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12.01.2020
12.01.2020 21:52 Uhr

Fragwürdige 5G-Antennen Praxis

Sozusagen über Nacht wurden im See-Gaster 18 Mobilfunkmasten klammheimlich ohne ordentliches Bauverfahren hochgerüstet. Die Recherchen von Ivo Kuster (SP) aus Eschenbach veröffentlicht Linth24 als Gastbeitrag.

So geht ein Bewilligungs-Powerplay, wenn’s um ganz viel Geld geht.  In Eschi alleine deren sechs Antennen, die ohne Baubweilligungsverfahren aufgerüstet wurden. D.h. Niemand hat was gehört bzw. hat was davon mitbekommen können.

Keine Einsprachemöglichkeit, keine Publikation, keine Information an die Bevölkerung. Mindestens drei dieser Anlagen in Eschenbach stehen ausserhalb Bauzone. Zudem eine in Jona am Meienbergweg in der Landwirtschaftszone auf dem Land der Wasserversorgung RJ und eine in Gommiswald hinter der Deponie Steigriemen an der Grenze zu Uznach. Sprich: In Zonen wo nicht die Gemeinde ein Baugesuch zu beurteilen hat, sondern immer das Kantonale Amt für Raumentwicklung (AREG) beigezogen werden muss. 

Das AREG kennt eigentlich keine Bagatellverfahren – auf jedes Baugesuch erfolgt ein Verfahren in welchem Anstösser und Umweltverbände partizipieren können.  Dazu müsste jedoch die Standortgemeinde das AREG auch benachrichtigen. Im Fall von der Antenne im Eggwald kann ich beweisen das dies nie erfolgte: Mir gehört der Wald 15m neben der Antenne. Zwar wurde im 2018 eine Antennengesuch für eine 4G Modifikation angezeigt- jedoch nie eine 5G Anlage. Am 4.November habe ich auf der Bauverwaltung ein Rechtsbegehren eingereicht (Hier). Da ich keine Antwort erhielt, doppelte ich an der Bürgerversammlung nach und bat um eine Reaktion bis Ende Jahr (Hier). Bis heute gab es keine Reaktion.

In Jona, Gommiswald, Benken und Kaltbrunn wurde auch hoch gerüstet

Auf der Karte des Bundesamt für Kommunikation (BAKOM) sind nahezu alle Antennen aufgeschaltet und werden meist im Monatsrhythmus aktualisiert.  In Rapperswil Jona stehen diverse sogar auf Liegenschaften von Gemeindewerken. In St. Gallenkappel verdient die kath. Kirche eine bis zu fünfstellige Summe pro Jahr mit – ausgerechnet im Ort der Stille. Vielleicht ist dies auch der Grund, weshalb sie dazu schweigt. 

Einzig in Schmerikon und Uznach gibt es in unserer Region derzeit noch keine 5G Antennen.  Vielleicht, weil man dort Gesuche öffentlich auflegt oder jene ausserhalb Bauzone immer gleich ans AREG sendet, statt sich selber die Finger zu verbrennen.

«Die Strategie alte 3G Antennen nun zu modifizieren und als “Pseudo 5G” (5G-wide) zu betreiben, hat zwei Ziele: Der Bevölkerung wird verschleiert, wo und wann wirklich alsdann 5G mit den adaptiven Antennen verbaut wird oder bereits wurde. Die Kunden werden ein teures 5G Abo kaufen, obwohl es gar kein echtes 5G Netz gibt.»
Ivo Kuster, Kritischer Bürger aus Eschenbach

Geld für Grundbesitzer – Angst und Immissionen für Mieter und Anwohner

Antennenstandorte sind immer auch eine Klassenfrage. Schliesslich stehen ja beinahe nie Antennen dort, wo auch die Grundbesitzer des Standorts wohnen. Wenn doch, dann nur da, wo z.B. ein Landwirt auf solche zusätzliche Einnahmen angewiesen ist. in 99% der Fälle trifft es aber immer Mieter oder Nachbarn. Besonders beispielhafte Standorte habe ich im Oktober verbloggt, als ich per Zufall feststellte, dass die JMS mutmasslich genau mit dieser Strategie bis zu 100’000 CHF pro Jahr einnimmt. Kein Firmenstandort ohne Antenne. An ihrem Hauptsitz in Schmerikon strahlt ein 4G Antenne mitten in die Wohnblocks und wurde zudem auch noch so platziert, dass sie möglichst weit weg von der eigenen Teppichetage steht. Auch mit dem Baugesuch im Ziegelhof ist dies so.  An die Hecke des Nachbarn geplant, dafür in maximaler Distanz zu den eigenen Gebäuden. Wer will schon so eine Antenne neben der eigenen Wohnung… 54% wollen keinen Ausbau des 5G Netzes

Beeindruckende Einspracheperimeter – nur kann niemand einsprechen

Diese Karte zeigt den Einspracheperimeter der Antenne im Eggwald. Dies ist doch eingermassen beeindruckend. Zum Vergleich: Bei “normalen” Bauten ist eine Einspracheberechtigung bis 30m gegeben. Bei dieser Antenne sind es gewaltige 2017m – d.h. Der Curtiberg in Wagen wie auch Waldner und Rütnerinnen hätten einsprechen dürfen. Doch das ganze wurde kurzerhand stillschweigend von der Bauverwaltung Eschenbach durchgewunken.

