mit mindestens 40 Toten stehen Crans-Montana und die ganze Schweiz unter Schock. Eine Reportage der «Neuen Zürcher Zeitung» liefert bewegende Impressionen.

Die Fakten lassen fürchterliche Szenen erahnen: Kurz nach Mitternacht bricht im Club «Le Constellation» in Crans-Montana ein Feuer aus. Rund 300 Menschen feiern dort den Jahreswechsel. Mindestens 40 von ihnen kommen ums Leben, über hundert werden verletzt – einige schwer. Verletzte werden in Spitäler nach Lausanne, Zürich und sogar nach Marseille geflogen. Viele Schicksale bleiben zunächst ungewiss.

«Es ist eine Tragödie»

Der 26-jährige Ilan Alhour hat in dieser Nacht mehrere Freunde verloren. Als er am Tag danach versucht zu erzählen, versagt ihm immer wieder die Stimme. Tränen ersticken seine Worte. Mit Kerzen gedenkt er der Toten, berührt den kalten Boden, blickt in die Flammen – und bleibt oft stumm. «Es ist eine Tragödie, was hier passiert ist. Es ist zu viel für mich», sagt er leise.nd Alte. Sie trotzen der Kälte, legen Blumen nieder, zünden Kerzen an. Worte sind kaum nötig. Die Gemeinschaft trägt durch Tage, in denen das Begreifen noch nicht möglich ist.

"Die Schweiz ist traurig". Bundespräsident Guy Parmelin (l.) mit dem Walliser Regierungspräsidenten Mathias Reynard. Bild: Keystone SDA

Ein Dorf im Ausnahmezustand

Am Tag nach der Katastrophe versammeln sich die Menschen von Crans-Montana nahe dem Unglücksort. Sicherheitskräfte sichern das Gebiet, hinter Sichtschutzwänden liegt der ausgebrannte Club. Kerzen, Blumen und stille Umarmungen prägen das Bild. Gesprochen wird kaum – der Schock sitzt tief.

Nationale Anteilnahme

Die Ereignisse lösen weit über das Wallis hinaus Bestürzung aus. Bundespräsident Guy Parmelin sagt seine Neujahrsansprache ab, ordnet Trauerbeflaggung an und reist ins Wallis. «Die Schweiz ist traurig», sagt er vor den Medien. Crans-Montana wird zum Symbol einer fassungslosen Nation.

Trauern um Kolleginnen und Kollegen. Die Jugend ist von der Katastrophe besonders betroffen. Bild: Keystone SDA

Stille Trauer in der Kirche

Am Neujahrstag ist die Kirche im Dorfzentrum bis auf den letzten Platz gefüllt. Menschen stehen dicht gedrängt, doch es herrscht eine schwere, fast greifbare Stille. Blicke ersetzen Worte. Viele wissen, wer jemanden verloren haben könnte. Der Pfarrer spricht von Schmerz, der verbindet, von Fragen ohne Antworten – und von Gemeinschaft in der Trauer.

«Wie im Krieg»

Eine Helferin, die selbst in einem Kriegsgebiet aufgewachsen ist, beschreibt die Stimmung als erschütternd vertraut. Die Anspannung und Verzweiflung erinnerten sie an frühere Zeiten. Orte wie die Kirche seien nun besonders wichtig: als Räume der Nähe, der Wärme und des gemeinsamen Aushaltens.

Gemeinsam durch die dunklen Tage

Auch auf der gesperrten Strasse beim Unglücksort kommen Hunderte zusammen – Einheimische, Gäste, Junge und Alte. Sie trotzen der Kälte, legen Blumen nieder, zünden Kerzen an. Worte sind kaum nötig. Die Gemeinschaft trägt durch Tage, in denen das Begreifen noch nicht möglich ist.

Thomas Renggli
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