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Rapperswil-Jona
08.01.2021
08.01.2021 21:23 Uhr

Porthof: Leere Versprechen am Laufmeter!

Schöne Bilder auf der Homepage von RaJoVita zum Porthof. Jetzt gibt’s einen Kindergarten. Bild: Fabrizio Milano / Linth24
Folge 2. Die Aussagen, welche Stadtrat und RaJoVita zum 30 Millionen Franken teuren Neubau Porthof gemacht haben, widersprechen dem, was jetzt entsteht, zu 100 Prozent. Von Bruno Hug

Um das geht es nach Folge 1 in dieser 2. Folge: Die Stadt subventionierte den neuen Porthof-Bau kräftig: Mit billigem Bauland, einer 1.125-Millionen-Schenkung und einer 10-Millionen-Garantie. Dementsprechend schwärmten der Stadtrat und die Altersorganisation RaJoVita von der künftigen, «familiären» Pflegeabteilung in der grössten Alterssiedlung der Stadt und lobten die «idealen Voraussetzungen», welche dort herrschen würden. Und selbst noch am 15. April 2020 schrieb RaJoVita, der Bezug der Pflegeabteilung sei «in Reichweite». Das aber waren alles Worthülsen: Zwei Monate später schossen Stadt und RaJoVita die Pflegeabteilung ab und liessen die Stiftung Alterswohnungen sowie die Betagten hängen.

Der Präsident von RaJoVita, Daniel Lätsch, und Stadtpräsident Martin Stöckling timten ihre Hiobsbotschaft zum Todesstoss der im Rohbau schon erstellten Pflegeabteilung im Porthof vermeintlich clever: Sie verkündeten ihre Spitzkehre von der Pflegeabteilung zum Kindergarten erst kurz vor Weihnachten und hofften wohl, der Wahnwitz sei nach den Festtagen vergessen.

Wie in Teil 1 dargelegt: Die Pflegeabteilung wurde wegen läppischen 250'000 Franken im Jahr abserviert. Damit verlieren die 150 Bewohner der drei Porthof-Häuser den wichtigen internen 24-Stunden-Notrufservice, die hausinterne Spitex und den möglichen Inhouse-Wechsel in die Pflegeabteilung.

Steuerzahler angezapft

Derweil Stadtrat und RaJoVita zuvor von der künftig «familiären» Pflegeabteilung im Porthof schwärmten. Da wollte die Stadt auch mit guten Taten brillieren. Sie verkaufte das Land für die Porthof-Erweiterung an die Stiftung Alterswohnungen zum Sonderpreis von 500 Franken pro Quadratmeter, spendete zusätzlich noch 1,125 Mio. Franken in deren Kasse und leistete für den Neubau eine Bürgschaft über 10 Millionen Franken. Die Geschenke dienten, so der Stadtrat anlässlich der Volksabstimmung vom 17. September 2017, zur Mitfinanzierung von «Alterswohnungen mit Service im Porthof West».

Stöcklings Vergessen

Am 23. August 2018 gab sich Stadtpräsident Stöckling an einer Info-Veranstaltung zur Altersstrategie noch persönlich als Service-Fan für Betagte aus. Er fragte rhetorisch in die Runde: «Was wollen die Menschen im Alter?» – und gab die Antwort gleich selbst: «Alterswohnungen mit Service. Moderne Betreuungs- und Pflegeangebote. Nähe zu medizinischer Versorgung

Also all das, was Stadtrat und RaJoVita den Betagten im Porthof jetzt wegnehmen!

Wichtiges Kapitel – von wegen!

Am 13. Dezember 2018 traf man sich zum Porthof-Spatenstich. Das feierte die Stadt in grossen Tönen: Mit dem Neubau werde «ein wichtiges Kapitel für betreutes Wohnen» geschrieben. Zu den bestehenden 60 Wohnungen kämen 51 neue dazu. Und eine 19-Betten-Pflegeabteilung, die «heutigen Standards» entspreche. Das ergebe «Verbesserungen für Betrieb und Bewohner». Und: Die Pflegeabteilung und die Cafeteria würden von RaJoVita betrieben werden, die sich «im Bereich Service-Leistungen» erweitern wolle.

Von wegen!

Dauerndes Schulterklopfen

Auch RaJoVita klopfte sich dauernd auf die Schulter. Am 12. April 2019 schrieb sie in ihren Geschäftsbericht: Die Pflegeabteilung im Porthof werde «ideale Voraussetzungen in familiärem Rahmen bieten.» Am 15. April 2020 teilte RaJoVita mit, der Bau des Porthof und die Pflegeabteilung seien «strategische Projekte». Der Bezug «Mitte 2021» stehe «in Reichweite». «Die Vorbereitungen zum Umzug der Bewohnenden» aus den anderen kleinen Pflegewohnungen der Stadt in den Porthof seien «aufgenommen worden».

Alles leere Versprechen

Alles leere Versprechen! Nur wenige Wochen später, im Juni 2020, schossen Stadtrat und RaJoVita die Pflegeabteilung ab und manövrierten damit nach 10 Jahren Vorarbeit die Stiftung Alterswohnungen und die Betagten im Porthof aus.

Im September hätte es dann noch eine Möglichkeit gegeben, die Pflegeabteilung ohne 250’000-Franken-Defizit zu betreiben. Das aber passte der Stadtregierung nicht.

Lesen Sie morgen in Folge 3, wie der Stadtrat seinen Kindergarten hervorzauberte und die Pflegeabteilung endgültig abschoss.

Bruno Hug, Linth24