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Uznach
23.04.2021
23.04.2021 17:02 Uhr

Flankierende Massnahmen: «Schönfärberei»

Für die IGMRU (IG Mobilität Region Uznach) vermitteln die schönen Visualisierungen ein falsches Bild. Bild: zVg / Gemeinde Uznach
Der Uzner Gemeinderat lässt die Öffentlichkeit beim aktuellen Planungsstand zu den flankierenden Massnahmen zur A15-Gaster mitwirken. Die IGMRU erachtet die Versprechen des Rats als Schönfärberei.

Die Broschüre «Entwicklung Zentrum Uznach» der Gemeinde Uznach zeigt die aktuell geplanten flankierenden Massnahmen (FlaMa) im Rahmen der Umfahrung Uznach auf. Die IGMRU (IG Mobilität Region Uznach) hat den Planungsstand kritisch begutachtet und gegenüber dem Gemeinderat eine Stellungnahme abgegeben.

Es fällt auf, dass die Zahlen für Verkehrsbelastung und -entlastung nicht durchwegs nachvollziehbar sind. Die Gemeinde Uznach geht von einer aktuellen Verkehrsbelastung von 17'600 täglichen Fahrten durchs Städtli aus. Gemäss den Verkehrszählungen des Kantons St.Gallen (Zählstelle Uznach, katholische Kirche) sind es täglich aber rund 15'000 Fahrzeuge.
Trotz Umfahrung und flankierenden Massnahmen verbleiben gemäss Gemeinderat trotz anderer Zahlengrundlagen weiterhin rund 8'000 Fahrzeuge im Städtli. In Stosszeiten bei geschlossenem Bahnübergang wird es weiterhin Rückstau bis ins Städtli geben. Es entspricht im Vergleich etwa dem Verkehrsaufkommen am Sternenplatz Eschenbach (täglich ca. 8'800 Fahrzeuge) resp. bleibt einiges höher als jenes im Zentrum von Gommiswald (täglich ca. 6'500 Fahrzeuge).

Schöne Visualisierungen vermitteln falsches Bild

Die Broschüre verspricht mit schönen Bildern, Bäumen und attraktiver Umgebungsgestaltung mit Begegnungszone mehr Aufenthaltsqualität im Städtli. Die IGMRU erachtet dies mit weiterhin mehr als 8'000 Fahrzeugen pro Tag als Schönfärberei.
Ob die Attraktivität und Sicherheit für FussgängerInnen und Radfahrende bei diesen Verkehrszahlen und wegfallenden Übergängen sowie Zusammenführung des motorisierten Verkehrs mit den Radfahrenden tatsächlich steigt, ist ebenfalls fraglich.
Eine Temporeduktion im Städtli wird den Verkehr zwar verflüssigen, dadurch gleichzeitig aber auch die Attraktivität dieses Durchgangs erhöhen.

Wo sind kurz- und mittelfristige Massnahmen?

Die IGMRU vermisst nach wie vor eine Perspektive des Gemeinderates für die nächsten Jahre. Bereits seit mehr als 10 Jahren wird auf die Umfahrung Uznach gesetzt. Es wird weitere 10 Jahre dauern, sollte sie tatsächlich realisiert werden und im Anschluss flankierende Massnahmen umgesetzt werden können.

Es braucht aber bereits heute Ansätze für die bestehenden Verkehrsprobleme. Erst recht, wenn aufgrund der weiteren Entwicklungen im Zentrum von Uznach (Bahnhofsareal, Streuliareal, Überbauung Seidenhof) der Ziel-, Quell- und Binnenverkehr weiter zunehmen wird.

Die IGMRU ist überzeugt, dass die geplante Umfahrung Uznach ein überrissenes Projekt ist und dass es einfachere, schneller realisierbare, nachhaltigere und günstigere Alternativen gibt, die angegangen werden sollten. Deshalb wird sie sich dafür einsetzen, dass die Uzner Bevölkerung über das Projekt abstimmen kann. Nur ein «Nein» zum aktuellen Umfahrungsprojekt schafft den Boden für die Diskussion von Alternativen.

Flankierende Massnahmen sind nicht bindend

Mit den FlaMa verspricht der Gemeinderat, das Zentrum um mehr als 50% des Verkehrs zu entlasten. Aber diese flankierenden Massnahmen sind kein bindendes Element des kantonalen Umfahrungs-Projekts. Die Gemeinde Uznach hat diese Massnahmen alleine zu entscheiden, kann sie erst nach Realisierung der Umfahrung umsetzen und muss sie auch alleine finanzieren.

Es hat sich in vielen anderen Gemeinden gezeigt, dass flankierende Massnahmen von den Gemeinden deshalb oft nicht oder nicht im vorgesehenen Umfang realisiert werden. In der Infobroschüre werden die Investitionskosten auf 3.4 bis 4.5 Millionen Franken für Uznach geschätzt. Die Auswirkungen der Investitions- resp. wiederkehrenden Folgekosten (Instandhaltung und Pflege) auf die Gemeindefinanzen werden allerdings nicht ausgeführt.

Weitere Informationen auf: www.igmru.ch.

IG Mobilität Region Uznach