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Rapperswil-Jona
30.09.2022
01.10.2022 00:04 Uhr

Badi Lido: Was stimmt diesmal, und was nicht?

Badi Lido:  Auf einmal kostet die Renovation 1.7 Millionen mehr und auch die Rutschbahn soll kaputt sein
Badi Lido: Auf einmal kostet die Renovation 1.7 Millionen mehr und auch die Rutschbahn soll kaputt sein Bild: Linth24
Auf einmal soll die Offenhaltung der Badi Lido 1.7 Millionen teurer und Rutschbahn und Sprungturm sollen defekt sein. Der Stadtrat will die Badi partout schliessen – warum eigentlich? Kommentar von Bruno Hug

Am 17. Februar 2022 führte Bauchef Christian Leutenegger das Stadtforum und die Medien in den Untergrund der Badi. Er wollte damit beweisen, dass sie aus Sicherheitsgründen abgerissen und geschlossen werden müsse. Der Abbruch beginne diesen Winter. Und Stadtpräsident Stöckling liess via Stadtmitarbeiter wissen, er sitze beim Abbruch der Badi persönlich auf den Bagger.

1.3 Millionen für Weiterführung

Zugleich gab Bauchef Leutenegger vor dem Forum bekannt, die Weiterführung der Badi würde 1.3 Millionen Franken kosten. Und wurde konkret: 750 000 Franken für die Badetechnik, 300 000 Franken für betriebliche Ersatzbauten sowie 200 000 Franken für die Garderoben. Diese Zahlen gaben dann nicht nur die Medien wieder, sondern flossen auch ins Protokoll des Formus ein. (Siehe PDF Präsentation Stadtforum am Ende dieses Kommentars)

Nachdem die Stadt somit am 17. Februar 2022 verkündet hatte, die Badi abzubrechen, ist kaum wahrscheinlich, dass ihre Beamten danach noch vertiefter abgeklärt haben, was die Weiterführung der Badi kosten würde.

Badi-Antrag an am 1. September

Dann kam die Gemeindeversammlung vom 1. September 2022. Die Ex-Sportlerin Regula Späni forderte darin im Namen der «IG Badi Lido bleibt offen», die Badi solle in Betrieb bleiben. Sie sei wichtig für die Stadt, für Familien, Kinder und ältere Menschen. Und sie habe diesen Sommer bestens funktioniert. Ohne Lido habe die Stadt sonst über Jahre kein öffentliches Schwimmbad.

Was stimmt nun, 1.3 oder 3 Millionen?

Stadtpräsident Martin Stöckling und Bauchef Leutenegger bodigten jedoch mit detaillierten Ausführungen eine Abstimmung über den Antrag. Dabei sagte der Bauchef, die Offenhaltung der Badi Lido koste 3 Millionen Franken. Den Kostensprung von 1.3 Millionen auf 3 Millionen belegte er nicht.

Diese 3 Millionen widerholte die Stadt anlässlich der laufenden Motion am 27. September in der Linth-Zeitung. Man fragt sich: Was stimmt nun: Die 1.3 Millionen vom 17. Februar 2022 oder die 3 Millionen vom 27. September?

Stadtrat legt Fakten bisher nicht vor

Doppelt brisant ist, dass die Stadt die von Joe Kunz (IG Badi Lido bleibt offen) nach Öffentlichkeitsgesetz geforderte Offenlegung der Ingenieursberichte und Kostenschätzungen zur Badi bis jetzt nicht herausgibt.

Brisant ist auch, dass der Stadtrat nun in der Linth-Zeitung Anfangs Woche auf einmal neue Argumente zum Badi-Abbruch auftischt: Bei einer Weiterführung müssten die Rutschbahn und der Sprungturm geschlossen werden. Das war aber bisher noch nie ein Thema. Erstaunlich.

Auf einmal ist auch die Rutsche kaputt - obwohl sie den ganzen Sommer benutzt wurde Bild: Linth24

Will Stadtrat nur noch das Gesicht wahren?

Man fragt sich, warum will dieser Stadtrat die Badi so dringend schliessen? Selbst wenn die Weiterführung 3 Millionen kosten würde – was gemäss Stadtrat vom 17. Februar 2022 nicht der Fall ist – wäre es doch fair und logisch, das Volk über diese Investition, respektive über die Offenhaltung der Badi abstimmen zu lassen. Insbesondere, da in dieser Stadt niemand glaubt, dass der Baustart für eine neue Badi schon 2026 ist, wie dies der Bauchef an der September-Bürgerversammlung prognostiziert hat.
Will der Stadtrat bei der Badi Lido vor allem, und in erster Linie sein Gesicht wahren, statt dem Volk zu dienen?

Bruno Hug