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Kultur
22.06.2021
22.06.2021 17:08 Uhr

Malen im ehemaligen Swimmingpool

Aramis Navarro (mit Cap) führte den Kunstverein Oberer Zürichsee durch sein grosses Atelier in Jona.
Aramis Navarro (mit Cap) führte den Kunstverein Oberer Zürichsee durch sein grosses Atelier in Jona. Bild: Kunstverein Oberer Zürichsee
Der junge Künstler Aramis Navarro öffnete für den Kunstverein Oberer Zürichsee die Türen zu seinem Joner Wohnort und Atelier und gewährte einen spannenden Einblick in sein Leben und Wirken.

Rund 40 Mitglieder des Vereins besuchten das Atelier, aufgeteilt in zwei Gruppen. Man freute sich über die interessante Führung und den endlich wieder stattfindenden, kulturellen Austausch.

Peter Brunner und Alois Artho (zweite Gruppe) stellten den Künstler kurz vor: 2019 und 2020 schaffte Aramis Navarro, der Künstler mit peruanischen Wurzeln, einen bemerkenswerten Auftritt mit einer Einzelausstellung und späteren Mitwirkung an der «Grossen Regionalen» im Kunst(Zeug)Haus Rapperswil. Er spiele mit Leerräumen. Seine Werke seien visuelle Geschichten, die auf dem Studium von Sprache, Phonetik und Schrift basieren und Anlass zum Nachdenken und Schmunzeln geben, führte Brunner aus.

Die Teilnehmenden konnten sich anschliessend selbst davon überzeugen

Ein Hallenbad als Atelier

Seit gut vier Jahren wohnt und arbeitet Navarro an der Hombrechtikerstrasse 61 im Lenggis, Jona. Das Haus wurde privat erworben und weiter vermietet. Es stammt aus den 50er Jahren und war sanierungsbedürftig. Navarro lebt hier günstig in einer kreativen WG mitten im Villenviertel, mit Blick auf den Zürichsee. Das Atelier wurde ihm – gemäss seinen Angaben – auf Lebzeiten zugesprochen. Er habe viel Zeit und Arbeit in den Umbau gesteckt.

Erfolgreich, so wie es aussieht. Denn aus dem ehemaligen Hallenbad wurde ein grosses Atelier mit einer weiten Fensterfront, die auf den weitläufigen Garten hinausführt. Das Atelier ist mit vielen Pflanzen dekoriert. An den Wänden und Decke sind verschiedenste Arbeiten von Navarro zu sehen. In den Ecken stehen Regale mit Materialien, Stoff- und Leinwandballen. Oben auf dem Podest befindet sich die Keramikwerkstatt seiner Frau und gleich rechts davon, beim Fenster, ein Büroarbeitsplatz.

Er sei für den Unterhalt des Hauses und Umbau in Eigenregie zuständig, berichtete Navarro weiter. Daneben schloss er sein Kunststudium mit dem «Master of Fine Art» ab.

Einmal im Monat lädt er zum Künstlertreff. Der Austausch sei im wichtig. Überhaupt bedeute ihm Sprache viel. Wenn er Spanisch spreche – seine Muttersprache – sei er eine andere Persönlichkeit, aufgrund der kulturellen Unterschiede. Navarro liebt die Poesie und spielt mit Buchstaben und Wörtern, wie seine Mutter, eine Dichterin.

Eine Besonderheit: Navarros künstlerisches Atelier wurde aus einem früheren Hallenbad umgebaut. Bild: Kunstverein Oberer Zürichsee

Vielfältige Arbeiten – verschiedenste Materialien

Zusammen arbeiten sie an der Veröffentlichung eines zweiten Buches. Seine Mutter textet und er gestaltet dazu entsprechende Bilder. Alles im Kontext mit Sprache fasziniere ihn, so Navarro, ein Gespräch über einen Film, ein Buch oder Werte. Daraus schöpft er seine kreativen Ideen. Deshalb habe er immer ein Notizheft dabei.

Inzwischen verfügt Navarro über eine grosse Notizensammlung aus Sätzen und Wörtern. Die er auf einer alten Schreibmaschine auf A4 Blättern niederschreibt. Es sei für ihn ein Prozess der Reflexion und Grundstein für die Weiterentwicklung von Ideen. Stolz zeigte er diese den Anwesenden.

Navarro arbeitet mit verschiedensten Materialien, wie Stoff, Papier, Leinwand, Holz und Ton und beschäftigt sich mit Installationen, Poesie und Malerei. Vor zwei Jahren begann er eine malerische Serie zum Thema «Zeit».

Zeit sei ein abstraktes Konstrukt aus Wörtern, sinniert Navarro. Anfänglich habe er Zeitwörter für die Darstellung verwendet. Heute zerschneidet er alte Bilder, verwendet Teile davon weiter, fügt sie neu zusammen und vernäht sie mit einer alten Industrienähmaschine zu einem neuen Malgrund. Meist sind es Striche, Figuren und Wörter auf weissen Grund. So wird laut Navarro aus Altem wieder etwas Neues, Vergangenes und Aktuelles kommen in einem Kunstwerk zusammen.

Ausserdem hat er eine Sammlung an Wanderstöcken aus Holz mittels Magneten an der Decke aufgehängt. Sie geben dem Raum eine spezielle Wirkung. Für ihn haben sie eine eigene Symbolik: Jeder Stock hat seine eigene Geschichte und berichte von guten und schlechten Zeiten, so Navarro.

Erste Einzelausstellung vor drei Jahren

Vor drei Jahren hatte er eine erste Einzelausstellung in der Galerie Hafner in St.Gallen. Jetzt sind seine Arbeiten dort wieder zu sehen, ebenso in Zürich im Löwenbräuareal (siehe www.aramisnavarro.com).

Antoinette Lüchinger, Kunstverein Oberer Zürichsee