Home Gemeinden In-/Ausland Sport Magazin Agenda
Rapperswil-Jona
08.07.2021
08.07.2021 06:15 Uhr

Feuerwehr-Austritt: Sturm im Wasserglas?

Feuerwehr-Chef Roland Meier: «Die Zusammenarbeit in der Region wird in Zukunft immer wichtiger. »
Feuerwehr-Chef Roland Meier: «Die Zusammenarbeit in der Region wird in Zukunft immer wichtiger. » Bild: Linth24
Die Linth-Zeitung vermeldete den Rücktritt der Feuerwehr Rapperswil-Jona aus dem kantonalen Feuerwehrverband. Das irritiere. Linth24 befragt Feuerwehr-Chef Roland Meier zu den Hintergründen.
  • Mit Roland Meier sprach Bruno Hug

Linth24: Die Linth-Zeitung schrieb gestern, wegen des Austritts der Feuerwehr Rapperswil-Jona aus dem kantonalen Feuerwehrverband «reibe man sich dort die Augen». Was bringt der Kantons-Verband der Feuerwehr Rapperswil-Jona eigentlich?

Roland Meier: Mit der Inkraftsetzung des neuen Feuerschutzgesetzes ging die Grundausbildung der Feuerwehrleute an die Gebäudeversicherung St. Gallen über. Somit besteht beim Feuerwehrverband kein Ausbildungsauftrag mehr. Er erledigt auch keine andere, für die Feuerwehr relevante Aufgabe mehr. Die Feuerwehrkoordination Schweiz FKS ist seit rund 20 Jahren das oberste Feuerwehr-Gremium. Sämtliche Reglemente, Aus- und Weiterbildungen von Feuerwehrinstruktoren werden durch die FKS vorgegeben.

Warum gibt es überhaupt Feuerwehr-Verbände?

Der Schweizerische Feuerwehrverband SFV besteht seit 150 Jahren. Er übernahm damals die Rolle einer «Feuerwehr-Gewerkschaft» und hatte die gleichen Aufgaben wie die zuvor genannte Schweizer Feuerwehrkoordination. Der Schweizerische Feuerwehrverband SFV bietet Nischenkurse an, welche nicht in der Grundausbildung vorgesehen sind. Seine Vertretung in den Kantonen ist der Kantonale Feuerwehrverband, aus dem die Feuerwehr Rapperswil-Jona nun ausgetreten ist.

Es soll ja nun auch noch regionale Feuerwehrverbände geben.

Richtig, im Kanton gibt es auch noch einige regionale Feuerwehrverbände. Für das Linthgebiet ist dies der «Feuerwehrverband an der Linth».

Ist Rapperswil-Jona nun «verbandsfrei»?

Wir sind nach wie vor Mitglied im schweizerischen und regionalen Feuerwehrverband. Im regionalen Verband stellen wir den Präsidenten sowie zwei Mitglieder in der technischen Kommission. Die Zusammenarbeit in der Region wird in Zukunft immer wichtiger. Deshalb priorisiert unsere Feuerwehr die regionale Zusammenarbeit und bündelt damit die Kräfte der Verbände in unserer Region.

Die kantonale Feuerwehrinspektorin, Andrea Schöb, sagt, der Austritt der Feuerwehr von Rapperswil-Jana habe keine Auswirkungen auf die Zusammenarbeit mit der Feuerwehr Rapperswil-Jona. Sie sagt: «Wir behandeln alle 53 kantonalen Feuerwehren gleich, egal ob sie im Kantonalverband sind oder nicht». Somit könnte der kantonale Verband letztlich aufgelöst werden, wenn er keine Auswirkungen auf das Tun der Feuerwehren mehr hat. Ihre Meinung?

Wenn man Ihre Frage aus einer unternehmerischen Sicht anschauen würde, müsste man sie mit Ja beantworten. Jedoch: Der vor 120 Jahren gegründete Kantonale Feuerwehrverband ist im Feuerwehrwesen traditionell verankert. Eine solche Tradition zu beenden wird nicht von heute auf morgen geschehen. Aber, wie ausgeführt, um unsere Kräfte zu bündeln, hat die Führung unserer Feuerwehr eine Bilanz über die verschiedenen Verbände gezogen und sich entschlossen, uns in den regionalen wie auch schweizerischen Verbänden mehr einzusetzen.

Der Austritt geschah schon im Oktober 2020, also vor dreiviertel Jahren. Warum wird er nun auf einmal zum Thema?

Das ist uns nicht bekannt.

Der Vize-Präsident des Kantonalverbands führt aus, sein Kantons-Verband habe den Austritt «noch nicht verarbeitet». Ist der Austritt für den Kantonalverband derart weltbewegend, dass er verarbeitet werden muss?

Die Feuerwehr Rapperswil-Jona stellte in den letzten Jahren immer wieder Feuerwehr-Instruktoren, Mitglieder in den Vorstand und Infrastruktur zur Verfügung. Ich selber durfte 6 Jahre das Ressort Ausbildung im Vorstand KFV SG leiten. Dieser Verlust, das verstehen wir, wird die Vertreter des Kantonalverbandes kaum freuen, dürfte aber aus unserer Sicht verkraftbar sein.

Ihnen wird vorgeworfen, keine Gründe zum Austritt angegeben zu haben und «keine Gesprächsbereitschaft» gezeigt zu haben. Ist dem so?

Diese Aussage in der Zeitung ist nicht richtig. Wir haben ein korrektes Austrittsschreiben gemacht und darin dieselben Gründe genannt, wie wir sie in diesem Interview ausgeführt haben.

Bruno Hug, Linth24