Home Gemeinden In-/Ausland Sport Magazin Agenda
Kanton
13.10.2021

Freispruch oder 13 Monate Haft für Polizisten?

Der 22-Jährige tötete eine ihm unbekannte Frau mit einer Pfanne und konnte erst durch Schüsse gestoppt werden.
Der 22-Jährige tötete eine ihm unbekannte Frau mit einer Pfanne und konnte erst durch Schüsse gestoppt werden. Bild: zVg
Am 2. September 2020 kam es zu einem Tötungsdelikt in St.Gallen. Dabei wurde der Täter durch Schüsse der Polizei getötet. Zum gegen die Polizisten eröffneten Verfahren liegen neue Informationen vor.

In einer Anklageschrift, welche dem «Blick» vorliegt, heisst es, dass sich den Polizisten ein Blick des Schreckens bot. Das Gewaltdelikt vom 2. September 2020 erschütterte die ganze Schweiz: Ein 22-jähriger Mann folgte einer ihm unbekannten Frau in die Wohnung und schlug mit einer Metallpfanne brutal auf die Nanny ein. Erst mehrere Schüsse der zwei anwesenden Polizisten konnten den Mann stoppen.

Der 22-jährige Schweizer verstarb noch am Tatort. Die 46-jährige Italienerin wurde mit schwerwiegendsten Kopfverletzungen ins Kantonsspital St.Gallen gebracht, wo sie jedoch an den Folgen eines schweren Schädel-Hirn-Traumas verstarb. Täter und Opfer kannten sich nicht.

Tasergeräte waren kaputt

Insgesamt seien je sieben Schüsse von jeder Waffe abgefeuert worden. Weil unklar ist, wessen Kugel den Mann getötet hat, sind beide Polizisten wegen versuchter Tötung und mehrfacher schwerer Körperverletzung angeklagt. Die Staatsanwaltschaft beantragt einerseits Freisprüche, in einer Alternativanklage aber auch Verurteilungen zu 13 Monaten Haft auf Bewährung.

«Die rechtliche Würdigung des Sachverhalts ist sehr komplex und obliegt dem Kreisgericht St.Gallen», hiess es dazu von der Medienstelle.Aus Polizeikreisen heisst es, dass es keine harmloseren Alternativen zur Schusswaffe gegeben hätte, da alle Tasergeräte der Stadtpolizei zu dem Zeitpunkt in Reparatur oder defekt gewesen wären.

Ermittlungen gegen Klinik

Nur wenige Stunden vor der Tat wurde der spätere Täter aus einer psychiatrischen Klinik entlassen. Kaum war er wieder draussen, habe er sich bin Rauschmitteln vollgepumpt. Darum hätten die Schüsse der Polizisten die erwartete Wirkung zuerst nicht gebracht.

Die Staatsanwaltschaft klärt nun auch, ob die Ärzte der Psychiatrie diesen Vorfall hätten voraussehen müssen. «Die Staatsanwaltschaft wurde durch die Anklagekammer ermächtigt abzuklären, welche Personen der Psychiatrie St. Gallen Nord allenfalls eine strafrechtliche Verantwortung treffen könnte. Mögliche Delikte sind fahrlässige Tötung und Aussetzungen», sagt Leo-Philippe Menzel, Mediensprecher der Staatsanwaltschaft St.Gallen gegenüber «Blick».

Die Staatsanwaltschaft hat diese zusätzlichen Abklärungen nicht aus eigenem Antrieb an die Hand genommen: Am 3. Dezember 2020 sei eine Strafklage seitens eines Angehörigen des verstorbenen Täters eingereicht worden, so Menzel. Wohin die Abklärungen führen werden, ist noch offen: Die Ermittlungen liefen derzeit. «In einem Folgeschritt würde dann bei der Anklagekammer der Antrag um Ermächtigung zur Eröffnung eines Verfahrens gegen die konkreten Personen gestellt», heisst es von der Staatsanwaltschaft. Weitere Untersuchungen oder Abklärungen gebe es in diesem Fall nicht.

pez, stgallen24 / Linth24