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Rapperswil-Jona
28.03.2021
27.03.2021 20:21 Uhr

Polenmuseum: Stadt will Haus verschenken!

Das markante Haus «Zum Pfauen» am Rapperswiler Hauptplatz soll zum Polenmuseum werden. Bild: Linth24
Die Polen wollen sich in ein markantes Altstadthaus der Stadt zu einem «symbolischen Preis» einmieten. Das ist falsch: Sie sind reich und ihr Museum bringt der Stadt nichts. Von Bruno Hug

In Rapperswil-Jona ist ein nächstes Problemprojekt am Laufen: Die Stadt will den Polen Teile das repräsentativen Hauses «zum Pfauen» am Rapperswiler Hauptlatz für ein Polenmuseum zur Verfügung stellen. Das hiesige Architekturbüro «Raumfindung» ist am Planen. Stadtpräsident Martin Stöckling bestätigte der Linth-Zeitung, der «Pfauen» stehe als Polenmuseum «zur Diskussion». Die «Verhandlungen» führe die Ortsgemeinde.

Der Präsident des Polenmuseums, Marek Wieruszewski, forderte gegenüber der «Linth» dreist, die «Bedingung» für das Polenmuseum im «Pfauen» sei eine langfristige Vermietung zu einem symbolischen Preis.

Steuergeld an reiche Polen-Stiftung?

Zum diesem rundum fragwürdigen Plan ist Bürgeraufklärung nötig: Das Verschenken der wertvollen Räume im «Pfauen» wäre reine Geldverschwendung. Denn die das Polenmuseum finanzierende «Polnische Kulturstiftung Libertas Rapperswil» ist reich. Sie besitzt an der Etzelstrasse 7 in Rapperswil einen 12-Familien-Wohnblock auf über 1'600 Quadratmeter Land. Und am Schlossaufstieg gehört ihr der prächtige «Burghof».

Wert der beiden Häuser: Über 7 Millionen Franken. Jährlich Mieteinnahmen: Über eine Viertelmillion. Das sind zwar Schätzungen, doch die sind nötig. Denn «Libertas» veröffentlicht – trotz kultureller Tätigkeit – keine Zahlen.

Reiche Polenstiftung «Libertas»: 12 Familienhaus an der Etzelstrasse 7, Rapperswil Bild: Linth24

«Libertas» zum Steuern sparen

Geheimniskrämerei macht für die Polen Sinn: Wer vom Steuerzahler Geld will, legt sein Vermögen nicht offen. Dieses muss bei «Libertas» – zusätzlich zum Immobilienbesitz – beträchtlich sein. Konnte die Kultur-Stiftung doch vor Jahren, als sie die Zahlen noch offenlegte, einen mysteriösen und riskanten Kredit an einen Privaten in Höhe von 800'000 Franken sprechen. Ob das Geld je zurückkam, ist unbekannt.

Der einzige Hinweis zur geheimnisvollen Stiftung ist auf der Spendenseite der Museums-Homepage zu finden. Dort steht, auf eineinhalb Zeilen, «Libertas» habe die Erhaltung des Polenmuseums zum Ziel. Mehr ist nicht zu erfahren. Ausser noch der Kontonummer der Stiftung mit dem Hinweis: «Das Polenmuseum ist eine Nonprofit-Organisation – alle Spenden sind von der Steuer abziehbar.»

Im Klartext: Die Spenden sind von jener Steuer abziehbar, die den Polen ihr Museum mitfinanzieren soll.

Polen brauchen «Pfauen» nicht

Mit der Polen-Stiftung kommt auch der «Burghof» am Schlossaufstieg ins Spiel. Auch dieses Haus gehört der Stiftung «Libertas» und wäre bestens für ein Polenmuseum geeignet. Denn hier ist heute schon die polnische Bibliothek einquartiert – mit Lesesaal, Sammlungs-Kollektionen usw. Platz für ein Museum hätte es in diesem Haus in Hülle und Fülle. Doch die Polen-Stiftung nimmt hier lieber Mieten ein: Vom Laden «Brit’s Passion», vom City Coiffure, von einem Kosmetikstudio, einer Arzt-, einer Massage-Praxis und fünf möblierten Zimmern.

Damit wird klar: Die Polen brauchen das städtische Haus «zum Pfauen» nicht. Sie können ihr Museum in ihrem «Burghof» verwirklichen. Wenn es für sie ein solches Museum geben muss!

