Kaltbrunn
29.11.2019
29.11.2019 08:11 Uhr

Kalte Wahl in Kaltbrunn

Seit dem Tod von Markus Schwizer hat Kaltbrunn keinen Gemeindepräsidenten. Heute Freitag endet die Bewerbungsfrist für die Nachfolge. Es war ein Verfahren abseits der Öffentlichkeit. Linth24 Exklusiv.

Kaltbrunn hat 4'800 Einwohner. Im letzten Jahr betrug das Gemeinde-Budget 34 Millionen Franken. Die Verantwortung für Kaltbrunn ist also gross. Markus Schwizer erhielt dafür als Gemeindepräsident 195'461 Franken Jahreslohn.

Geringe Anforderungen

Angesichts der grossen Verantwortung und des beachtlichen Lohnes erstaunt, wie wenig von einem Kandidaten oder einer Kandidatin verlangt wird. Linth24 hat bei der Gemeindekanzlei Kaltbrunn das «Anforderungsprofil» für diese Stelle angefordert und erhielt ein Dokument mit dem Titel «Ersatzwahl Gemeindepräsident – Rahmenbedingungen».

191128_Wahl-Gemeindepräsident-Kaltbrunn-Rahmenbedingungen

Unter Anforderungen steht lediglich: Qualifizierte Ausbildung, Berufserfahrung in leitender Stellung, Kenntnisse im Verwaltungswesen und Recht plus die heute üblichen Fähigkeiten im mündlichen und schriftlichen Bereich.

Die Parteien suchten

Ende September lud die Gemeindekanzlei die Vertreter aller lokalen Parteien ein. Gemeindeschreiber Thomas Wey informierte über die gesetzlichen Vorgaben, die Anforderungen und den Terminplan. Am Tisch sassen Vertreter der CVP, FDP, SVP, SP und der Grünen. Man sei sich einig gewesen, dass es jemand aus dem Dorf sein müsse und jede Partei habe dann in ihren Reihen gesucht. Als die CVP eine Kandidatin hatte, «haben wir das den anderen Parteien mitgeteilt», schreibt CVP-Präsident Marcel  Hofstetter Linth24.

Es gibt eine Kandidatin

Am 7.November gab das CVP-Mitglied Daniela Brunner bekannt, dass sie Gemeindepräsidentin von Kaltbrunn werden möchte. Sie wurde vor zwei Tagen von ihrer Partei nominiert. Das geschah abseits der Öffentlichkeit. Bisher liegt nur ihr Bewerbungsdossier bei der Gemeindekanzlei.

Daniela Brunner ist Präsidentin der Ortsgemeinde und erst seit drei Jahren Gemeinderätin in Kaltbrunn. Sie ist zuständig für Bildung, Gesundheit und Soziale Wohlfahrt. Bis sie gewählt wurde, musste sie drei Anläufe machen. Im April 2016 scheiterte sie zweimal bei der Ersatzwahl und wurde erst im Herbst 2016 Gemeinderätin.

Ausgebildet ist Brunner als «Medienmanagerin HFP». Das ist eine berufsbegleitende Ausbildung, die 1 ½ Jahren dauert. Sie arbeitet gemäss ihrem XING-Profil Teilzeit als Beraterin bei Erni Druck und Media AG. Damit erfüllt sie kaum die Bedingungen des an sich schon schmalen Anforderungsprofils.

Daniela Brunner, kandidiert als Gemeindepräsidentin in Kaltbrunn.

Es gibt nur eine Kandidatin

Wenn bis diesen Freitag, 29. November, 16:30 Uhr nicht weitere Dossiers bei der Gemeindekanzlei eintreffen, wird Daniela Brunner die einzige Kandidatin sein, die auf dem Wahlzettel aufgeführt wird. Entsprechende Dossiers müssten bei der Kanzlei selber abgegeben werden, ein Poststempel würde nicht genügen. Ausserdem braucht es 15 Unterschriften von Gemeindeinwohnern.

Der CVP-Präsident schreibt Linth24: «Mehrere Kandidatinnen oder Kandidaten wären begrüssenswert, damit die Bevölkerung auch eine Wahl hat, aber auch um einer Person nicht das Gefühl zu geben, mangels Alternativen gewählt zu sein.»

Möglich wäre es, dass auch nach dem Abgabetermin ein «wilder Kandidat» auftaucht. Die Chancen wären allerdings höher, wenn sich Bewerber rechtzeitig melden.

Mario Aldrovandi, Linth24