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Kultur
12.10.2021
12.10.2021 11:58 Uhr

Steine zum Schweben bringen

Künstlerin Sibylle Pasche mit einigen ihrer Werke, unweit ihres Meilemer Ateliers.
Künstlerin Sibylle Pasche mit einigen ihrer Werke, unweit ihres Meilemer Ateliers. Bild: Kunstverein Oberer Zürichsee
Sibylle Pasche ist eine international bekannte Bildhauerin. Sie arbeitet mit Marmor, Granit, Travertin und Aluminium. Ihre schweren Steinskulpturen faszinieren und scheinen zu schweben.

Vor rund 15 Jahren fing Sibylle Pasche an, Steine zu bearbeiten – teils in ihrem Atelier ob Meilen, inzwischen auch in Carrara, Italien. Der weisse Marmor von Carrara ist bekannt. «Je weisser umso besser ist die Qualität», führte Pasche während der Atelierbesichtigung durch den Kunstverein Oberer Zürichsee und ihrer 1½-stündigen Präsentation aus. Dazu zeigte sie Bilder von Grossskulpturen für Draussen sowie kleinere Objekte für Drinnen.

Durch ihre Grossprojekte für den öffentlichen Raum wurde sie bekannt. Diese stehen in Miami und New Hampshire/USA, Taipei/Taiwan, Porto Heli/Griechenland, etc. In Taiwan gestaltete sie zusammen mit einem Gartengestalter einen grossen Platz. Ausserdem stellte sie schon in Zürich, Genf, am Bodensee, Mammern, an der Bad RagARTz, in Lugano und Liechtenstein aus.

Noch bis November sind zwei ihrer Figuren vor der evangelischen Kirche in Küsnacht zu sehen. Diese weisen laut Pasche einen keltischen Charakter auf und korrespondieren miteinander. Ihre Objekte sind langlebig, aus schwarzem Granit, Travertin oder Marmor gefertigt und hoch poliert; organisch gerundete Formen, die gut mit der Natur und Umgebung harmonieren. Meist sind sie horizontal gestaltet, neustens aber auch vertikal. Während der Coronazeit wurden verschiedene Projekte, für die sie sich beworben hatte, eingestellt und ihr Arbeitseinsatz blieb unbezahlt.

  • Der Kunstverein Oberer Zürichsee besuchte kürzlich Pasches Atelier ob Meilen. Bild: Kunstverein Oberer Zürichsee
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  • Viele Modelle und kleinere Objekte stehen zum Verkauf. Bild: Kunstverein Oberer Zürichsee
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  • Malerei und genähte Bilder als Entwurf für Arbeiten in Stein. Bild: Kunstverein Oberer Zürichsee
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  • Pasches neuste Arbeit aus Travertin (l.) und Malerei als Entwurf für neue Arbeiten/Ideen. Bild: Kunstverein Oberer Zürichsee
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Wettbewerb und Vorarbeit

Laut Pasche ist der Prozess bis zur Auftragsvergabe sehr aufwendig. Allein die Wettbewerbseingabe kann bis zu einem halben Jahr dauern. Es braucht dafür Pläne, Zeichnungen, Berechnungen von Unterlage, Statik und Transport, Anfertigung eines Modells, Fotomontagen, einen Budgetplan, Objektbeschreibung etc. Sie macht alles in Eigenregie. Die Arbeit am Objekt beginnt erst nachher – mit Trennscheibe und Fräse. Seit sie zwei Kinder hat, arbeitet sie in Carrara mit zwei Assistenten zusammen, die Arbeiten nach ihren Entwürfen übernehmen.

Ihre neusten Werke sind Formen mit Bändern oder Löchern. Travertin eigne sich gut für diese Art Arbeit, da er bereits löchrig ist, so Pasche. Dafür entwarf sie spezielle Werkzeuge zum Ausschaben und Kratzen. Und liess diese anfertigen. Granit besitzt wenig Elastizität, deshalb sind klare Formen und sauberes Arbeiten wichtig. Das Verfahren mit Aluminium ist aufwendig und kompliziert. Die Figuren werden gegossen. Dafür braucht es eine modellierte Form und Negativform. Inspirationsquelle für die Künstlerin sind Prozesse und Motive aus der Natur.

Aber Sibylle Pasche blieb nicht nur bei der Bildhauerei. Sie fertig auch wunderschöne gemalte Bilder und seit zwei Jahren auch genähte dreidimensionale Arbeiten an. Für sie ist es Entspannungsarbeit. Es diene ihr als Entwurf zur Entwicklung von neuen Ideen.

Daneben betreibt sie eine eigene Website und einen Showroom in Meilen für Marketing & Sales. «Vieles spielt sich aber zuhause am Computer ab», erläutert Pasche. Ein gutes Netzwerk sei wichtig mit Kuratoren, Galerien und Museen. Aber die Schweiz sei ein hartes Pflaster.

Pasche erklärte verschiedene Arbeiten anhand von Projektionen und ihre Idee dahinter – unter anderem die waben- und korallenförmigen Steine. Von einem 15 Tonnen schweren Marmorblock verbleiben laut Pasche am Schluss vielleicht 7-8 Tonnen. Der Abfall werde weiter verwertet entweder für kleinere Objekte oder es wird daraus Marmormehl hergestellt. Für die Fertigstellung einer Grossskulptur benötigt sie weitere 6-12 Monate und für den Transport bis vor Ort bis zu fünf Monaten. Für den Auftrag in Coral Forest/USA hat sie ein Jahr gearbeitet.

Sibylle Pasche beeindruckte mit ihrer offenen, kommunikativen Art, ihren tollen Arbeiten/Werken und dem grossen Atelier. Beim Apéro stand sie den Besuchenden noch Red und Antwort.

Antoinette Lüchinger, Kunstverein Oberer Zürichsee