Home Gemeinden In-/Ausland Sport Magazin Agenda
Rapperswil-Jona
10.05.2021
10.05.2021 06:52 Uhr

ZSG-Trick: «Geld vom rechten in den linken Hosensack»

Die ZSG sei unter der Führung des ZVV eine «geschützte Werkstatt», findet Christopher Chandiramani. Bild: zVg
Am Sonntag sagten 56 Prozent der StimmbürgerInnen Rapperswil-Jonas Ja zum höheren ZSG-Beitrag. Für Kantonsrat Christopher Chandiramani ist es eine Zustimmung mit Nebengeräuschen.
  • Kommentar von Christopher Chandiramani

Die Rapperswil-Joner Stimmbevölkerung hat einer Zuwendung von jährlich CHF 600'000 an die Schifffahrtsgesellschaft des Zürichsees (ZSG) und den Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) mit 56 Prozent Ja-Stimmen bei einer Stimmbeteiligung von knapp 30 Prozent zugestimmt. Im Vorfeld war die Vorlage umstritten und gab vor allem in den sozialen Medien Anlass zu Kritik.

Jede Schifffahrt auf dem Zürichsee ist entspannend und auch die Gastronomie wird wieder zum Genuss, wenn die Bordrestaurants nach der Corona-Krise öffnen. Nur die Finanzierung bleibt undurchsichtig, solange die ZSG unter den Fittichen des ZVV ist, eine Art «Durchlauferhitzer», d.h. die Einnahmen und allfällige Gewinne fliessen an den ZVV und dieser stopft auch die Defizitlöcher.

Bezeichnung «Kredit» umstritten

Die Opposition gegen den relativ hohen Beitrag der Stadt Rapperswil von offenbar jährlich CHF 600’000 war ernst zu nehmen.

Vieles ging aus den Unterlagen nicht klar hervor. Das war ja auch kein «Kredit» wie vom Stadtrat behauptet, sondern ein wiederkehrendes Geschenk, eine Sonderauslage. Kredite sind rückzahlbar oder sollten aktiviert und abgeschrieben werden (für Investitionen, Erweiterungen, Renovierungen usw.), für eine Gemeinde zumindest Aktiven und Mehrwerte schaffen.

Wertschöpfung und Zuführung von vielen Touristen

Effektiv ist es auch so, dass die ZSG in Rapperswil einen sehr gut frequentierten Hafen hat. Das gilt auch für den Steg der Insel Ufenau. Eine Ausdünnung des Angebots nach Rapperswil wäre für die ZSG äusserst kontraproduktiv. Bis jetzt war nicht in Erfahrung zu bringen, was andere Seegemeinden, vor allem in Nachbarkanton Schwyz zahlen müssen.

Die ZSG ist unter der Führung des ZVV eine «geschützte Werkstatt». Das führt auch zu einer Art Ruhekissen in der obersten Etage. ZSG-Verwaltungsratspräsident Weber und sein Team machen nicht den Eindruck von «Visionären», eher wohl von trägen Staatsbeamten.

Dünner Geschäftsbericht, «Kreativität» bei den Zahlen

Die publizierten Zahlen sind unvollständig, der Geschäftsbericht ist bezüglich Zahlen dürftig, die Gesellschaft eher publikumsscheu. Journalisten haben einen Maulkorb, dürfen in der Regel nur das Vorgegebene der Pressestelle schreiben.
Der tiefe Kostendeckungsgrad von unter 37 Prozent muss nicht unbedingt stimmen. Wie eine solche Kennziffer der ZSG im Detail zustande kommt, ist nicht bekannt.
Bei einem Verkehrsverbund gibt es Zonen, und man weiss nicht genau, welchen Weg die Passagiere bei Kauf eines Tickets nehmen. Fahrgastzählungen sind nur rudimentär, werden nur gelegentlich mit einer Stoppuhr gemacht.

Misserfolg Schiffsfünfliber, ZVV mit zu starrem Tarifsystem

Die ZSG erhält neben dem ZVV-Ausgleich auch Einnahmen aus den Tickets und aus dem Topf der Halbtax- und Generalabonnemente sowie die Subventionen des Bundes für den Querverkehr, der als regionaler Zubringer gilt.

Die Einführung eines «Schiffsfünflibers» scheiterte vor wenigen Jahren, ergab rund 30 Prozent Einbusse bei den Passagierzahlen, Entlassungen bei der Gastronomie und war nicht rechtens. Die Einführung von Seezonen wäre besser gewesen, aber der ZVV ist hier mit seinem nicht mehr zeitgemässen Tarifsystem ein Hemmschuh.

Grosse Interessenkonflikte

Zu erwähnen ist schliesslich, dass im Verwaltungsrat der ZSG zahlreiche Vertreter von Seegemeinden sitzen, das ist ein Verstoss gegen die Corporante Governance Regeln bzw. führt zu massiven Interessenkollisionen.

Die Verwaltungsräte müssen einerseits Umsatz und Gewinn ihrer Gesellschaft maximieren, andererseits für Kunden (Passagiere) und Steuerzahler die Gebühren möglichst tief halten – eine Funktion mit zwei verschiedenen Hüten, eine «Mission impossible». Es darf nicht sein, dass Gemeinderäte und gleichzeitige Verwaltungsratsmitglieder der ZSG sozusagen mit sich selbst verhandeln können und quasi vom rechten Hosensack Geld in die linke Tasche stecken dürfen.
Gemeindevertreter und gleichzeitige VR der ZSG sollten zukünftig keine öffentlichen Ämter mehr bekleiden dürfen.

Christopher Chandiramani, Kantonsrat und freier Mitarbeiter Linth24