Rapperswil-Jona
13.02.2020
15.02.2020 09:04 Uhr

Schachen Finanzen: Brisante Aussagen

Die Kritik an der Fremdfinanzierung des Pflegezentrums Schachen prallt beim Stadtpräsidenten ab. Martin Stöckling greift dafür den Kritiker, den ehemaligen RaJoVita Chef, an. Dieser wehrt sich. Linth24 Exklusiv.

Das Schachen-Pflegezentrum ist für die Altersversorgung in Rapperswi-Jona das  Jahrhundertprojekt. Doch in Sachen Finanzierung zeigte der ehemalige RaJoVita Chef bei Linth24 auf, wie sich der Stadtrat verrechnet.

In einer ersten Reaktion schiebt der Stadtpräsident den Schwarzen Peter an den RaJoVita Chef. Der Linth-Zeitung sagte Martin Stöckling, er sei «erstaunt und enttäuscht». Er habe zwar gewusst, dass Künzli die Investorenlösung kritisch sehe», aber an den bisherigen zwei Jurysitzungen habe Künzli «auf keine Weise Fundamentalkritik vorgebracht, sondern sachlich-konstruktiv am Prozess mitgearbeitet».

Stöckling sei davon ausgegangen, dass: «Künzli das geplante Vorgehen des Stadtrats akzeptiert hat und dahinterstehen kann.»

«Ich bin erstaunt und enttäuscht.»
Martin Stöckling, Stadtpräsident Rapperswil-Jona

Offenbar hat er sich auch da verrechnet und auf dem Weg zu dieser Aussage einiges vergessen. Stöcklings Erinnerungslücken füllt Christoph Künzli im folgenden Linth24-Interview.  

So legt Künzli dar, dass errechnet wurde, wie die Stadt den Schachen selber finanzieren kann. Ausserdem habe er selber Stöckling schriftlich auf seine Opposition aufmerksam gemacht.

Noch nicht geklärt ist das Thema Entlassung des RaJoVita Chefs vor drei Wochen. Martin Stöckling ist nicht Mitglied des Gremiums, welches diese entschied. Aber, so schreibt die Linthzeitung, Stöckling sei sich sicher, dass es «keinen Zusammenhang mit dem Projekt Schachen gehabt habe».

Auch da präsentiert Künzli ein valables Argument:

«Das Pflegezentrum Schachen ist DAS momentane Schlüsselprojekt in der Stadt. Natürlich steht es auch im Zusammenhang mit meiner Entlassung. »
Christoph Künzli. ehemaliger Chef der RaJoVita

Linth24 hat Christoph Künzli mit den Aussagen von Stadtpräsident Martin Stöckling konfrontiert. Seine Aussagen lassen wenig Interpretations-Spielraum. Sie werden hier ungekürzt wiedergegeben.

Herr Künzli, was sagen Sie generell zu den Aussagen von Martin Stöckling in der heutigen Linth-Zeitung?
Christoph Künzli: Martin Stöckling hat schon immer gewusst, dass ich gegen die Investorenvariante bin. Übrigens hat auch der Stiftungsrat unter der Leitung von Randolf Hanslin in meiner Amtszeit Martin Stöckling eine Variante schriftlich vorgeschlagen, wie die Stadt die Finanzierung übernehmen könnte, sodass die Immobilien bei der Stadt, bzw. bei RaJoVita verbleiben würden.

Was waren Sie, kritisch und loyal gleichzeitig?
So zu tun, als wäre meine Kritik überraschend, stimmt sicherlich nicht, wenn sogar der Stiftungsrat die Finanzierung durch die Stadt vorgeschlagen hat. Aber wenn ich als Geschäftsführer von RaJoVita tätig bin, muss ich mich den politischen Entscheidungen unterordnen und konstruktiv mitmachen, was ich immer loyal tat.

An meiner Meinung ändert sich hingegen nichts. Aber jetzt kann ich meine Sicht als Stimmbürger offen und frei kundtun. Dabei geht es mir nicht um Martin Stöckling. Es geht mir um die Sache. Ich habe Martin Stöckling auch am 29. Januar 2020 geschrieben, dass ich mich jetzt als einfacher Stimmbürger von Rapperswil-Jona ausserhalb des politischen Systems für die Finanzierungsvariante Rapperswil-Jona einsetzen werde. Die klare Stellungnahme der SP Rapperswil-Jona hat mich deshalb veranlasst, einen unterstützenden öffentlichen Brief zu verfassen. Nochmals, ich habe nichts gegen Martin Stöckling. Es geht mir um die Sache. 

Martins Stöckling sagt, dass er sie nicht in die Jury genommen hätte, wenn er die kritische Haltung gekannt hätte. Wäre eine Jury ohne Teilnahme der RaJoVita überhaupt möglich?
Künzli: Martin Stöckling kannte meine kritische Haltung gegenüber der Investorenvariante immer. Die Stadt ist Besteller der Infrastruktur und bestimmt, wer wo mitmacht. Eine Jury ohne RaJoVita wäre selbstverständlich möglich. Aber in einem solchen Prozess macht es Sinn, wenn man den Betreiber miteinbindet. Es hätte aber auch beispielsweise der Stiftungsratspräsident von RaJoVita oder ein anderes Mitglied des Stiftungsrates anstelle von mir sein können. 

«Martin Stöckling wollte immer die Investorenlösung.»
Christoph Künzli. ehemaliger Chef der RaJoVita

Sie waren kritisch gegenüber der Fremdfinanzierung und habe das Martin Stöckling mitgeteilt. Wie reagierte er darauf?
Martin Stöckling wollte immer die Investorenlösung. Die Kosten sind bis zum heutigen Tag sein Hauptargument. Die Differenz bei den Kosten kann nicht so hoch sein, ob es nun die Stadt oder der Investor finanziert, wenn man es richtig macht. Auch die Stadt würde das Pflegezentrum Schachen wie ein Investor mit einem GU oder TU realisieren.   

Hat Ihre Entlassung bei RaJoVita etwas mit der Finanzierung des Schachens zu tun?
Das Pflegezentrum Schachen ist DAS momentane Schlüsselprojekt in der Stadt. Natürlich steht es auch im Zusammenhang mit meiner Entlassung. 

Die Jury für den Investoren-Wettbewerb. Was auffällt: Bauchef Thoms Furrer fehlt.

Soweit die Aussagen von Christoph Künzli, welche er so schriftlich bestätigt hat.

Martin Stöckling hatte der Linth-Zeitung gesagt, dass er «in Kürze» auf die inhaltliche Kritik von Künzli aber auch der SP antworten würde. Vielleicht ist das schon heute Abend beim Stadtforum der Fall, vielleicht braucht er auch länger dafür.

Mario Aldrovandi, Linth24
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