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Sport
26.08.2021
26.08.2021 16:53 Uhr

Olympia-Tagebuch: Stöckli endlich in Tokio

Tagebucheintrag Nr. 6: Sandra Stöckli berichtet vom Flug nach und den ersten Tagen in Japan.
Tagebucheintrag Nr. 6: Sandra Stöckli berichtet vom Flug nach und den ersten Tagen in Japan. Bild: Sandra Stöckli
Nach einer 24-stündigen Reise ist die Rapperswiler Athletin Sandra Stöckli in Tokio angekommen. In ihrem Tagebucheintrag berichtet sie von den ersten Tagen in der «Cycling Paralympic Village».
  • Tagebuch von Sandra Stöckli

«Am Montagabend flogen wir also endlich nach Tokio. Die Swiss hat es uns ermöglicht, dass wir alle in der Business sitzen durften, was natürlich ein riesiger Glücksfall war.

Herzliche Begrüssung in Japan

In Japan wurden wir ganz herzlich begrüsst, die Leute hier haben eine riesige Freude an uns paralympischen Athleten. Überall sind sie massenhaft vertreten und jubeln, winken uns zu und verneigen sich – da kommt man sich fast schon wie eine Königin vor.

Am Flughafen mussten wir einen riesigen Papierkrieg bewältigen, doch trotzdem sind wir relativ speditiv und schnell durch all diese Kontrollen gekommen. Selbstverständlich durfte am japanischen Flughafen der Corona-Test nicht fehlen, diesmal war es ein Spucktest – und auch diese Prüfung habe ich erfolgreich bzw. negativ bestanden.

Gänsehaut-Feeling

Es war nur dann schon ein Gänsehaut-Feeling, als ich durch die Zollkontrolle durch war und wusste, dass ich nun wirklich in Japan bin. Nach dem Zoll ging es zum «Paralympics-Desk», wo dann alles schon sehr offiziell war: Da wusste man, dass es wirklich los geht. Am Desk bekamen wir die notwendige Akkreditierung, ohne welche man sonst nirgends hinkommt, weder auf den Bus noch ins Hotel.

Gepäck ist heil angekommen

Unser Gepäck kam ebenfalls einwandfrei in Tokio an, nichts fehlt und nichts ist kaputt – besser hätte es nicht gehen können. Die freiwilligen Helfer der Paralympics (die Volunteers) waren bereits massenhaft am Flughafen vertreten und halfen uns eifrig.

Vollgepackt mit dem ganzen Material ging es dann zum Paralympics-Bus, wo alles eingeladen wurde. Als wir losfuhren standen – und ich übertreibe hier wirklich nicht – 40 oder 50 Volunteers da und jubelten uns zu.

An Gepäck fehlt es nicht – zum Glück kam alles heil und vollständig an. Bild: Sandra Stöckli

Reisezeit 24 h 30 min

Nach einer zweieinhalbstündigen Busfahrt, auf welcher wir schon einige beeindruckende Hochhäuser zu Gesicht bekamen und auf welcher die Schweizer Stimmung trotz der langen Reise immer noch auf einem Top-Level war, kamen wir in Fuji im Hotel an und konnten unsere Zimmer beziehen. Schliesslich bin ich um 1 Uhr Ortszeit ins Bett, d.h.: Ich bin am Montag um halb sechs am Abend in Jona abgefahren und am Dienstag um 18:00 Uhr (Schweizer Zeit) im Hotel angekommen – ich bin also 24 Stunden und 30 Minuten unterwegs gewesen.

«Cycling Paralympic Village»

In unserem Hotel sind, meines Gefühls nach, alle Radfahrer-Nationen, es ist ja das «Cycling Paralympic Village» – es liegt also definitiv (und völlig zurecht) Paralympics Stimmung in der Luft. Wir müssen hier jeden Morgen Fieber messen und einen Spucktest machen und anschliessend die Daten in ein App eintragen, was bislang keine Probleme mit sich gebracht hat.

Erstes Training am Mittwoch

In meinem Zimmer habe ich vom Dienstag auf Mittwoch super geschlafen, bin sogar vor dem Wecker aufgestanden und merke bislang nichts an Jetlag zum Glück. Gemütlich frühstückten wir gemeinsam und konnten dann bereits ein erstes Training auf der Strasse absolvieren, worauf ich mich riesig freute.

Meine Vorfreude berechtigte sich: Es war genial und in dieser anderen Klima- und Zeitzone konnte man es sich fast nicht vorstellen, dass ich erst gerade noch in der Schweiz war. Ich hatte mit meinen Teamkollegen ein kurzes, extensives (sprich lockeres) Training absolviert, wo ich dann schon die knackigen Aufstiege und die rasanten Abfahrten zu spüren bekommen habe.

Ein erstes Training auf dem Fuji Speedway – Sandra Stöckli ist begeistert. Bild: Instagram, Sandra Stöckli

Begutachtung der Rennstrecke

Heute Donnerstag durfte ich zum ersten Mal auf den Fuji Speedway, die Rennstrecke vom RoadRace. Ich habe mich so darauf gefreut, dass ich gestern gar nicht richtig einschlafen konnte. Ich habe mich ja bereits akribisch auf diese Strecke vorbereitet, bin sie zuhause mit dem Simulator bereits mehrere Male gefahren oder Strecken mit einer ähnlichen Topografie abgefahren. Ich war also sehr gut vorbereitet, wusste genau welcher Aufstieg wie viel Prozent Anstieg hat etc. und nun konnte ich es endlich live sehen.

Ich fühlte mich gleich von Anfang pudelwohl und es war einfach nur lässig, auf dieser Formel 1 Bahn zu stehen. Die Strecke ist technisch sehr anspruchsvoll und man ist sehr rasant unterwegs – ich hatte nur schon heute im lockeren Training, wo ich noch nicht voll gefahren bin, bereits 70 Stundenkilometer auf dem Tacho. Und die Aufstiege sind wirklich sehr streng mit über 10% Anstieg, da bin ich sehr froh um meine Vorbereitungen.

Nun geht's ums Detail

Alles in allem war es aber ein gute Streckenbesichtigung, nun geht es dann an die Detailarbeit, wo ich einzelne Abschnitte zusammen mit meinem Trainer genauer unter die Lupe nehmen werde – wir haben zum Glück noch genügend Zeit.

Gut akklimatisiert

Noch zum Klima: Gestern war es feucht und bewölkt, aber gar nicht zu heiss – es war also gar kein Temperaturschock für mich. Heute während dem Training war es sonnig und sehr warm, aber bis jetzt habe ich das Gefühl, dass die Akklimatisation in der Schweiz sich gelohnt hat.

Wie man sieht haben wir es wirklich super bis jetzt, die Stimmung ist toll und falls es ein Problem gibt, so finden wir Schweizer Velofahrer auch eine Lösung dazu. Die Rennen rücken immer näher und ich freue mich immer mehr darauf.»

Linda Barberi, Linth24