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Sport
05.06.2021
06.06.2021 16:57 Uhr

«Auf dem Bike sehe ich aus wie ein Christbaum»

Die Rapperswilerin Sandra Stöckli bestreitet seit sieben Jahren Wettkämpfe mir dem Handbike.
Die Rapperswilerin Sandra Stöckli bestreitet seit sieben Jahren Wettkämpfe mir dem Handbike. Bild: zVg
Sandra Stöckli ist eine der erfolgreichsten Schweizer Para-Sportlerinnen. Ihrem grossen Ziel Olympische Spiele in Tokio hat die Rapperswilerin alles andere untergeordnet. Am Sonntag gehts los...

Für Sandra Stöckli ist es ein aufregendes Jahr: Diesen Sonntag fliegt sie nach Portugal an die Weltmeisterschaften im Zeitfahren und Strassenrennen für Handbikes. Höhepunkt ihrer Saison sind die Paralympics in Tokio im August. 

Linth24: Sandra Stöckli, wie sieht Ihr täglicher Trainingsplan momentan aus?

Sandra Stöckli: Letzte Woche haben wir einen sehr intensiven Trainingsblock durchgezogen im Hinblick auf die WM. Dafür war ich ein paar Tage im Leistungszentrum Nottwil und habe dabei mehrere Intervals gemacht – hochintensiv. Jetzt, wo es endlich sommerhaft warm ist, kann ich gut schon am Morgen auf der Strasse trainieren. Derzeit bin ich jeweils morgens und nachmittags für eine Trainingseinheit auf der Strasse. Am Mittwoch und am Freitag bin ich dann nochmals in Nottwil. Dort werde ich am morgen kurz, aber heftig arbeiten. Am Nachmittag folgt dann jeweils noch ein Krafttraining. Und am Samstag heisst es dann, alles Material für den Flug nach Portugal vorzubereiten. 

Mit ihrem Handbike trainiert Sandra Stöckli auch auf öffentlichen Strassen. Bild: zVg

Bekanntlich wurden die Olympischen Spiele ja um ein Jahr verschoben. Bereitete Ihnen das Mühe? 

Als vor gut einem Jahr der Entscheid kam, dass die Spiele verschoben werden, war das für mich ein harter Schlag. Schliesslich war ja alles eingespurt für Olympia, die Vorbereitungen waren am Laufen, die Trainingslager waren geplant und man trainierte mehr als in einem normalen Jahr. Ich brauchte einen Moment, um mich wieder zu fangen. Wobei ich recht schnell motiviert war. Natürlich benötigte es auch ein paar Gespräche mit meinem Team. Schlussendlich muss ich aber sagen, dass mir das Jahr gut getan hat, ich erhielt mehr Zeit und wir haben sehr viel investiert. Wir waren keineswegs im Corona-Schock – im Gegenteil. Ich sagte immer, ich will stärker aus der Krise rauskommen als ich reingegangen bin. Das habe ich geschafft, behaupte ich. 

Sandra Stöckli ist fest entschlossen, an der WM und den Olympischen Spielen alles zu geben. Bild: zVg

Sie wohnen in Rapperswil/Kempraten. Welche Strecke fahren Sie von hier aus am liebsten? 

Es kommt darauf an, was ich gerade auf dem Trainingsprogramm habe. Sehr gerne fahre ich im Zürcher Oberland, weil die Region viele verkehrsarme Wege und Nebenstrassen hat. Das bevorzuge ich natürlich schon: Strecken, wo ich nicht mitten im Verkehr bin. Ja nachdem welches Training ich absolviere, ist die Seestrasse prädestiniert dafür. Sie ist flach und ideal für Geschwindigkeitsfahren. Man muss allerdings schauen, zu welcher Zeit man geht. Daneben fahre ich auch Richtung Ricken, oder im Linthgebiet und im Glarnerland – überall wo ein Velofahrer durchkommt, kann ich auch fahren. 

Für die WM und Olympia müssen Familien und Freunde hintenanstehen. Ist das hart für Sie?

Wenn man solche hohe Ziele hat muss man kompromisslos schaffen und vieles zurückstellen. Das bringt mit sich, dass Familie und Freundeskreis zu kurz kommen. Aber ich kann Ihnen versichern, wenn sie mit dem Schweizer Kreuz auf der Brust auf der Startlinie bei den Olympischen Spielen stehen, entschädigt das für alles. 

Jérôme Stern, Linth24