Die Woche begann mit neuen Friedensverhandlungen in Genf bezüglich des Ukrainekriegs. Russlands Präsident Putin gab sich offiziell gesprächsbereit, blieb in der Sache jedoch hart: Wenn die Ukraine die Gebiete nicht abtrete, die Russland beanspruchen will, gehe der Krieg weiter. Die Amerikaner berichteten aber wieder von Fortschritten.
Laut einem Fed-Bericht schwächt sich der US-Arbeitsmarkt ab. Das geht auch auf den Shutdown als Ursache zurück. Das Fed hatte ihren Leitzins zuletzt zweimal in Folge gesenkt, im September und Oktober 2025 um insgesamt einen halben Prozentpunkt auf die Spanne von 3.75 bis 4.00 Prozent. Die Notenbank und deren Chef Jerome Powell entscheiden am 9. und 10. Dezember nochmals über die Geldpolitik. Die EZB denkt im Gegensatz dazu noch nicht an neue Zinssenkungen.
Die Schweiz schrumpft wirtschaftlich, befindet sich am Rande einer Rezession, wegen der US-Zölle. Das Bruttoinlandprodukt (BIP) ist im dritten Quartal 2025 um 0.5 Prozent niedriger ausgefallen als im zweiten.
Zwischen 2022 und 2024 hat sich der Medianlohn einer vollzeitbeschäftigten Person in der Schweiz von 6'788 auf 7'024 Franken brutto erhöht. Das ist ein Plus von 3.5 Prozent.
Die Zeitschrift «Bilanz» hat wiederum die Liste der 300 reichsten Schweizer publiziert. Sie besitzen zusammen total 450 Milliarden Franken an Vermögen, etwa ähnlich viel wie das Pensionskassenvermögen oder das Schweizer Bruttoinlandprodukt. Es gibt in der Liste Verschiebungen in der Rangliste aufgrund der Schwankungen an der Aktienbörse.
Deutschlands Autoindustrie und deren Zulieferer befinden sich in einer Krise. Die Koalitionsregierung beantragt nun eine Lockerung des Verbrenner-Verbots in der EU ab 2035. Europaweit sollen ab diesem Jahr keine Autos mehr zugelassen werden, die klimarelevantes CO₂-Gas ausstossen. Diese Vorgabe will die Bundesregierung nun kippen.
Unternehmensnachrichten
Stadler Rail legt Rekurs gegen Milliardenauftrag an Siemens ein. Grossaktionär Peter Spuhler zieht wegen der Vergabe des Auftrags aus Deutschland vor Bundesverwaltungsgericht: Er rechnet dabei offensichtlich mit präziseren Zahlen als die SBB. Die Einführung der neuen S-Bahnen und Doppelstockzüge für den ZVV und die Westschweiz dürfte sich verzögern, falls die aufschiebende Wirkung gilt.
KI führt zu Entlassungen: Computerbauer HP bis zu 3'000, Novartis in der Nordwestschweiz (Standort Sissach) 550, die SRG 900 Personen mittelfristig. Die Zentrale der Raiffeisen-Gruppe in St.Gallen will ebenfalls Personal reduzieren.
Die Privatbank Julius Bär muss nach Abschluss der Überprüfung ihres Kreditbuchs weitere CHF 149 Mio. abschreiben. Die Bank teilt weiter mit, sie habe die verwalteten Vermögen per Ende Oktober auf CHF 520 Mrd. gesteigert, nach 483 Mrd. zum Halbjahr.
Der Pharmakonzern Novartis hat für seine Gentherapie Itvisma zur Behandlung der Erbkrankheit spinale Muskelatrophie (SMA) die US-Zulassung erhalten. Die Behandlung, die bisher nur für Kleinkinder zugelassen war, kann nun auch älteren Patienten verabreicht werden.
Der Personalvermittler Adecco stellte am Mittwoch an einem in London stattfindenden Kapitalmarkttag seine strategischen Schwerpunkte vor. Im Vorfeld hat der Konzern die Ziele für 2025 bestätigt. Es werde weiterhin eine operative Marge von 3 bis 6 Prozent angestrebt. In einem günstigen Marktumfeld seien 6 Prozent Marge möglich. Die Verschuldung wird reduziert.
Der Bauchemiekonzern Sika rechnet bis 2028 mit einem Umsatzwachstum von 3 bis 6 Prozent jährlich in Lokalwährungen. Vom Restrukturierungsprogramm (v.a. China) erwartet das Management jährliche Einsparungen von CHF 150 bis 200 Mio. Auf der anderen Seite werden einmalige Restrukturierungskosten von CHF 80 bis 100 Mio. anfallen.
Der Pharmazulieferer Dottikon ES steigerte den Umsatz im ersten Geschäftshalbjahr bis Ende September um 25 Prozent auf CHF 196.1 Mio. Der Betriebsgewinn (Ebitda) erhöht sich 45.4 Prozent auf CHF 69.3 Mio. Der Gewinn stieg 48 Prozent auf CHF 47.6 Mio. Für das laufende Geschäftsjahr 2025/2026 erwartet Dottikon ES nochmals ein Wachstum des Umsatzes.
Aussichten
Falls der Krieg in der Ukraine aufhört und in den USA die Zinsen sinken sowie die KI-Euphorie noch anhält, ist ein Jahresendrally nicht ausgeschlossen. Gewisse Investoren setzen auf den Wiederaufbau nach dem Krieg und Bau- und baunahe Werte wie z.B. Holcim, Sika, Implenia. Interessant bleiben die Dividendenperlen bzw. Schweizer Versicherungen. Genügend Schnee heisst auch eine gute Wintersaison, erfolgreicher Tourismus, volle Hotels. Bei den kotierten Bergbahnen gibt es nur Jungfrau und Titlis sowie die Matterhornbahn BVZ. Die Flughäfen weisen Rekordfrequenzen auf, während die Airline-Gesellschaften sich mit Rabatt-Flugpreisen konkurrenzieren. Bei der Pharmaindustrie diktieren gegenwärtig die US-Amerikaner die Verkaufspreise.