Uznach
25.12.2018

GENUSS MIT DIETIKER: BEIZENKUNDE UZNACH

Vor rund 100 Jahren existierte in Uznach pro 66 Einwohner ein Wirtschaftsbetrieb. Wie sieht es heute punkto Gastronomie aus im «Städtli» und Umgebung?

Eine Sonderausstellung im museUm Uznach dokumentiert die Geschichte und Entwicklung der Uznacher Wirtschaften während der letzten rund 200 Jahre. Seit 2004 befindet sich das museUm Uznach im Bauernhaus «Schubiger», dem heutigen Kunsthof.

Die Ausstellungsmacher dokumentieren etwa 50 Betriebe: Fotos, Bilder, Dokumente, Grusskarten und vieles mehr aus der Vergangenheit der Uznacher Wirtschaften. Den früheren und heutigen Gastwirten, die das Wirtschaftsleben in der Gemeinde seit jeher prägten, wird in der Ausstellung viel Platz eingeräumt.

Als der Gemeinderat Uznach in einer Wirtschaft tagte

Kilian Oberholzer berichtete dazu Überraschendes und Spannendes: Obwohl es in Uznach längst ein Rathaus gab, tagte der Gemeinderat über viele Jahre nicht dort, sondern in einer Wirtschaft. Zeitweise sassen bis zu drei Wirte im Rat. Die Gastwirte waren oft angesehene und einflussreiche Persönlichkeiten. Es lag nahe, bei ihnen die Sitzungen abzuhalten, schon weil es keine andere Möglichkeit gab. Diese Praxis dauerte bis um 1900, als das Rathaus zur Nutzung durch die Behörden umgebaut wurde.

Dass zu den Zeiten, als der Gemeinderat in einer Wirtschaft tagte, das Amtsgeheimnis locker gehandhabt wurde, ist nicht überliefert. Später wurde es dann legendär, dass noch am Abend nach Schluss der Gemeinderatssitzungen in der gegenüberliegenden Wirtschaft «Blume» brühwarm über die Sitzung berichtet wurde. Am nächsten Tag wurde dann das Neueste im «Bahnhof» ausgebreitet.

Von Parteien und sündhaftem Treiben

Einige Gaststätten waren eindeutige Parteilokale. Die «Blume», das «Brüggli» und die «Krone» waren freisinnig; das «Schäfli» und der «Falken» galten als konservativ. Weil die beiden Steiner-Söhne Otto und Adolf erfolgreich Eishockey spielten, war der «Falken» das Clublokal, während sich die Mitglieder der Harmonie bei ihrem Vereinsmitglied Alfred Steiger in der «Rose» trafen. In der «Krone» trafen sich die Männerchorsänger, im «Rössli» die Turner. Die «Sonne» war das Lokal der Fussballer.

An den Marktabenden wurde im «Burg»-Saal, im «Hirschen», in der «Rose», im «Ochsen» und im «Gemsli» zum Tanz aufgespielt. Am Sonntag klagte der Pfarrer auf der Kanzel über das sündhafte Treiben am Vorabend.

Im Saal der «Burg» stand etwa ab 1955 der erste öffentliche Fernseher. Gegen eine Gebühr von 50 Rappen und bei Konsumation – versteht sich – durfte man hier die Fernsehprogramme verfolgen.

Verlängerung

Die Ausstellung «Uznacher Wirtschaften» wird verlängert bis im März und ist jeden ersten Sonntag im Monat geöffnet von 10 bis 12 Uhr (Eintritt frei). Gruppenführungen nach Vereinbarung Tel. 055 280 50 80 oder Tel. 055 280 20 83.

Ein lohnenswerter Besuch, der kombiniert werden kann mit einem gemütlichen Sonntagsbrunch im «The Kunsthof»: Fr. 49.-- à discretion! Kinder bis zum 11. Lebensjahr bezahlen zwei Franken pro Jahr. Da die Plätze limitiert sind, ist eine Tischreservation zu empfehlen (055 286 30 45).

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Hansjörg Dietiker