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Kultur
02.06.2021
02.06.2021 10:15 Uhr

Ein malerisches Vorspiel in Amden

Für das Motto «Auf der Suche nach meinem gemalten Berg» gab es in Amden einige Motive.
Für das Motto «Auf der Suche nach meinem gemalten Berg» gab es in Amden einige Motive. Bild: Bruno Glaus
Funnypainters und Kunstverein Oberer Zürichsee organisierten in Amden einen Kurs in Bergmalerei.

Erstmals findet 2021 die Jahresausstellung der Gilde der Schweizer Bergmalerinnen und Bergmaler (www.gsbm.ch) im Linthgebiet statt, in Siebnen, vom 28. August bis 26. September. Im Hinblick darauf lud der Kunstverein Oberer Zürichsee zu einem Bergmalkurs in Amden ein. Dank den Benkner Funnypainters war der Kurs innert kurzer Zeit ausgebucht.

Einführung in Bergmalerei beim Kapfstall

«Auf der Suche nach meinem gemalten Berg», unter diesem Motto liessen sich ein Dutzend Interessierte beim Amdener Kapfstall unter professioneller Leitung in das Handwerk der Bergmalerei einführen.

Kursleiterin Madlen Fähndrich Campiche ist erfolgreiche Berg- und Landschaftsmalerin, Kursleiterin und auch GSBM-Präsidentin.
Am ersten Tag gab es auch Theorie: Ausschnitt in der Landschaft bestimmen. Woher kommt das Licht? Skizzenankerfüsse auf der Malfläche setzen. Stimmungsfarbe festlegen. «Es geht darum, dass Malende ihren künstlerisch interpretierten Berg finden.» Mit diesem Satz macht die Kursleiterin klar: Es geht nicht um möglichst naturgetreue Spiegelung. Es geht um Individualität der eigenen Malsprache in einem kreativ-geistigen Schaffensprozesses – das entspricht notabene den Eckpfeilern des (weitgefassten) Kunstbegriffs im Urheberrecht.
Unterstützt wurde die Kursleitung von der Reichenburger Bergmalerin Doris Fedrizzi, Mitglied des Kunstvereins und GSBM-Mitglied.

Mattstock- und Leistchamm-Rippen als häufige Motive

Die bevorzugten Sujets: Die Rippen des Mattstocks und des Leistchamms. Höchst unterschiedlich die eingesetzten Materialien: Acryl, Aquarell, Kreide, Bleistift.
Am Ende eines Tages präsentieren die Kursteilnehmerinnen ihre Werke im Plenum. Positive Selbstbewertung, nicht Negativbenotung ist gefragt. Die Kursleiterin weist auf Grundsätzliches hin: «Licht-Schatten ist das zentrale Element in der Bergmalerei.»
Einige Teilnehmende erinnerten sich an die laufende Landschafts-Ausstellung von Gerhard Richter im Kunsthaus Zürich (noch bis 25. Juli).

Besondere Bedeutung des Kapfwegs in Amden

Nicht-malende Mitglieder des Kunstvereins waren zu einem Augenschein im Kapfstall mit einer Auswahl der gemalten Werke eingeladen.
Im Vorprogramm wies Thomas Angehrn, ehemaliger Gemeindepräsident von Amden, entlang des Kapfweges auf die kunstgeschichtlich bedeutenden Heimstätten hin, wo Amdens «Aushängeschilder» gelebt und gewirkt hatten. Allen voran Josua Klein und Tempelbauer Fidus (anfangs letztes Jahrhundert), die Maler Otto Meyer Amden (20er Jahre) und Oscar Dalvit (40er bis 70er Jahre), nach dem zweiten Weltkrieg auch die erste und einzige Bauhaus-Meisterin (für Textilkunst) Gunta Stölzl, sowie die international bekannten Kunsthistoriker und Autoren Sigfried und Carola Giedion-Welcker.
Alle Teilnehmenden waren sich einig: Der Kapfweg ist der richtige Ort, diese kunstgeschichtlichen Spuren zu würdigen.

Bruno Glaus, Kunstverein Oberer Zürichsee