Das poleneigene Haus am Schlossaufstieg wäre ideal für ein Polenmusem – Doch die Polenstiftung kassiert lieber Mieten. Bild: Linth24

Nase-rümpfende Polen

Kommt dazu, dass die Museums-Akteure zum geplanten (und unverständlichen) Geschenk der Stadtväter erst noch die Nase rümpfen. Ihr Präsident, Marek Wieruszewski, sagte der Linth-Zeitung, mit dem Schloss könne man den «Pfauen» nicht vergleichen. Aber «mit etwas Fantasie» lasse sich dort «etwas Gutes machen». Bedingung sei allerdings – wie erwähnt – «eine langfristige Vermietung zu einem symbolischen Preis».

Kommentar von Bruno Hug

Es steht immer ein Dummer auf!

Mein Vater, ein bodenständiger Bauer, sagte ab und zu: «Es steht jeden Tag ein Dummer auf, man muss ihn nur finden bis am Abend.»

Unter diesem Motto ist es den Polen nicht anzukreiden, wenn sie in der hiesigen Stadt-Führung den Dummen finden. Umgekehrt aber dürfte die Bürgerschaft dieser Stadt von derartigen städtischen Aktionen langsam genug haben!

Ortsbürger kriechen zu Kreuz

Letzten Herbst lehnten die Freunde des Polenmuseums an ihrer Vereins-GV eine Zusammenarbeits-Erklärung mit den Schlossbesitzern – der Ortsgemeinde – ab. Die Polen waren mit dem «beratenden Einsitz» im Schlossrat nicht zufrieden (!) und verärgerten damit die Ortsbürger.

Trotzdem kriecht die Ortsbürger-Führung vor den Polen schon wieder zu Kreuz. Wie vor Jahren schon, als zwei Petitionen der Bevölkerung nötig waren, um sie dazu zu bringen, das Schloss endlich zum Wohle der Region nutzbar zu machen.

Polenmuseum bringt nichts

Ausserdem ist bekannt: Städtische Investitionen in ein Polenmuseum laufen ins Leere. Der erfahrene Hotelfachmann und Ex-Präsident von Zürichsee-Tourismus, Urs Hämmerle, sagte im Rahmen der letzten Schloss-Diskussionen, das Polenmuseum bringe der Stadt «nichts». Man habe «jahrelang versucht, mit dem Museum etwas für den Tourismus zu machen. Ohne Erfolg». Alle Bemühungen hätten nie etwas gebracht.

Was mischeln Stadt und Ortsbürger?

Das städtische Haus «Pfauen» am unteren Hauptplatz gehört der durch die Stadt verwaltete Stiftung «Volksheim». Stiftungs-Präsidentin ist (wie beim Porthof) Stadträtin Tanja Zschokke. Die weiteren zwei Stiftungsratsmitglieder: Neu-Stadtrat Boris Meier und Dario Zottele, Abteilungsleiter Liegenschaften bei der Stadt.
Involviert ist auch Stadtpräsident Stöckling. Es sagte der Linth-Zeitung, die Stadt werde «sich einer guten Lösung» mit dem «Pfauen» für die Polen «nicht in den Weg stellen». Die Verhandlungen führe die Ortsgemeinde.

Die Ortsbürger ihrerseits führen aus, sie wollten sich zum Projekt «aufgrund der laufenden Verhandlungen» mit den Polen nicht äussern.

Fragen über Fragen

So fragt man sich, was die Ortsgemeinde, die im «Pfauen» lediglich Mieterin ist, mit den Polen über die von der Stadt verwalteten Liegenschaft zu verhandeln hat? 

Unbekannt ist auch, wie gross das Polenmuseum im «Pfauen» werden soll und wer den Auftrag zur Museumsplanung an das Büro «Raumfindung» erteilt hat. Und wer bezahlt später den «Pfauen»-Umbau inklusive dem geplanten Lift-Einbau usw.? Und wie hoch wäre die «symbolische Miete»? Und warum sollen die Räume im «Pfauen» den Polen verschenkt werden, obwohl sie 150 Meter nebenan an viel besserer Schloss-Lage eine eigene Liegenschaft für ihr Museum besitzen?  

Des Weiteren fragt sich, ob es für dieses schöne städtische Gebäude nicht auch städtische Nutzungen gäbe? 

Linth24 wird diese Fragen an die Stadt stellen und über dieses erstaunliche Geschäft, sobald die Antworten vorliegen, wieder informieren.

Bruno Hug