Rapperswil-Jona
08.11.2019
08.11.2019 07:01 Uhr

100 Millionen für eine Teer-Piste

Hintergrund: Projekt-Präsentation des Stadtrats Rapperswil-Jona.
Dem Stadtrat von Rapperswil-Jona wäre endlich ein Erfolg zu gönnen. Nur bitte nicht beim Ausbau der St. Galler- und Neuen Jonastrasse. Ein Kommentar von Bruno Hug.

Als ich die Broschüre zum «Stadtraum»-Projekt «Neue Jonastrasse / St. Gallerstrasse» studierte, erschrak ich. Und war als Strassenplaner – mein ursprünglicher Beruf – baff.

Ich fragte mich: Wie kann 2019 noch jemand ein Projekt vorlegen, in dem sich Fahrräder, Autos, Lastwagen, Busse und Fussgänger über eine bis 22 Meter breite Strasse quälen, und dies inmitten einer ländlichen Stadt? Und wie kann man diesen Blödsinn noch zu einer «Lebensader» erklären? Dieses Projekt, da bin ich mir sicher, hätten die Lehrer uns Studenten schon vor 40 Jahren um die Ohren geschlagen!

Äste erst ab 4.5 Meter

Ich fragte mich auch, ob die Planer dieser Teer-Piste überhaupt wissen, dass die Äste ihrer Strassen-Bäume gemäss Gesetz erst ab 4.5 Meter Höhe auf die Seite wachsen dürfen? Gibt es überhaupt Bäume, die ab dieser Höhe noch eine Baumkrone entwickeln?

Glauben unsere Stadtväter tatsächlich, dass diese Strasse Rapperswil-Jona guttun würde? Glauben sie, dass es die Stadt schöner macht, wenn alle Vorgärten und Freiräume vor den Häusern entlang der Ost-West-Tangente geräumt und gepflastert sind?

Gibt es Leute, denen es gefallen würde, wenn an dieser 2.7 Kilometer langen Strasse lauter verdichtete Hochbauten stünden – wie es der Bauchef verspricht? Soll es schön sein, wenn die «zwei Herzen» Jona und Rapperswil – wie sie der Stadtrat nennt – mit einer Strassenschlucht verbunden sind, und es hier aussieht wie in Pfäffikon SZ, Oerlikon oder Dietlikon?

Wir sollten uns für Lebensqualität einsetzen

Mich würde Wunder nehmen: War von unseren Stadtplanern je jemand in Berlin, Amsterdam oder in anderen Städten, in denen der Verkehr entflechtet und der Langsamverkehr ein Vergnügen ist?

Ich meine, wir sollten uns solchen Themen zuwenden und uns für mehr Lebensqualität einsetzen. Zum Beispiel für eine ECHTE Lebensader für unsere Kinder, Fussgänger, Velofahrer und Flanierer: Vom Erlen-Quartier in Jona, hinter dem Feuerwehrdepot hindurch, via Schulhaus Bollwies zum Bahnhof Jona und weiter entlang einer (gescheit umgebauten) Alten Jonastrasse bis in die Altstadt. Mit zusätzlichen Langsamverkehrs-Adern ins Südquartier, zum Hummelwald, zur Tägernau und in den Lenggis, sowie von der Geberit bis zum Bahnhof Rapperswil.

Das wären Visionen. Sie würden nicht einmal die Hälfte des vorliegenden «Autobahnprojektesۘ» kosten. Die andere Hälfte könnten wir dann für Pärke, Grünflächen und Bäume einsetzen, die dann dort stehen können, wo sie uns auch Freude machen.

Niemand wird an der «Lebensader» flanieren

Ich bin mir sicher: Nie würde jemand an dieser stadträtlich verordneten «Lebensader» flanieren, an der es nie Länden geben wird und auf der bald täglich 20‘000 Fahrzeuge verkehren. Und nie würden Eltern ihre Kinder auf dieses verfehlte «Generationenprojekt» schicken. Womit sich mir die nächste Frage stellt: Haben die Befürworter dieses Projektes die Pläne dazu eigentlich einmal genau angesehen?

Ich fragte mich auch, warum in dieser vom Verkehr geplagten Stadt in eine einzige Strasse rund 100 Millionen investiert werden sollen, währenddem das restliche Verkehrsproblem an der Rütistrasse, an der Zürcherstrasse, an der Oberen- und Unteren Bahnhofstrasse, an der Alten Jonastrasse, an der Spinnerei- und Holzwiesstrasse sowie im Lenggis NICHT gelöst ist. Und auch an der künftigen St. Galler- und Neuen Jonastrasse nicht. Hier würden sich die Probleme noch verschärfen, weil der Bus, zum Beispiel vor dem Kreuz in Jona, seine Gäste inmitten der Strasse ein- und ausladen würde.

Stimmen Sie Nein

Warum wird uns ein solcher Blödsinn vorgelegt? Wohl, weil der Stadtrat endlich ein Projekt durchbringen möchte. Deshalb erhebt er es wohl gleich noch zum Generationen-Projekt und gibt ihm ein grünes Baum-Mäntelchen, opfert damit aber ungeniert die Stadt. Das kann es nicht sein.

Stimmen Sie NEIN zum «Stadtraum Neue Jonastrasse – St. Gallerstrasse».

PS: Der Flyer des Bürgerforums «Nein zum Stadtraumprojekt» zeigt auf, wo die Schwachpunkte dieses Projektes liegen. 

191104_Flyer-Avenida-Bürgerforum

Weitere Argumenten finden Sie auf www.stadtraum-nein.ch.

Bruno Hug, Linth24