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Sport
11.05.2021
11.05.2021 08:52 Uhr

Rapperswilerin Sandra Stöckli holt Silber und Bronze

Handbikerin Sandra Stöckli aus Rapperswil-Jona holte sich bei den Rennen in Belgien eine Bronze- und eine Silbermedaille.
Handbikerin Sandra Stöckli aus Rapperswil-Jona holte sich bei den Rennen in Belgien eine Bronze- und eine Silbermedaille. Bild: zVg
Die Schweizer Para-Cycling Athletin Sandra Stöckli stand nach über eineinhalb Jahren wieder an der Startlinie mehrerer Rennen und zeigte, dass sich das Training gelohnt hatte.
  • Erlebnisbericht von Sandra Stöckli

Die letzte Woche war bei mir sehr intensiv. Nachdem am letzten Montag und Dienstag Erholung vom Rennen am Sonntag und Regeneration mit lockerer Bewegung angesagt war, ging es am Mittwoch wieder darum, meine Muskeln zu wecken und langsam wieder in den Rennrhythmus zu bringen. Am Donnerstag war nämlich bereits wieder ein Rennen angesagt mit dem Time Trail über 20 Kilometer am Weltcup in Ostende, gefolgt vom Strassenrennen am vergangenen Samstag.

Donnerstag – Time Trail

Ich fühlte mich am Donnerstagmorgen gut erholt von der Flandern-Rundfahrt und war optimistisch für das anstehende erste Weltcup-Rennen gegen die Uhr nach über eineinhalb Jahren. Nachdem es um den Mittag herum noch regnete, trocknete der Asphalt langsam wieder ab. Wind war ein wenig vorhanden, aber zum Glück nicht mehr so stark wie die Tage zuvor. Da die Sonne allerdings fehlte, war es auch nicht wirklich warm und das Thermometer bewegte sich im einstelligen Bereich.

Feld von hinten aufgerollt

Aufgrund meines Resultates von der Flandern-Rundfahrt (Sandra Stöckli holte dort die Silbermedaille), durfte ich im Zeitfahren so spät starten wie noch nie an einem Zeitfahren im Weltcup. Als Zweitletzte stand ich auf der Startrampe und durfte das Frauenfeld von hinten aufrollen. Voll motiviert und mit dem Ziel möglichst schnell, möglichst viele von meinen Gegnerinnen von hinten ein- und zu überholen, ging ich meine Sache zielstrebig an. Meine Nervosität war sicherlich noch ein wenig höher als sonst. Trotzdem bin ich schnell in den Rhythmus gekommen und ich konnte auf den ersten Metern Fahrt aufnehmen. Auf dem zweimal zu bewältigendem Rundkurs konnte ich kurz nach dem Wendepunkt bei Kilometer 6 die direkt vor mir gestartete Athletin ein- und überholen. Tröpfchenweise überholte ich die eine oder andere vor mir gestartete Athletin. Leider wurde auch ich von der hinter mir startenden, amtierenden holländische Weltmeisterin überholt. Bis ins Ziel verlor ich auf die spätere Siegerin gut 2 Minuten.

Knapp nicht aufs Podest

Dieses Mal hat es mir nicht auf das Podest gereicht, meine Teamkollegin Sandra Graf belegt hinter unserer Weltmeisterin den 2. Platz. Zwischen uns fuhr noch eine Russin hinein und schnappte mir den 3. Platz in der Endabrechnung weg. Sicherlich spürte ich noch den vergangenen Sonntag in den Armen. Hier hatten die zweit und drittplatzierte Fahrerin Vorteile, da die beiden die Flandern-Rundfahrt nicht absolviert haben. Dies soll aber keine Ausrede sein. Ich bin zufrieden mit meinem Rennen und meiner gezeigten Leistung. Da das Zeitfahren fast immer auf derselben Strecke stattfindet, weiss ich, dass ich rund 4 Minuten schneller war als vor zwei Jahren, als hier in Ostende der letzte Weltcup über die Bühne ging. Und das dieses Jahr auf einer zwei Kilometer längeren Strecke. Der Fahrplan stimmt also und dass ich noch ein wenig an den kurzen und intensiven Einheiten arbeiten muss, wusste ich auch schon vor diesem Weltcup-Einsatz.

