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Amden
26.04.2020
27.04.2020 10:25 Uhr

Amden: Erstmals in päpstlicher Bulle erwähnt

Amden, Blick in Richtung Tal und Walensee.
Ein Ort voller Kontraste zwischen mediterranem Walenseeufer und (vor)alpinen Höhen: Das ist Amden, Ausgangspunkt der namenkundlichen Linth24-Reihe.

Das Gemeindegebiet Amdens nimmt eine Fläche von 43 km² ein – mehr als die Stadt St. Gallen – und steigt vom Walensee-Nordufer (419 m.ü.M.) bis zum Gipfel des Leistchamms (2101 m.ü.M.) an. Die Gemeinde zeichnet sich durch eine bemerkenswerte Vielfalt aus: Während am geschützten Seeufer mediterrane Pflanzen wachsen, trifft man mit zunehmender Höhe auf alpine Landschaften, Waldungen und Hochmoore.

Eine Häuserballung in Amden, im Hintergrund umwaldete Anhöhen.

In Amden leben über 1700 Menschen, mehrheitlich auf dem Ammler Berg, einer Streusiedlung auf einer bevorzugt nebelfreien, südlich ausgerichteten Sonnenterrasse steil über dem See. Lange Zeit spielte die Landwirtschaft (Viehzucht, Sennerei, Ackerbau) eine zentrale Rolle, doch in der jüngeren Vergangenheit hat der Tourismus erheblich an Bedeutung gewonnen.

Ein Dorf, (sehr) auf dem Berg

Namentlich trat Amden erstmals 1178 in Erscheinung, als eine päpstliche Bulle dem damaligen Damenstift Schänis die Besitzungen in Andimo monte «auf dem Berg Amden» bestätigte. Auch andere Urkunden erwähnen Amden oft gemeinsam mit Berg, so 1282 in montibus Andinen «Amden in den Bergen» und 1312 uf dem Berge ze Andmon. Später finden wir (u.a.) Ambden, ab 1466 dann auch jene Schreibweise, die heute amtlich ist: Amden.

Amden ist eine Streusiedlung. Blick zu den schneebedeckten Gipfeln.

Die Deutung des Namens ist unklar; die Anfänge des Dorfs liegen archäologisch im Dunkeln. Vielleicht gelangten einst romanisierte Kelten auf den Ammler Berg und gründeten dort eine Berg-Siedlung, die sie *Andedunum nannten – eine Zusammensetzung aus gallisch ande «sehr» und dunon, latinisiert dunum «Zitadelle, Berg». Beide Bestandteile lassen sich im Namengut oft nachweisen, z.B. im Personennamen Anderoudus «Sehr-Rot» oder in den Ortsnamen Anderitum (Anterrieux, Frankreich), Cambodunum (Kempten ZH u.a.), Lug(u)dunum (Lyon, Frankreich).

See der Welschen

Von Amden führt erst seit 1880/82 eine fahrbare Strasse hinunter ins Tal. Sie durchquert das Quartier Fli am Walensee, das teilweise bereits zu Weesen gehört. Ein Blick von Fli aus lässt erahnen, wie der fjordähnliche Walensee mit den steilen Hängen auf zwei Seiten lange eine Barriere im Landverkehr bildete.

Diese Aussicht eröffnet sich vom Weesner Chapfenberg auf Fli, Weesen und den Walensee.

Im Mittelalter markierte der See zeitweilig die Sprach- und Siedlungsgrenze zwischen Alemannen (Westen) und romanisierten Rätern (Osten). Darauf nimmt auch sein deutscher Name Bezug: Althochdeutsch *Walhosēo, später *Wal(h)ensē, bedeutete entweder «See (im Gebiet) der Welschen» oder «See am Ufer der Welschen», falls das Vorderglied aus dem Ortsnamen *Wal(a)hostad «Ufer der Welschen», Walenstad(t), gekürzt worden war. Die Romanen selbst am Ostufer nannten das heutige Walenstadt schlicht Riva «Ort am Ufer», den See entsprechend lacus Rivanus (rätoromanisch lai Rivaun u.a).

Erläuterungen

*: Eine unbezeugte, aber erschliessbare Form.

Gallisch: Die Sprache der antiken Kelten in weiten Teilen der Schweiz und Frankreichs.

Alemannen: Ein deutschsprachiger Stamm der Germanen.

Althochdeutsch: Die Vorstufe der heutigen deutschen Sprache.

Räter: Einwohner Rätiens, zeitweise römische Provinz.

Ressourcen

ortsnamen.ch: https://www.ortsnamen.ch/

Historisches Lexikon der Schweiz (HLS): https://hls-dhs-dss.ch/

Delamarre, Xavier: Dictionnaire de la langue gauloise. Une approche linguistique du vieux-celtique continental. 2e édition revue et augmentée, Paris 2003: éditions errance.

Greule, Albrecht: Deutsches Gewässernamenbuch. Etymologie der Gewässernamen und der dazugehörigen Gebiets-, Siedlungs- und Flurnamen. Unter Mitarbeit von Sabine Hackl-Rößler, Berlin/Boston 2014: Walter de Gruyter.

Niemeyer, Manfred (Hrsg.): Deutsches Ortsnamenbuch, Berlin/Boston 2012: Walter de Gruyter.

Schneider, Thomas Franz/Pfister, Max: Romanen und ihre (Fremd-)Beziehungen im Mittelalter: Der Schweizer Raum und das angrenzende alemannische Gebiet, in: Pohl, Walter/Hartl, Ingrid/Haubrichs, Wolfgang (Hrsg.): Walchen, Romani und Latini. Variationen einer nachrömischen Gruppenbezeichnung zwischen Britannien und dem Balkan, Wien 2017: Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, S. 127–152.

Stadler, Alois: Zur Geschichte von Amden, in: Sophie und Karl Binding Stiftung (Hrsg.): Veränderungen als Chance für den Wald. Ortsgemeinde Amden. Binding Waldpreis 2006, Basel 2006, S. 20–48.

Stefan Knobel, Linth24