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Rapperswil-Jona
23.09.2022
23.09.2022 09:48 Uhr

Lido 3: Die nächste 300’000-Franken-Studie

Am 12. April 2022 stürzte sich der Stadtrat in die jetzt laufende Planungsrunde zum Lido. Sie ist mit rund 300'000 Franken doppelt so teuer, wie der Bauchef der «Linth-Zeitung» sagte.
Am 12. April 2022 stürzte sich der Stadtrat in die jetzt laufende Planungsrunde zum Lido. Sie ist mit rund 300'000 Franken doppelt so teuer, wie der Bauchef der «Linth-Zeitung» sagte. Bild: Linth24
Nach der «Sportstättenplanung» und der Kündigung der Lido-Fachplaner läuft nun eine weitere Planungsrunde für’s Lido. Mit trüben Aussichten. Kommentar von Bruno Hug

Wie bedenklich aus der Hüfte heraus die Lido-Planung abläuft, zeigt folgender Umstand: Die Stadt schreibt in ihrem aktuellen Auftrag an vier Planungs-Büros, das in 15 Jahren neu zu bauende Eisstadion werde von «Privat» finanziert. Aber die Lakers, die dazu bis zu 50 Millionen Franken hinblättern müssten, wissen nichts davon. Ich komme darauf zurück.
Zuerst der Reihe nach:

In «Lido 1» deckte Linth24 auf, dass das Eisstadion nicht in 15 Jahren abgebrochen werden muss. In «Lido 2» zeigten wir, wie der Stadt die Berater davonliefen. Und hier in «Lido 3» lesen Sie, wie der aktuell laufende «Studienauftrag Areal Lido» kaum Licht ins Dunkel bringt. Denn zu viel liegt im Ungewissen, zu viel ist nicht durchdacht.

Falsch ausgelegte Stadion-Prüfung

2021 beschäftigten sich gleichzeitig zwei Planungs-Büros mit dem Areal Lido: Das Ingenieursteam Bührer/Lavezzari mit einem Auftragsvolumen von 150'000 Franken. Und die BPM Sports GmbH, welche die gegen 100'000 Franken teure «Sportstättenplanung» erstellte.

Erstere hielten das Planungs-Wirrwarr nicht mehr aus und kündigten der Stadt im Februar 2022, während das Berner Büro die «Sportstättenplanung» fertig machte. Darin nahm es den vom Stadtrat offenbar gewünschten Stadion-Abriss in 15 Jahren auf. Und das, obwohl dieser so aus der Eisstadion-Prüfung von Bührer/Lavezzari gar nicht hervorgeht.

Bauchef nennt die halben Kosten

Auf dieser verqueren Basis machte sich der Stadtrat Anfang April 2022 an die nächste Planungsrunde und betraute das Churer Büro Stauffer & Studach damit, einen «Studienauftrag» zu erarbeiten. Kosten: Weitere 35'000 Franken.

Mit dem Planungs-Auftrag beehrt wurden im Juli 2022 folgende vier Architektur-Büros: Marques, Luzern; Roskothen, Rapperswil; Scheitlin Syfrig, Luzern und Studio DIA GmbH, Zürich.
Sie alle erhalten für ihre Arbeit je 43'000 Franken. Und bis zu zwei Büros dürfen ihre Vorschläge für je 80'000 Franken vertiefen. Damit kostet diese neuste Übung die Steuerzahler 250'000 bis 330'000 Franken. Das ist das Doppelte dessen, was Stadtrat Leutenegger am 16. August 2022 der Linth-Zeitung sagte, nämlich, die Studie koste «rund 150'000 Franken».

Die 40 bis 50 Millionen der Lakers

Im nun laufenden «Studienauftrag Areal Lido» steht, das neue Hockeystadion mit 6'000 bis 8'000 Zuschauern müsse nach dem Abbruch des heutigen Stadions auf dem Para-Parkplatz zu stehen kommen; ebenso das Ausseneisfeld und die Trainingshalle. Und es seien Parkplätze und -Garagen für bis zu 600 Autos einzuplanen.

Nur weiss niemand, wer das bezahlt. Ausser offenbar der Stadtrat, der in den «Studienauftrag» scheiben liess, das neue Eisstadion werde durch «Private» finanziert. (Siehe in PDF auf Seite 23 unten, am Ende dieses Kommentars.)
Auf Rückfrage bei den Lakers zeigt sich jedoch: Sie wissen nichts von ihrem «Glück», dereinst für’s neue Stadion 40 bis 50 Millionen hinblättern zu müssen.

Scheinbar weiss der Stadtrat zu dieser privaten Finanzierung mehr. Diesfalls muss er das bei derart weitreichenden, die ganze Stadtplanung betreffenden Rochaden öffentlich machen. Oder die Privat-Finanzierung ist (einmal mehr) reine Augenwischerei.

Es kann alles auch anders kommen

Aber es kann ja alles immer auch wieder anders kommen. Die vier Planer-Büros dürfen das Eisstadion gemäss Studienauftrag auch noch anderswo platzieren als auf den Para-Parkplatz. Falls sie dazu eine gute Idee haben. Womit man sich fragt: Liess der Stadtrat zuerst eine «Sportstättenplanung» erstellen, um sie später wieder zur Makulatur werden zu lassen?

Ins selbe Thema gehört die «Allmeind», die dereinst am Platz des abgebrochenen Stadions entstehen soll. Damit wurde dem Volk lange vorgegaukelt, das sei so etwas wie eine Picknick-Wiese am See. Doch seit Linth24 mehrfach darauf hinwies, gab es der Stadtrat nun am 15. August 2022 in einer Mitteilung endlich zu: Knie braucht für seine Premiere keine «Allmeind», sondern einen 14'000 m2 grossen, gefestigten Platz. Dieser heisst neu nicht mehr «Allmeind», sondern «Lido-Platz», wie der Stadtrat jetzt schreibt. So läuft das in Rapperswil-Jona.

Armes Südquartier

Jedenfalls, die neue Planungsrunde läuft. Die vier Büros sind für rund 300'000 Franken bis Dezember 2022 und danach in der Überarbeitung bis Juni 2023 an der Arbeit.

Wer sich aber die Vorhaben anschaut, welche die Planer im Lido platzieren müssen, staunt: Hier gäbe es ein Eisstadion für bis 8'000 Besucher, ein Ausseneisfeld, eine Eis-Trainingshalle mit Zuschauer-Tribünen, eine Kantonsschule, das BWZ, ein Hallenbad, ein Freibad für bis 1'000 Besucher, ein erweitertes Wassersportzentrum, das «Seeufer als Allmeind», einen 14'000 m2 grossen «Lido-Platz», den Kinderzoo, Tierstallungen, Wohnblöcke, die Hochschule Ost und gegen 600 Parkplätze und Tiefgaragen. Alles erschlossen über die überlastete Schönbodenstrasse. No way! Das Südquartier würde zusammenbrechen.

In «Lido 4» lesen Sie morgen, was der Stadtrat im Lido sonst noch für Sorgen hat. Zum Beispiel, dass ihm mit dem Abbruch der Badi die Heizung im Eisstadion fehlen könnte.

Bruno Hug