Letzten Dienstag teilte der Stadtrat von Rapperswil-Jona mit, der seit 2023 schwelende Rechtsstreit zwischen der Stiftung Alterswohnungen Jona und der Stiftung RaJoVita sei beendet worden.
Stöckling und Lätsch
Das ist erfreulich. Und wie Peter Hügli von der Stiftung Alterswohnungen Jona gegenüber Linth24 ausführt, hat Stadtpräsidentin Barbara Dillier «den Vergleich durch ihre Initiative möglich gemacht».
Was aber hinter diesem absurden Streit steckt, ist weniger erfreulich und muss in seiner ganzen, bedenklichen Dimension erfasst werden. Der Fall begann damit, dass Ex-Stadtpräsident Martin Stöckling (FDP) und Ex-RaJoVita-Präsident Daniel Lätsch (FDP) im Mai/Juni 2020 vereinbarten, die im Bau stehende Pflegeabteilung im Altersneubau Porthof Jona zu stoppen.
Kindergarten im Alterszentrum
Dieser geheim gehaltene Entschluss war dann schon ein halbes Jahr alt, als der Stadtrat am 18. Dezember 2020 öffentlich mitteilte, die geplante Pflegeabteilung für die 160 Betagten im Porthof sei «unvereinbar mit einer Langzeitpflege». Die Pflege im geplanten Zentrum Schachen genüge – also, im damaligen Prestigeprojekt des Stadtpräsidenten. Ausserdem werde die Pflegeabteilung im Porthof ein jährliches Defizit von 250'000 Franken generieren. Deshalb wolle sie RaJoVita entgegen allen Vereinbarungen nicht führen. Stattdessen wolle der Stadtrat im Porthof einen Kindergarten (!) einbauen.
Immense Kosten
Mit dieser sich als falsch herausstellenden Begründung und der Wahnwitz-Idee des Kindergartens im Alterszentrum verursachte der Stadtrat beim 30 Millionen Franken teuren Porthof einen Baustopp, der mit Umplanungen und Mietausfällen hohe Kosten verursachte.
Nachdem Linth24 das unverständliche Tun des Stadtrats veröffentlichte, teilte die Stiftung Alterswohnungen Jona am 21. Januar 2021 mit, sie baue die Pflegeabteilung trotz Stadtrat – und forderte danach von RaJoVita Schadenersatz, anfänglich in Höhe von einer halben Million Franken.
Parteien vor Handelsgericht
Vor einer Woche, am 18. Dezember 2025, standen sich RaJoVita und die Stiftung Alterswohnungen samt Anwälten am Handelsgericht St. Gallen gegenüber.
Angereist waren auch Stadtpräsidentin Barbara Dillier und Stadtrat Joe Kunz.
Schon Mitte Jahr hatte die Stadtpräsidentin mitgeteilt, der Streit der «stadtnahen Stiftungen» sei «befremdend». Sie suche trotz «verfahrener Situation den Dialog», was ihr nun gelang.
100'000 Franken für alte Sünden
Die Parteien einigten sich wie folgt: Die Stadt, dessen Ex-Stadtrat das Desaster stark verschuldet hatte, und RaJoVita, bezahlen der Stiftung Alterswohnungen Jona für den entstandenen Schaden je 50'000 Franken. (Siehe Stadt-Mittteilung am Berichtsende).
Peter Hügli, der starke Mann in der Stiftung Alterswohnungen sagt dazu, das Resultat sei nicht erfreulich, aber man sei nun wenigstens auseinandergesetzt.