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Rapperswil-Jona
15.05.2021
15.05.2021 18:50 Uhr

Polenmuseum vom Tisch! Schloss-Umbau verschoben?

Die Polen wollen mit ihrem Museum nicht ins Haus «Zum Pfauen» beim Hauptplatz einziehen. Wie lange sie nun aber im Schloss bleiben, ist ungewiss.
Die Polen wollen mit ihrem Museum nicht ins Haus «Zum Pfauen» beim Hauptplatz einziehen. Wie lange sie nun aber im Schloss bleiben, ist ungewiss. Bild: Linth24
Der geplante Murks ums Polenmuseum im Haus «Zum Pfauen» in Rappis Altstadt ist zu Ende. Zugleich ist der Terminplan vom Schloss-Umbau gefährdet. Von Bruno Hug

Vorneweg: Die Information ist verlässlich und stammt aus dem Innern des Vereins der «Freunde des Polenmuseums»: Die Polen seien nicht bereit, für ein Museum im «Pfauen» eine Markt-Miete zu bezahlen. Damit sei das Polenmuseum dort vom Tisch.
Linth24 zeigt nachfolgend auf, wie sich dieses Polit-Theater der Extraklasse entwickelt hat und warum jetzt der Terminplan zum Schlossumbau akut gefährdet ist.

Schloss ohne Polenmuseum seit 2014

Das Altstadt-Haus «Zum Pfauen», direkt am unteren Hauptplatz gelegen, gehört der «Stiftung Volksheim». Darin sind heute die Ortsbürger eingemietet. Ihnen gehört auch das Schloss, das sie unter Zuhilfenahme der Steuerzahler für 15 Millionen Franken umbauen wollen.

Die Grundlage zum Schloss-Umbau wurde 2014 (!) in der «Schlossvision» gelegt. Darin wurde fixiert: Im neuen Schloss gibt es kein Polenmuseum mehr. Die Polen akzeptierten das und schrieben im November 2014 in einer Medienmitteilung, sie seien «enttäuscht» über das Aus ihres Museums im Schloss.

Mehrfaches Aus für das Polenmuseum

Im November 2015 bestätigten Ortsbürger und Stadt die Schliessung des Polenmuseums anlässlich des Planungskredits für die Schloss-Erneuerung erneut. Dasselbe geschah in einer nächsten Medienmittteilung vom 25. Mai 2016. Und als die Polen weiter um den Verbleib im Schloss zanken wollten, sagte Stadtpräsident Stöckling im Mai 2018 gegenüber Medien entnervt: Am Polenmuseums-Aus im Schloss werde «nicht gerüttelt».

Grosse Pläne vor dem Absturz!

Im August 2019 legten Stadtpräsident Martin Stöckling und Ortsgemeindepräsident Matthias Mächler den Terminplan zum Schloss vor: Bis Oktober 2019: Bewilligung Projektierungskredit. Bis Mai 2020: Einholung Bürger-Zustimmung für den 15-Millionen-Baukredit. Anfang 2021: Start Bauarbeiten. Sommer 2023: Wiedereröffnung Schloss.  

Ende 2020, also 7 Jahre (!) nachdem jedermann wusste, dass es im Schloss kein Polenmuseum mehr gibt, und in Sichtweite des Baustarts (!), schickten die Stadtväter den Polen dann endlich die Kündigung für’s Polenmuseum im Schloss. Und prompt verlangten diese Mieterstreckung (!) – und liessen zur Kündigung sogar noch ein Rechtsgutachten erstellen.

An der Medieninfo zum Schlossumbau im November 2020 waren Stadt- und Ortsgemeindepräsident Martin Stöckling und Matthias Mächler noch guter Dinge. Sie verpassten es jedoch, dem Polenmuseum im Schloss rechtzeitig zu künden. Bild: Linth24

Das «Volksheim»-Haus für die Polen

Nun begannen die Stadt-Verantwortlichen in der sich abzeichnenden Peinlichkeit um eine Lösung des von ihnen verschuldeten Dramas zu ringen. Sie teilten mit, um das Schloss doch noch «termingerecht» umzubauen, werde mit den Polen eine «einvernehmliche Lösung» gesucht.

Wie danach herauskam, bestand diese darin, den Polen die wertvollsten Stockwerke des Hauses «Zum Pfauen» am Hauptplatz zuzuschanzen. Für dessen Umbau inklusive Lifteinbau ins denkmalgeschützte Haus erteilte die Ortsgemeinde dem Architekturbüro «Raumfindung» einen Planungsauftrag.
Dass aber die Ortsgemeinde im ihr nicht gehörenden «Pfauen» keine Planungsaufträge zu erteilen hat, schien die Akteure nicht zu stören. Scheinbar auch die für die «Pfauen»-Stiftung zuständigen Stadträte Tanja Zschokke und Boris Meier nicht.

Polen erneut unterschätzt

Obendrein vergassen die Stadtoberen noch, bevor sie für die «Pfauen»-Planung Geld ausgaben, mit den Polen Klartext zu reden. Und prompt rasselten sie in die nächsten Probleme. Denn als der «Pfauen»-Deal öffentlich wurde, verkündeten die Polen naserümpfend, das Haus sei für sie nicht gerade das Gelbe vom Ei. Sie würden im «Pfauen» deshalb nur einen «symbolischen» Mietpreis» bezahlen – und verlangten dazu erst noch einen langfristigen Mietvertrag.

Linth24 deckt auf

Nun beleuchtete Linth24 das Trauerspiel in mehreren Berichten und zeigte auf, wie steinreich die polnische Museumsstiftung «Libertas» ist. Sie besitzt Liegenschaften im Wert von mindestens 10 Millionen Franken und am Schlossaufstieg ein für ihr Museum ideales Haus.

Das öffentliche Wissen zu solchen Fakten verunmöglichte es den Stadtvätern nun, den Polen, quasi unter der Hand, die Museums-Räume im «Pfauen» zum Billigtarif zu überlassen. Womit ihnen die Polen jetzt die kalte Schulter zeigen und mit ihrem Museum nicht in den «Pfauen» ziehen wollen.

Geht das Debakel weiter?

Offenbar, so der Polen-Museums-Vertreter, verlangen die Polen im Schloss für ihr Museum nun tatsächlich Mieterstreckung. Womit der Schlossumbau auf Eis gelegt werden müsste und die Stadt wieder einmal einen Projektabsturz in ihre Geschichtsbücher aufnehmen könnte.

Man darf gespannt sein, wie sich die Verantwortlichen aus diesem Führungs-«Kunststück» herauszuwinden versuchen. Vielleicht wird den Polen erneut irgendwo, zum Beispiel im Schloss, ein roter Teppich ausgelegt, damit sie von ihrem Mieterstreckungs-Verlangen absehen. Wenn dem so wäre, ginge das Schloss-Theater somit noch in die nächsten Runden.

Bruno Hug, Linth24