5G-fast” oder “Fake 5G” – die Spiele der Mobilfunklobby

Überall wo es Publikationen von Antennengesuchen gab, erwachte  Widerstand. Das ist verständlich. Keiner will so eine Sendekeule in der Nähe abbekommen.  (siehe Bild) Entsprechen hat insbesondere die Marktführerin Swisscom einen besonders kreativen Ansatz entwickelt.

“In der Schweiz stehen gut 19‘100 Mobilfunkanlagen (für 2G, 3G, 4G), davon wurden bisher ca. 450 Anlagen mit adaptiven 5G-Antennen ausgestattet. Auf der Funksenderkarte des BAKOM sind jedoch deutlich mehr grüne 5G-Punkte zu erkennen. Bei 5G handelt es sich in erster Linie um eine spezielle Kodierung, die nur 5G-Handys dekodieren können. Dieses kodierte Signal kann sowohl über adaptive 5G-Antennen als auch über «3G-Antennen» versendet werden. Die meisten grünen Punkte auf der Funksenderkarte bezeichnen also ehemalige 3G-Antennen, welche im Frequenzband von 2100 MHz senden. Die Swisscom nennt diese Antennen «5G-wide».

Mobilfunk-Nutzer könnten fälschlicherweise davon ausgehen, dass sie nun eine schnelle adaptive Antenne in Ihrer Nachbarschaft haben und sich ein 5G-fähiges Handy mit Swisscom-Abo anschaffen. Fragt der Kunde bei Swisscom nach, wird ihm empfohlen, vorläufig kein 5G-Handy kaufen. Der Techexperte des SRF im 10 vor 10 im Test vom 30.12.19 stellte auch schnell fest, warum das keinen Sinn macht:  Die Verbindung ist völlig instabil.

Die heutigen 5G-fähigen Handys könnten laut Swisscom das 5G-fast- und 5G-wide-Signal noch nicht dekodieren. Das heisst, dass auch später, wenn 5G-Handys beide Signale dekodieren können, nur gut ein Prozent der Bevölkerung von 5G profitieren können würden. Übrigens gibt es auch erst drei Geräte die 5G nutzen können. Nicht mal das neuste und teuerste  iPhone kann 5G nutzen.

Es gilt zu bedenken, dass in der Schweiz gerademal 2.3% aller Mobilfunkantennen in Realität auf adaptive 5G-Antennen umgerüstet wurden. Aber da die Reichweite dieser Antennen minimal ist, kann nur ca. 1% der Bevölkerung von einer schnelleren Verbindung profitieren. “(Quelle dieses Absatzes: Medienmitteilung vom 13.12.19;  Verein Schutz vor Strahlung)

Lösungsvorschlag

Mein Lösungsvorschlag ist ganz simpel: Wie die Kantone UR, SZ, OW, NW, GE, JU, VD schlage ich eine Sistierung aller Gesuche vor und die Dokumentationen und Anlagen zu überprüfen. Stimmen diese nicht überein oder wurden Verfahrensfehler begangen, ist eine vorläufige Abschaltung konsequent.  Schliesslich gibt es schlicht noch keinen Bedarf und nachweislich noch zu viele offene Fragen.

Ich habe nichts gegen 5G und neue Technik. Vielleicht könnte man die Strahlenbelastung mit dieser Technik alsdann senken – dieser Tatbeweis muss aber zuerst technisch messbar erbracht werden.

Es gibt dutzende Vorstösse und unbeantwortete Fragen in kantonalen Parlamenten und in Bern. Nach wie vor sind die  Immissionen der neuen adaptiven Antenne noch garnicht messbar- Der Bund stellte die Messmethodik auf Ende 2019 in Aussicht. Die neuen Antennen sind ganz anders als die bisherigen. Zu Weihnachten gab er zu: Es könnte noch eine ganze Weile dauern, bis man die Handhabe und Messung der neuen Antennen entwickelt habe – einen Termin konnte man seitens BAKOM nicht mal nennen.

Aus oben genannten Gründen  Habe ich hierbei ein ungutes Gefühl. Oder wie es  CH-Media treffend titelte: Beamte warten auf Beamte. Im Blindflug gefügig den Ausbauten der Netzbetreiber stumm zu zuschauen ist schlicht naiv! Es geht um Milliarden- da ist eine allfällige Gesundheitsgefährdung egal. Diese schliesst das Bakom im übrigen auch  nicht aus. 

Jede Antenne die für Salt, Sunrise und Swisscom unter dem Radar der Öffentlichen Wahrnehmung durchflutscht ist bares Geld. Deshalb wollen sie auch an den Grenzwerten schrauben: Dann flutschen noch mehr innerhalb der Grenzwerte durch. Auch wenn wir damit schon bald die höchsten Grenzwerte für NIS Strahlung der Welt hätten. Unten ist ersichtlich wie unmöglich man seitens BAKOM die 5G Einführung sieht, wenn man die Strahlenbelastung bei 4-6V/m belässt…

Ivo Kuster, Eschenbach