Ihr Handbike hatte Sandra Stöckli eigentlich extra für die Paralympics Saison 2020 geplant, designet und konstruiert. Bild: zVg

Samstag – Road Race

Am Freitag stand nur eine kurze Ausfahrt auf dem Programm. Ebenfalls zur Regeneration beigetragen haben die Behandlungen unserer Physiotherapeutin, um am Samstag wieder fit und munter an der Startlinie zu stehen. Nachdem am Freitag die Sonne schien und das beste Wetter auf dem Programm stand, war am Samstag genau das Gegenteil der Fall. Das Thermometer zeigte fünf, sechs Grad und es kam noch Regen mit Wind und Böen hinzu. Da war intensives Einfahren und warme Kleidung sehr wichtig. Aufgrund der engen, nassen Strasse auf dem ersten Teil der Strecke, sowie der Tatsache, dass alle Frauenkategorien zur selben Zeit starteten, wurde das Strassenrennen zu Beginn neutralisiert. Nach rund drei Kilometer wurde das Rennen freigegeben. Zu Beginn wurde aber weiterhin «gebummelt» und so ging es mit einer riesigen Gruppe auf die zweite von sechs Runden. Doch plötzlich wurde es schneller und das Tempo wurde zügiger. Endlich sprengte es unsere Gruppe und ich konnte mit der Spitze mitziehen. Bei der oberen Spitzkehre entwischte uns dann allerdings die holländische Weltmeisterin.

Auf den dritten Platz

Nun waren wir noch als Quartett unterwegs, mit meiner Schweizer Teamkollegin Sandra Graf, einer Amerikanerin und einer Tschechin, wobei die beiden Letzteren nicht in meiner Kategorie starteten. Wir harmonierten gut zusammen und nahmen die Verfolgung der Spitzengruppe um unsere Weltmeisterin auf. Ich übernahm in unserer Gruppe ebenfalls Verantwortung und mit einhergehend Führungsarbeit. Doch bei einer Ablöse erfasst uns urplötzlich eine Böe von der rechten Seite und die Tschechin und ich lagen verkeilt und eingeklemmt am Strassenrand im Sand. Leider auf einem Teil der Strecke, auf welchem es keine Zuschauer hatte. Bis ein neutrales Fahrzeug bei uns war und uns aus dem Sand gezogen und uns befreit hatte verging eine gute Minute. Wieder auf der Strasse versuchte ich den Anschluss an meine Teamkollegin wieder herzustellen und mich von hinten nicht einholen zu lassen. Ich kam zwar näher, aber die letzten Kilometer des Rennens bis ins Ziel musste ich allein absolvieren. So reichte es mir als 3. Platzierte in meiner Kategorie aufs Podest. Endlich durfte ich wieder einmal auf das Podest eines Weltcuprennens besteigen. Es war ein unglaublich schönes Gefühl und eine riesige Freude. Besonders emotional war, als die Schweizer Flagge hochgezogen wurde.

Bei den Rennen hatte Sandra Stöckli einige Hindernisse zu bewältigen, doch die Rapperswil-Jonerin setzte sich durch. Bild: zVg

Fazit

Es war eine intensive, aber sehr schöne und erfolgreiche Zeit in Belgien mit drei Rennen, bei welchen ich meine Form unter Beweis stellen konnte. Die Rennen haben mir gezeigt, dass ich in den letzten eineinhalb Jahren meine Zeit gut und richtig investiert habe. Jetzt weiss ich auch, dass ich die Lücke zur absoluten Weltspitze schliessen konnte und ums Podest mitfahren kann. Dies nehme ich nun mit an die kommenden Rennen.

Sandra Stöckli: «Ich werde auch dann wieder angreifen und alles geben, um mein Bike und mich in Szene zu setzen.» Bild: zVg
Linth24/Sandra Stöckli