Rapperswil-Jona
05.11.2019
05.11.2019 19:36 Uhr

Avenida: Velofahrer kommen unter die Räder

Projekt Avenida: Slalomfahrt zwischen Verkehr und Fussgänger-Trottoir statt separater Velospur.
In einem Flyer zeigt das Bürgerforum auf, wie sich die Velofahrer über die 100-Millionen-Strasse quälen müssten.

Das Bürgerforum gegen das Stadtraumprojekt kritisiert in seinem neusten Flyer, dem «Planungs-Wahnsinn» für 100 Millionen fehle jede Weitsicht. Obwohl die Bürger 2022 über eine Gesamtverkehrslösung abstimmen müssten, wolle man nun zwei Jahre davor ein einzelnes Strassen Projekt mit Irrsinns-Dimensionen fixieren.

Moniert wird auch, dass für die bis 22 Meter breite, neue Strasse reihenweise Grünflächen, Vorgärten, Freiräume und Bäume geopfert werden müssten. Mit dem Projekt werde die Stadt betoniert – was Bauchef Thomas Furrer in den «Obersee Nachrichten» indirekt bestätigte. Er sagte: «An dieser Achse wollen wir Verdichtung zulassen». Die Projektgegner befrüchten, dass Rapperswil-Jona dereinst mit einer Strassenschlucht statt mit einer «Lebensader» verbunden ist.

Keine Verkehrslösung

Die Kritiker monieren auch, mit der neuen Strasse werde das Verkehrsproblem «um keinen Deut» verbessert. Es werde teils noch schlimmer. So stoppe der Bus beim Kreuz in Jona inmitten der Fahrbahn und staue den Verkehr zusätzlich. Auch das Busproblem werde nur begrenzt gelöst, weil der Bus – wie beim Kreuz – immer wieder inmitten des Verkehrs hält.

Das Bürgerforum bezweifelt, dass auf der geplanten «Lebensader», auf der bald einmal täglich 20‘000 Autos und Lastwagen verkehren, jemand flanieren oder verweilen will.

«Katastrophale Velo-Situation»

Erhellend ist die «Velotour», welche das Bürgerforum auf der geplanten Strasse machte. Begonnen wird im Erlenquartier in Jona, in Richtung Rapperswil. Hier «starte der fast unglaublicher Velo-Irrsinn». Die Tour macht wahrlich wenig Freude: Zuerst fahren Sie ab Erlen im Velo- und Fussgänger-Gegenverkehr auf dem Trottoir, um bei der AMAG Jona auf die Busspur wechseln zu müssen. Ab hier müssen Sie jeweils zur Seite weichen, wenn von hinten ein Bus kommt. Und wenn dieser an der Haltestelle stoppt, haben Sie (oder Ihre Kinder) hinter dem Bus zu warten – oder müssen versuchen, diesen zwischen Autokolonne und Bus zu überholen.

Ab der AMAG bis zum Feuerwehrdepot geht es im Wechsel zwischen Verkehr und Trottoir weiter. Beim Depot werden die Velos vor dem Lichtsignal auf eine schmale Velo-Spur zwischen Bus und Autos gezwungen, um danach wieder auf die Busspur einfädeln zu müssen. Weiter geht’s hinter, neben oder vor dem Bus bis zum Stadthaus-Kreisel, den es zwischen Lastwagen und Autos ohne Velospur zu umfahren gilt.

«Nach diesem Abenteuer gibt es rund 100 Meter nichts fürs Velo», heisst es weiter. Bei der Bahnunterführung stosse man auf ein Trottoir mit Velo- und Fussgänger-Gegenverkehr, um danach die breite, Alte Jonastrasse zu überqueren.

Ab dem Scheidweg stehe man wieder auf der Busspur. «Und so weiter. Bis zum Albuville.» Und vor dem Cityplatz «werden sie wieder zwischen Bus und Autokolonne eingeklemmt.»

«Stadtauswärts dasselbe Desaster…»

… schreiben die Velofahrer. Schon beim Manor vermisse man die Velospur. Dafür gebe es inmitten der Strasse eine Baumallee. Ab hier geht es weiter, vor oder hinter oder neben dem Bus, um beim Kreuz in Jona wieder inmitten des Verkehrs zu landen, der sich «deftig staue», weil der Bus auf der Strasse anhalte.

Die Diskussion um die Strasse hat sich in den letzten Tagen intensiviert. Dass jetzt auch der Langsamverkehr zur Sprache kommt wird neuen Gesprächsstoff geben.

191104_Flyer-Avenida-Bürgerforum
Mario Aldrovandi, Linth24