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Rapperswil-Jona
23.07.2021
23.07.2021 09:41 Uhr

Feuerwehr: Stöckling krebst zurück…

Der oberste Feuerwehrmann der Stadt, Stadtpräsident Martin Stöckling, widerruft seine eigenen Beschlüsse.
Der oberste Feuerwehrmann der Stadt, Stadtpräsident Martin Stöckling, widerruft seine eigenen Beschlüsse. Bild: Linth24
…doch damit ist die von ihm eingebrockte Suppe noch nicht ausgelöffelt. Die fragwürdige Abstraferei von Feuerwehrlern wird den Stadtrat weiter beschäftigen. Kommentar von Bruno Hug

Der Präsident der Feuerschutzkommission von Rapperswil-Jona, Stadtpräsident Martin Stöckling, hat eine Spitzkehre vollzogen. Er hob am 8. Juli 2021 seine von ihm vor gut einem Jahr gefällten Feuerwehrbeschlüsse wieder auf. Das aber ist nur vermeintlich ein Befreiungsschlag, denn damit schafft er sich und dem Stadtrat neue Probleme.

Vorneweg eine kurze Übersicht zum Fall: Am 10. März 2020 hat Stadtpräsident Stöckling in fünf Beschlüssen fünf Mitglieder der Freiwilligen-Feuerwehr von Rapperswil-Jona abgestraft. Diese hatten der Lehrerschaft von zwei Rapperswil-Joner Schulen auf privater Basis Erste-Hilfe-Kurse gegeben. Kurse notabene, welche Rappi-Jonas Feuerwehr früher selber gab, heute sich aber nicht mehr leisten will.

Aus Nebensache wird Flächenbrand

Nachdem sich das Feuerwehr-Kommando über die privaten Kleinsteinsätze seiner Erste-Hilfe-Feuerwehrleute selbst in Aufregung versetzt hatte, erteilten diese ihren Chefs breitwillig Auskunft über ihr freizeitliches Tun. Um die Bagatelle zu beruhigen schlugen sie sogar noch (schriftlich) vor, eine die Situation entlastende Mediation mitzumachen.
Das aber wollte Stadtpräsidenten Stöckling in seiner Funktion als Vorsteher der Feuerschutzkommission nicht. Er degradierte die Feuerwehrler und sperrte einigen von ihnen die Teilnahme an Weiterbildungskursen. Statt die Situation zu beruhigen goss er damit Öl ins Feuer und versursachte aus der Nebensache einen Flächenbrand.

Unbeteiligter wird auch abgestraft

Zu den Abgestraften gehörten der oberste Sanitäter der Feuerwehr und vier weitere Feuerwehrler. Dabei kam auch der Mann einer Feuerwehrfrau unter die Räder. Er hatte mit den Erste-Hilfe-Kursen rein gar nichts zu tun. Mit der Ausnahme, dass er – eben – der Mann einer Feuerwehrfrau war, die in den Erste-Hilfe-Kursen mithalf.  

Die Feuerwehrleute liessen sich die Strafmassnahmen jedoch nicht gefallen. Sie fühlten sich, wie es ein Betroffener ausdrückte, einem «obrigkeitlichen Mobbing» ausgesetzt und beschritten dagegen den Rechtsweg.

Sieben (!) Seiten fürs Zurückrudern

Linth24 hat in seinen Berichten zu diesem Fall mehrmals dargelegt, dass die Abstrafungen kaum aufrechtzuhalten seien. Offenbar ging auch dem Stadtpräsidenten dieses Licht auf. Ihm muss klargeworden sein, dass der Kanton seine Beschlüsse kaum schützen würde. Also ruderte er am 8. Juli zurück und hob auf je sieben (!) Seiten seine Abstraf-Beschlüsse vom März 2020 wieder auf.

Feuerwehrler entlassen

Aufgeben wollte er aber trotzdem nicht. Er gab mit seinen jetzigen Beschlüssen im Prinzip zwar zu, dass seine Erst-Beschlüsse von 2020 nicht durchzusetzen waren. Doch rehabilitieren wollte er die Abgestraften auch wieder nicht. Im Gegenteil: Er schliesst sie nun aus der Feuerwehr aus. Ihre Feuerwehr-Dienste würden nicht mehr benötigt, lässt er sie auf Seite 6 seiner neuen Beschlüsse wissen.

Debakel noch nicht zu Ende

Damit schafft sich der Stadtpräsident neue Probleme: Bis anhin waren die Feuerwehrler vom Feuerwehrdienst «nur» dispensiert – oder in ihren Funktionen degradiert. Mit dem neusten Beschluss aber werden sie nun definitiv aus der Feuerwehr ausgesperrt. Dagegen können die Betroffenen Einsprache erheben. Und das werden sie auch tun, wie einer ihrer Vertreter gegenüber Linth24 ausführt. Er wolle sich nach 30 Jahren Freiwilligen-Feuerwehr nicht auf eine «derart unfaire Art abservieren lassen».

Stadtrat weiterhin im Dilemma

Damit hat der Stadtrat ein neues Problem auf dem Tisch. Er wird über die Beschwerde zu den Aussperrungen der Feuerwehrler entscheiden müssen.
Halten die Stadträte dabei ihrem Präsidenten Stöckling die Stange und weisen die Beschwerde der Feuerwehrleute ab, würden sich die Räte den Betroffenen gegenüber ziemlich unmoralisch verhalten. Denn mit Stöcks Abkehr von seinen 2020-er-Beschlüssen steht ja nun fest, dass diese nicht richtig oder zumindest massiv übertrieben waren. 

Heisst der Stadtrat die Beschwerden der Feuerwehrler wiederum gut, stehen diese danach im Feuerwehrdepot wieder auf der Matte, womit Stöckling nach dem vielen Ärger um eine Bagatelle endgültig als Verlierer dastünde. Auch für den Stadtrat gilt: Wer die Wahl hat, hat die Qual.

Wie Steuergeld verbraten wird!

Gemäss den abgestraften Feuerwehrlern bedarf der 7-seitige Beschluss des Stadtpräsidenten vom 8. Juli 2021 noch einiger anwaltschaftlicher Abklärungen. Danach würden sie ihn zur Publikation freigeben. Linth24 wird einen solchen Beschluss somit bald einmal veröffentlichen. Manche Steuerzahler werden sich dann die Augen reiben, wie im Stadthaus aus dem Nichts heraus Steuergeld verbraten wird!

Bruno Hug, Linth24