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Rapperswil-Jona
22.09.2022
22.09.2022 10:56 Uhr

Lido 2: Fachplaner künden der Stadt

Die mit dem Eisstadion und dem Areal Lido beschäftigten Fachplaner kämpften derart gegen Windmühlen, dass sie der Stadt das Mandat kündigten.
Die mit dem Eisstadion und dem Areal Lido beschäftigten Fachplaner kämpften derart gegen Windmühlen, dass sie der Stadt das Mandat kündigten. Bild: Linth24
Bei der Planung rund ums «Areal Lido» wird das Volk mit dem Stadion-Abbruch nicht nur falsch informiert, auch die Planung verläuft chaotisch. Die Fachplaner suchten das Weite. Kommentar von Bruno Hug

Gestern habe ich offengelegt, wie der Stadtrat von Rapperswil-Jona die Bürger mit der angeblich bloss 15-jährigen Lebensdauer des Eisstadions falsch informiert. Im hier folgenden Kommentar zeige ich, was für ein Planungs-Chaos rund ums Lido vorherrscht.

Stadtrat engagiert Fachplaner

Nach seinem Mitte 2020 abgesagten, baureifen Projekt fürs Freibad Lido, mit dem zwei Millionen Franken versenkt wurden, war der Stadtrat am Ende seiner jahrelangen Planerei rund ums Lido.
Für den Neuanfang engagierte er das auf Eisbahnen und Schwimmbäder spezialisierte Fachteam Benjamin Bührer BBP Ingenieure, Lieli LU, und Attilio Lavezzari Architekten, Kriens LU.

Zur Lido-Untersuchung reichte das Fachteam am 13. August 2020 der Stadt eine Offerte mit einem Kostendach von 150’000 Franken ein und schlug fünf anzugehende Arbeitsbereiche vor: 1. Zustand Eisstadion, 2. Analyse Gesamt-Areal Lido, 3. Analyse Badi Lido und in Bereich 4 und 5: Wie weiter beim Eisstadion und beim ganzen Areal Lido?
Stadtpräsident Martin Stöckling höchstpersönlich bestätigte die Offerte inklusive der fünf Arbeitsbereiche.

Stadt liefert Unterlagen nicht

Das Ingenieurteam ging die Untersuchungen gründlich an und verlangte von der Stadt Unterlagen zu den Bauten im Lido. Doch die Antworten erfolgten schleppend oder gar nicht. So erhielten die Ingenieure gemäss Punkt 7 ihres Prüfberichts keine Bewilligungen zum Eisstadion und auch keine Angaben zu Versicherungs- und Feuerpolizei-Unterlagen.
Ähnlich lief es bei den Vorrechten des Circus Knie. Über Monate teilte die Stadt mit, es gebe dazu keine Vereinbarungen, bis auf einmal ein Stadtratsbeschluss von 2016 zum Vorschein kam.

Laufend neue Direktiven

Massiv erschwerend war auch, dass die Stadt laufend neue Direktiven vorgab. Einmal musste das Eisstadion im Grünfeld neben die vom Stadtrat dort propagierte Trainingshalle zu stehen kommen. Ein andermal war es umgekehrt. Dann hiess es, die Trainingshalle ginge die Planer nichts an – und danach dann doch wieder. (Dieses Hin und Her beklagten übrigens auch die Planer des von der Stadt zu Tode gemanagten Neubaus des Freibads Lido.)

Stadt negiert Ingenieursvorschlag

Im Frühling 2021 wollten Bührer/Lavezzari Ordnung ins Chaos bringen. Sie schlugen eine Lösung fürs Gesamt-Areal Lido vor, die eine etappenweise Erneuerung aller Eis- und Wasseranlagen ermöglichen würde. Dabei liessen sie den Para-Parkplatz aus Kostengründen und als städtische Landreserve unberührt.
In der Stadt wurde der Vorschlag begrüsst, man wollte dafür den Stadtrat an Bord holen. Doch es blieb beim Vorsatz. Die Stadt negierte danach die Arbeit ohne Angabe von Gründen.

Fachplaner geben auf

Aus dem planerischen Neuanfang fürs Lido wurde somit wieder nichts. Die Fachplaner kämpften derart gegen Windmühlen, dass sie der Stadt Anfang Februar 2022 das Mandat kündigten.

Zur selben Zeit, wie Bührer/Lavezzari sich ums Lido bemühten, beschäftigte sich auch das Berner Büro BBM Sports GmbH im Rahmen der «Sportstättenplanung» mit demselben Gebiet. Wobei die Berner folgsam waren und in den «Sportstättenplan» das schrieben, was die Stadtführung wollte, nämlich, dass das Eisstadion in 15 Jahren abzureissen und an anderer Stelle neu zu bauen sei. Dies auf der angeblichen Basis des Eisstadion-Berichts der Ingenieure Bührer/Lavezzari – in dem von einem in 15 Jahren abbruchreifen Eisstadion kein Wort stand.

Auf diesen verdrehten Grundlagen stürzte sich der Stadtrat Mitte letzten Juli in die nächste Planungsrunde. Darüber schreibt Linth24 morgen in «Lido 3».

Bruno Hug