Leserbrief
Rapperswil-Jona
07.11.2019

Avenida: Fakten aus Anwohnersicht

In zehn Tagen wird in Rapperswil-Jona über die «Avenida / Lebensader» oder «Stadtraum Neue Jonastrasse / St.Gallerstrasse» abgestimmt. Ein Anwohner machte den Faktencheck.

Das Projekt Stadtraum über welches wir am Sonntag 17. November abstimmen werden, bedarf einiger sachlicher Klarstellungen.

Ich erlaube mir daher ein paar Fakten ins Zentrum zu stellen: Grundlage ist die Detaildokumentation der Stadtbehörden, woraus ersichtlich ist, dass im Durchschnitt die Gesamtbreite des «Stadtraums» auf rund 22 Meter verbreitert wird. Damit man sich diese Dimension verinnerlichen kann: Eine 4 Spurige Autobahn weisst eine Breite von rund 31 Metern auf.

Es werden zudem rund 12`000 m2 zusätzliche Fläche asphaltiert = 2 Fussballfelder.

In der Detaildokumentation schreibt der Stadtrat auf Seite 7, dass mit dem Projekt KEINE Kapazitätserweiterung für den Motorisierten Individual Verkehr (MIV) vorgesehen ist. Damit werden wir auch nach einer Umsetzung des Projektes Staus in den Morgen- und Abendstunden haben.

Im Projekt wird weiterhin auf Lichtsignalanlagen gesetzt und auf Seite 49 darauf hingewiesen, dass grössere Konstruktionen für Winkelmasten oder mit Signalbrücken zu rechnen ist. Visuell nicht gerade das, was man sich in einer modernen Stadt wünscht oder das Gefühl fördert, auf einer «Flaniermeile» zu sein.

Die Verkehrssteuerung durch Lichtsignale gilt für alle Verkehrsteilnehmer, also auch für Velofahrer. Velo- und Autofahrer sind sich weiterhin gleichgestellt und ein schnelles Vorwärtskommen wird bei dieser Ausgangslage auch für den Velofahrer nicht möglich sein, zumal ein durchgehender Veloweg im vorliegenden Projekt nicht möglich ist. Wären die Ost-West Velowege auf den parallel verlaufenden Quartierstrassen doch die bessere Alternative, da diese nicht mit Lichtsignalanlagen bestückt sind und somit ein zügigeres und sicheres Vorwärtskommen ermöglichen würden?

Einzig der ÖV profitiert von einer fast durchgehenden Busspur, wenn er denn nicht durch die Velos auf der Busspur gleich wieder ausgebremst wird. Die Lichtsignale werden bei diesem Projekt nur die Busse bevorzugen.

Zur zeitlichen Umsetzung des Projektes schreibt der Stadtrat auf Seite 63 (Detaildokumentation), dass der Zeithorizont über mehrere Jahrzehnte, also mind. 20-30 Jahre in Anspruch nehmen und wohl frühestens ab 2040 umgesetzt sein wird. Bei dieser Ausgangslage stellt sich für mich die Frage, ob das vorliegende Projekt der Zukunft nicht hinterher hinkt? Wie wird die Mobilität bis im 2040 aussehen und mit was werden wir uns in 20-30 Jahren fortbewegen? Wird es dann möglich sein auf innerstädtischen Verkehrsachsen Tempo 30 oder 40 einzuführen und wäre somit ein Kreiselsystem dann doch zielführender? Müssen alle Verkehrsteilnehmer auf einer 22 Meter breiten Achse vereint sein? Warum wird nicht parallel zur Hauptachse für den Langsamverkehr ein feinmaschiges Velonetz auf- und ausgebaut, welches zusätzliche Verbindungen Nord-Süd beinhaltet und den Langsamverkehr priorisiert?

Für mich ist klar, dass das vorliegende Projekt optisch viel verspricht, aber mit einem Umsetzungshorizont von weit über 20 Jahren von der zukünftigen Mobilitätsentwicklung wohl überholt sein wird. Asphaltschneisen von gegen 22 Meter Breite sind aus meiner Sicht in einer attraktiven Stadt nicht zeitgemäss.

Darum ein NEIN zum vorliegenden Projekt, damit eine pragmatische Lösung ermöglicht wird, mit den vorhandenen Ressourcen Langsamverkehr, ÖV und MIV entflechten oder mindestens „partnerschaftlich“ ausarbeiten und anschliessend zeitnah umgesetzt werden kann.

Raphael Weber, Anwohner der Neuen Jonastrasse 46, seit 1969