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15.07.2022
15.07.2022 17:25 Uhr

Trinkwasserversorgung im Kanton St.Gallen gesichert

Die Messstation 0701 Steinach, Mattenhof, registriert einen tieferen Pegelstand als üblich. Ähnliches ist auch im Linthgebiet und andernorts zu beobachten.
Die Messstation 0701 Steinach, Mattenhof, registriert einen tieferen Pegelstand als üblich. Ähnliches ist auch im Linthgebiet und andernorts zu beobachten. Bild: Kanton St.Gallen
Im Kanton St.Gallen führen Bäche und Flüsse weniger Wasser als sonst im Sommer. Die Grundwasserstände liegen tiefer und die Pegelstände der Seen auf einem Saison-Minimum. Noch gibt es genug Trinkwasser.

Kanton St.Gallen: Trocken und zu warm – noch genug Trinkwasser

In den Bächen und Flüssen im Kanton fliesst weniger Wasser als durchschnittlich in dieser Jahreszeit. Die Grundwasserstände liegen deutlich tiefer als im Sommer üblich. Die Pegelstände der Seen befinden sich auf einem saisonalen Minimum. Grund dafür sind die geringen Schneemengen im Winter und zu wenig Regen im Frühling.

Die Trockenheit wirkt sich in allen Regionen des Kantons aus. Das Sarganserland, das Seeztal und das Linthgebiet können nicht wie sonst üblich von der Schneeschmelze profitieren. Zudem sind die Temperaturen seit mehreren Wochen überdurchschnittlich hoch. Damit sich die Lage normalisiert, müsste es mehrere Tage anhaltend regnen. Schauer und Gewitter lindern die Trockenheit nur kurz und lokal.

Trinkwasserversorgung ist sichergestellt

Bei den grösseren öffentlichen Trinkwasserversorgungen sind derzeit keine Engpässe bekannt. Der Bodensee erfüllt seine Funktion als Trinkwasserspeicher trotz tiefer Wasserstände. Kritischer ist die Nutzung kleinerer Quellen in Hang- und Berggebieten.

Um die Wasserversorgung in den nächsten Wochen zu gewährleisten und die Wasserlebewesen in den natürlichen Gewässern zu schützen, sollte mit dem Trink- und Brauchwasser sorgsam umgegangen werden.

Wasserentnahmen bleiben vorerst möglich

Wer über eine Bewilligung verfügt, Wasser aus Grundwasser, Bächen, Flüssen oder Seen zu nutzen, ist über die zu ergreifenden Massnahmen bei Trockenheit informiert. Es wird empfohlen, landwirtschaftliche Kulturen nur morgens oder nachts in der verdunstungsarmen Zeit zu bewässern.

Die Gemeinden üben die Aufsicht über die Wassernutzungen aus. Derzeit sind die bewilligten Nutzungen weiterhin möglich, wobei die Mindestwassermengen in den Bächen und Flüssen zu beachten sind.

Vor Hitze schützen

Die hohen Wassertemperaturen setzen den Wasserlebewesen zu. Wo nötig werden Fische in kühlere Gewässerabschnitte umgesiedelt.

Die Bevölkerung sollte sich ebenfalls vor der Hitze schützen. Körperliche Anstrengungen sind zu vermeiden. Es wird empfohlen, den Körper zu kühlen und sich während der wärmsten Tageszeit in kühlen Räumen aufzuhalten. Zudem sollte man ausreichend trinken und sich mit leichter Kost verpflegen.

Fachstab überwacht Situation

Im kantonalen Fachstab Trockenheit verfolgen mehrere Stellen laufend die Entwicklung und Auswirkungen der Trockenheit.

Aktuelle Informationen zur Situation und zu Massnahmen werden regelmässig in einem Bulletin veröffentlicht. Das Bulletin und weitere Informationen zur Trockenheit sind auf der Internetseite www.wasser.sg.ch > Trockenheit aufgeschaltet.

