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Gommiswald
11.03.2021
11.03.2021 10:40 Uhr

«Wir wollten ein Lächeln und Lebensfreude schenken»

Wirtin Ramona Kessler und Veranstalter Silvio Forster nehmen Stellung zum illegalen Frühlingsfest im «Älpli» Gommiswald.
Wirtin Ramona Kessler und Veranstalter Silvio Forster nehmen Stellung zum illegalen Frühlingsfest im «Älpli» Gommiswald. Bild: Linth24
Die illegale Party in Gommiswald ist in aller Munde – der Gemeinderat diskutiert über den Entzug des Wirtepatents. Linth24 hat Wirtin und Veranstalter zum Interview getroffen und ist dabei viel Entschlossenheit begegnet.

Die illegale Party im Restaurant Älpli in Gommiswald vom letzten Wochenende schlägt, hohe Wellen. Nach dem Fest kam es zu Hausdurchsuchungen und Einvernahmen auf der Polizei. Der Gemeinderat Gommiswald ist am Diskutieren, welche Konsequenzen die illegale Party haben wird. Gastgeber Silvio Forster und Wirtin Ramona Kessler erklären im Interview mit Linth24 ihre Sicht der Dinge.

Linth24:  Haben Sie Verständnis für die Diskussionen Ihretwegen im Gemeinderat Gommiswald?

Ramona Kessler: Einerseits schon, es ist zurzeit DAS Thema. Der Gemeinderat macht auch nur seine Arbeit. Ich bin überzeugt, dass ein allfälliger Entzug des Wirtepatents nicht zulässig und anfechtbar ist. Bisher bekam keiner der Gäste die angedrohte Busse.

Wie kam es überhaupt zu dem Anlass? War es eine Geburtstagsfeier, wie man überall liest?

Silvio Forster: Nein, es war eine spontane Entscheidung zu einem Frühlingsfest. Ich wollte den Leuten wieder einmal ein Lächeln und Lebensfreude schenken. Viele werden krank und sterben, wenn man ihnen Freude und Gemeinsamkeiten raubt.

Weshalb haben Sie sich über die geltenden Massnahmen hinweggesetzt?

Ramona Kessler: Ich bin nicht so die Rebellin, aber der letzte Bundesratsentscheid war bei mir der Auslöser, mitzumachen.

Silvio Forster: Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht und gesehen, dass uns das Gesetz Recht gibt. Nach der Bundesverfassung ist Art. 1., 2 und 3 des Epidemiegesetzes nicht durchsetzbar. Dem Bundesrat fehlen die dafür notwenigen Grundlagen.

Wer waren die Gäste?

Silvio Forster: Ich lud ein paar enge Freunde ein. Dann machte die Einladung über verschiedene Kanäle die Runde und innert 24 Stunden hatte ich 92 Anmeldungen. Leute, die Geselligkeit brauchen. Um den Gästen etwas zu bieten, habe ich noch Musik und einen Vortrag organisiert.

Was passierte im Vorfeld, zu Beginn und während der Feier?

Ramona Kessler: Wir informierten alle Nachbarn, niemand hatte etwas einzuwenden. Polizei und Gemeinde riefen mich mehrmals an und drohten mit Konsequenzen.

Silvio Forster: Ein Beamter rief mich im Auftrag seines Vorgesetzen ausserhalb seiner Dienstzeit an, um mich davon abzuhalten. Das ist sehr ungewöhnlich. Als die meisten Gäste schon da waren, kamen die Beamten. Später wurde noch der Verkehr abgeriegelt. Passieren durfte nur, wer nachweislich nicht zu uns wollte.

Haben Sie Sorgen oder Ängste vor Konsequenzen?

Silvio Forster: Nein, ich habe weder Sorgen noch Ängste. Warum hat die Polizei das Fest nicht räumen lassen? Weil wir ihr unsere Rechte schwarz auf weiss vorgelegt haben! Der leitende Beamte sagte in den Medien, eine Räumung wäre unverhältnismässig gewesen. Das ist ein Witz. Bei anderen Treffen ist die Polizei auch nicht zimperlich und verhaftet sogar Betagte.

Ramona Kessler: Mit Busse wurde gleich von Anfang an gedroht. Härtefallgelder sind so eine Sache. Während diesem "speziellen" Jahr habe ich noch nichts fürs Geschäft bekommen. Die Härtefallgelder laufen sehr langsam. Unverhältnismässig war das Verhalten der Polizei am Montagmorgen, als 7 Beamte bei mir eine Hausdurchsuchung machten und auch Sachen mitnahmen, die gar nichts mit dem Fest zu tun haben. Das Geld für Gutscheine vom letzten Jahr zum Beispiel.

Das Ganze hat einen rechten Medienrummel ausgelöst. Wie gehen Sie damit um?

Silvio Forster: Wir waren offen und transparent. Die Lokalpresse war fair, andere Medien machen Drama. Auf bittel.tv nahmen wir persönlich und live Stellung. Leider wurde teilweise nur das in den Nachrichten gebracht, was für die Medien am besten war. Zum Beispiel ein Interview auf 3 Minuten gekürzt zugunsten der Polizei. Schade. Darum weiss ich, das da etwas ganz ganz faul ist an der ganzen Sache.

Bereuen Sie etwas?

Silvio Forster: Nachdem ich jetzt die Gesetze und meine Rechte kenne, würde ich das jederzeit wieder machen. Ich musste lediglich für eine Aussage auf den Polizeiposten Schmerikon. Meine persönliche Erkenntnis aus dem Ganzen: Wissen vertreibt Angst und Wissen bringt Wahrheit! Das sollten alle Bürger kennen. Nach diesem grossen Skandal wie Medien und Polizei berichteten, haben diese gar nichts in der Hand. Ausser meinem Privat-Natel und einer Gästeliste.

Damit sind Sie nicht einverstanden.

Silvio Forster: Nein, ich glaube, sie haben sich selbst strafbar gemacht, wenn sie mein Natel eingepackt haben. Das ganze Spiel wird nicht einfach für die Staatanwaltschaft. Ich denke, wir werden nicht mal bis zum Richter kommen, sondern schon vorher freigesprochen. Da gibt es zu viele Lücken im System. Mein Anliegen wäre noch, dass sich Polizei besser schulen lassen sollte: Ist ja schlimm, wenn der Bürger die Polizei belehren muss auf Platz, und diese dann ohne eine einzige Busse geschweige denn einer Anzeige abzottelt. Die Behörden kennen die eigenen Gesetze nicht!

Wie sehen Sie Ihre Zukunft im «Älpli»?

Ramona Kessler: Ich werde sicher Gäste haben, die nicht mehr kommen oder eine andere Meinung haben. Es gibt aber viele andere und neue Gäste, die hinter mir stehen.

Was machen Sie, wenn Ihnen das Wirtepatent entzogen wird?

Ramona Kessler: Dann muss ich meine Zukunft anders planen.

Markus Arnitz, freier Mitarbeiter Linth24