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Rapperswil-Jona
21.09.2022
22.09.2022 10:55 Uhr

Eisstadion-Abbruch: Irreführung durch den Stadtrat

Der Stadtrat von Rapperswil-Jona kommt mit seinem Abriss des Eisstadions in 15 Jahren ins Schleudern.
Der Stadtrat von Rapperswil-Jona kommt mit seinem Abriss des Eisstadions in 15 Jahren ins Schleudern. Bild: Linth24
In der Sportstättenplanung von Rapperswil-Jona täuscht der Stadtrat vor, das Eisstadion Lido sei in 15 Jahren abzubrechen. Linth24-Recherchen zeigen: Das ist falsch. Kommentar von Bruno Hug

Die Mitte Juni 2022 vom Stadtrat herausgegebene «Sportstättenplanung Rapperswil-Jona» soll ein bis 2045 gültiges Generationen-Werk sein. Darin geht es massgeblich auch um das Sportareal Lido in Rapperswils Südquartier. Es soll künftig total neu geordnet werden. (Geplante NeubautenEisstadion, Ausseneisfeld, Eis-Trainingshalle, Hallenbad, Freibad, Seeufer «Allmeind», Erweiterung Wassersportzentrum, Tiefgaragen mit 600 Parkplätzen – inklusive Abbruch der heutigen Anlagen samt Bootshalle.)

Entsprechend wichtig wäre es, dass der Stadtrat über die selbst für Rapperswil-Jona riesigen Investitionen transparent, sachgerecht und ehrlich informiert. Doch das ist nicht der Fall, wie Recherchen von Linth24 zeigen.

Die Mär von «15 Jahren» fürs Stadion

In der «Sportstättenplanung» schreibt der Stadtrat auf Seite 25 unter «Teilbereich Eissport», im Jahr 2021 sei durch die Innerschweizer Fachbüros Bührer und Lavezzari ein Untersuchungs-Bericht zum Eisstadion Lido erstellt worden. Sie würden fürs Stadion «von einer Rest-Nutzungsdauer von ca. 15 Jahren» ausgehen.
Und auf Seite 28 doppelt der Stadtrat nach: «Die Betriebszeit des heutigen Stadions» werde «durch Experten mit maximal 15 Jahren angegeben.»

Beide Aussagen sind falsch.

Eisstadion in gutem Zustand

Denn in Punkt 4 ihres Berichts vom 18. Juni 2021, welcher Linth24 zugespielt wurde, schreibt das Eishallen-Prüfteam Bührer/Lavezzari: «Das Eisstadion (Lido) befindet sich bautechnisch in einem generell guten Zustand.» So, wie es heute dastehe, habe es «vermutlich noch eine ziemlich lange Lebensdauer vor sich».
Und unter Punkt 8 schreiben die Ingenieure: «Bautechnisch ist das Eisstadion in unerwartet gutem Zustand.»

Das Ingenieurteam Bührer/Lavezzari bescheinigt dem Eisstadion Lido in seinem Untersuchungsbericht vom 18. Juni 2021 einen «generell guten Zustand». Bild: Linth24

Von einer «Rest-Nutzungsdauer von maximal 15 Jahren» steht im Bericht nichts. Trotzdem schreibt die Stadt in ihren Medienmitteilungen locker vom Hocker: «Abklärungen haben ergeben, dass die Lebensdauer des Eisstadions noch rund 15 Jahre beträgt.»

Eine einzige Erklärung für Stadion-Abriss

In seiner «Sportstättenplanung» hat der Stadtrat für seine Abbruch-Information nur eine einzige Erklärung. Er schreibt, wohl gezielt verallgemeinernd, «der Zuschauerraum» des Stadions bilde «das grösste Risiko für die Weiterführung des Betriebs, da verschiedene Normen nicht eingehalten werden können».

Allein auf Basis dieser Aussage soll also das Eisstadion spätestens in 15 Jahren abgerissen und samt Trainingshalle und Ausseneisfeld auf der anderen Strassenseite oder im Grünfeld neu gebaut werden. Inklusive Parkgaragen und Parkplätzen für bis zu 600 Autos. Mit Investitionsfolgen allein für die Eisanlagen von rund 100 Millionen.

Das sind die wahren Fakten

Mit der Irreführung zur bloss noch 15-jährigen Lebensdauer des Eisstadions werden die wahren Fakten verschwiegen. Gemäss dem Bericht der Ingenieure Bührer/Lavezzari hat das Stadion lediglich im Bereich Sicherheit «Defizite», die aber «mit mehr oder weniger grossem finanziellen Aufwand allesamt verbessert werden können». Problematisch seien jedoch die zu steilen Tribünen. Im Falle eines Stadion-Umbaus, wären diese abzuflachen. Damit würde die vom Hockey-Verband geforderte Stadionkapazität für die NLA-Teilnahme von 5'000 Zuschauern unterschritten werden.

Missbräuchliche Auslegung

Dazu Folgendes: Erstens ist das Eisstadion ein bewilligter Bau, der Bestandsgarantie hat. Zweitens ist die Verbands-Vorschrift kaum in Stein gemeisselt. Und drittens: Sollte das Stadion dereinst umgebaut werden, müsste die Tribünen-Problematik mit Kostenfolgen zuerst seriös studiert werden, bevor der Stadtrat in Eigenregie den Stadion-Abriss inklusive Neubau aller Eisanlagen in die Welt setzt.  

Was sagt der Stadtrat dazu?

Einmal mehr fällt der Stadtrat von Rapperswil-Jona durch zweifelhafte Informationen auf. Linth24 hat vorgestern die Stadträte Christian Leutenegger (Bau) und Luca Eberle (Schule, Sport, Alter) darauf hingewiesen, dass die Bürgerschaft mit der 15-jährigen «Rest-Nutzungsdauer» des Eisstadions in die Irre geführt werde. Leutenegger schrieb dazu: Die «ungefähre Zeitangabe von 15 Jahren» basiere auf «Zustand-Analysen». (Auf welche schreibt Stadtrat Leutenegger nicht.) «Man» müsse «alle Informationen berücksichtigen». Im Bericht von Bührer/Lavezzari stehe auch, dass die Lebensdauer des Stadions «unabhängig vom bautechnisch guten Zustand gezählt» sei. Damit sei die Aussage des Stadtrates in der Sportstättenplanung «soweit korrekt und nachvollziehbar».

Morgen lesen Sie in «Lido 2», wie die von der Stadt beauftragten Fachplaner im Lido das Weite suchten.

Bruno Hug