Aare bei Rubigen: Während die Menschen hohe Gewässertemperaturen geniessen, setzt die Wärme die Fische unter Druck. (Archivbild) Bild: KEYSTONE/PETER KLAUNZER

Schweiz: Tiefe Wasserstände wegen Hitze und Trockenheit

Die ganze erste Jahreshälfte war trocken, wie das Bundesamt für Umwelt (Bafu) am Dienstag in einer Bestandsaufnahme mitteilte. Nach dem schneearmen Winter fehlt auch das Schmelzwasser. Viele kleinere und mittelgrosse Flüsse führten Niedrigwasser. Die von Gletschern gespeisten Flüsse hingegen weisen durch den Gletscherschwund hohe Wasserstände auf.

Unterdurchschnittlicher Wasserstand im Walensee

Aktuell sind die Wasserstände im Jura, Mittelland und Tessin unterdurchschnittlich. Selbst grosse Flüsse wie Aare und Rhein führen markant wenig Wasser. Die Pegelstände der Seen liegen meist auf saisonalen Normwerten. Unterdurchschnittlich ist der Wasserstand im Vierwaldstätter-, Walen-, Boden- und besonders im Langen- und Luganersee.

Über der Norm lagen im Juni die Temperaturen der Flüsse. Manche Messstellen registrierten Juni-Rekorde und Temperaturen über 26 Grad. Aufgrund der Gewitter Ende Monat gingen die Temperaturen etwas zurück, liegen aber weiterhin für die Jahreszeit hoch.

Genug Wasserreserven in der Schweiz vorhanden

Das Grundwasser reagiert langsamer auf die Trockenheit als die Oberflächengewässer. Aktuell registrieren die Hydrologen des Bundes keine Auswirkungen auf Grundwasserstände und Quellenabflüsse. Die Grundwasserstände sind normal oder tief wegen des Niederschlagsmangels.

Die Schweiz verfügt damit weiterhin über genügend Wasserreserven. 80 Prozent des Trinkwassers stammen aus dem Grundwasser, der Rest aus Seen. Nur bei kleinen lokalen Grundwasservorkommen und Quellen rechnet das Bafu mit Engpässen. Die Gemeinden rufen dann zum Wassersparen auf. Auch in Zukunft wird es indessen genug Wasser geben.

Wasserfauna, Vögel und Igel leiden

Die hohen Wassertemperaturen setzen den Wasserlebewesen zu. Die Fische leiden unter Stress oder sterben sogar. Zudem steigt ihr Krankheitsrisiko. In naturnahen Gewässern ist das Problem kleiner, da Fische dort tiefere Stellen mit kühleren Wasser finden.

Hitze und Trockenheit machen indessen auch Tieren an Land das Leben schwer. Sie passen sich zwar an, suchen Schatten und sind am Tag weniger aktiv. Solange Wasser vorhanden ist, entstehen keine grösseren Probleme. Besonders Vögel und Kleinsäuger wie Igel finden aber häufig kein Wasser. Ihnen kann man mit Tränken helfen an Stellen, wo sie vor Feinden sicher sind.

Beschleunigter Gletscherschwund

Weil der Winter schneearm war, schmelzen die Gletscher 2022 besonders stark. Dabei verlieren grössere Gletscher weniger Masse als kleinere. Eine erste Einschätzung des Gletscherschwunds ist gemäss dem Bafu im Oktober möglich. Die definitive Bilanz erfolgt Ende Jahr nach Auswertung der glaziologischen Daten.

In manchen Gebieten liessen Hitze und Trockenheit die Waldbrandgefahr ansteigen. Das Ozon überstieg im Juni wie in den Vorjahren auf der Alpennordseite mancherorts die Immissionsgrenzwerte an mehreren Tagen. In der Südschweiz war die Belastung besonders hoch.

Staatskanzlei Kanton St.Gallen / Keystone-SDA / Linth24