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Kaltbrunn
31.08.2019
31.08.2019 15:52 Uhr

Abdankungsfeier für Markus Schwizer

Wer keinen Platz in der Kirche hatte, konnte draussen Markus Schwizer gedenken.
Am Samstagmorgen wurde der vor einer Woche überraschend verstorbene Gemeindepräsident von Kaltbrunn mit einer Messe gewürdigt. Eine Reportage.

Um 9:15 Uhr treffen sich die Angehörigen in der ersten Reihe der Pfarr-Kirche. Es sind mehrere Generationen. Lange Umarmungen.

Zur selben Zeit kommen Fahnenträger vom Turnverein Kaltbrunn, der Musik «Eintracht», dem lokalen Schwingerverband. Sie werden später der Urne mit den sterblichen Überresten von Markus Schwizer den letzten Fahnengruss erweisen.

Die Urne ist vor dem Altar aufgestellt. Sie ist aus Holz, hat die Form eines Tannenzapfens. Die Angehörigen bitten darum, dass die Urne aber auch sie selber nicht fotografiert werden.

40 ;Minuten vor Messebeginn strömten die Trauernden in die Kirche.

Die Messe ist auf zehn Uhr angesagt. Draussen sammeln sich mehrere hundert Personen. Um halb Zehn gibt es keinen freien Platz mehr in der Kirche. Auch die Treppe zur gesperrten Empore ist belegt.

«Herr erbarme Dich» schallt das Echo aus dem Kirchenschiff als Antwort auf die Worte von Pfarrer Lukas Hibder.

Die Gemeindepräsidenten des Linthgebiets im dezenten Schwarz oder Grau besetzen eine ganze Bank. Der Turnverein, auch er besonders verbunden mit Markus Schwizer, kommt mit knallig hellblauen T-Shirts und nimmt vier Bankreihen in Beschlag. Die Trauerton-Garderobe gibt es in der Kirche, aber die Mehrheit der Menschen trägt Alltagskleidung, hie und da sieht man ein schönes Sennen- oder Älplerhemd.

Wer keinen Platz in der Kirche findet, begleitet die Feier von draussen. Die Gemeinde hatte auf dem Rasen beim Friedhof viele Stühle und eine Lautsprecheranlage aufstellen lassen.

Stühle, Lautsprecher und Sonne draussen vor der Kirche.

Für die Organisation der ungeplanten Trauerfeier blieb wenig Zeit, doch es wurde an alles gedacht. Die lokale Feuerwehr sperrte eine grosse Wiese als Parkplatz – der allerdings nicht benötigt wurde. Die Sanität ist da, Wasser steht bereit, ein Rollstuhl, ein Saniposten. Ausser dem Wasser, wird auch das nicht benötigt.

Um zehn vor Zehn beginnen die Glocke zu läuten. Zehn Minuten lang. Ununterbrochen.

Eröffnet wird die Abdankungsfeier mit einem Plüsch-Lied, Refrain: «Truurig, dass Du hesch müese gah». In den nächsten 90 Minuten ist die Messe eine Mischung aus traditionell-katholisch und modern-emotional.

Die Kaltbrunner Pfarreibeauftragte Beate Kaschel begrüsst. Ein Pfarrer oder Pfarrerin hat die Gemeinde nicht mehr. Der letzte mit diesem Titel war Lukas Hibder. Während seiner zehnjährigen Tätigkeit wurden er und Schwizer Freunde. Heute wirkt er in Appenzell, aber für diese Messe kam er extra an die Linth: «Für uns ist dieser August ein anderer geworden», sagt er am Anfang. Seinen Freund beschreibt er als jemanden, der stark mit der Natur und der Gemeinschaft verbunden war.

Ein kräftiges «Halleluja» erklang zum Abschluss der Messe.

Für einen kollektiven Schmunzler sorgt Hibder mit der Erinnerung: «Wo gibt es noch eine Gemeinde, wo der Gemeindepräsident und der Pfarrer zusammen Blutwürste machen?». Ansonsten übernimmt er den sehr katholischen Part, ruft den heilligen Vater, den Sohn, den Heilligen Geist, die Apostel, die heillig Gesprochenen, den Bischof von St.Gallen und den Papst an.

Die Kinder von Markus Schwizer zeigen Bilder aus der gemeinsamen Zeit.

Zu Tränen gerührt wird die Trauergemeinde durch die Kinder von Markus Schwizer. Sie lesen einen von ihnen verfassten Brief vor und zeigen Dias aus der gemeinsam verlebten Zeit. Ausschnitte: «Papi, Du bisch bi de Schutzängel. Papi, Du bisch unser Vorbild gsi. Danke für Alles.»

Gemeinderat Ruedi Gmür bei seinen emotionalen Abschiedsworten.

Ebenfalls sehr emotional wird der Auftritt von Gemeinderat Ruedi Gmür. Er sagt «stellvertretend für den Gemeinderat, die Gemeindemitarbeiter und die Bewohner» ein paar Worte. Das fällt ihm sichtlich schwer. Immer wieder muss er eine Pause machen. «Er war ein Vorbild für uns alle. Für uns ist ein starkes Band gerissen. Seine Schaffenskraft und sein Einsatz für Kaltbrunn und das Linthgebiet waren beeindruckend. In diesem Amt muss man Menschen mögen und das tat er. Wir danken ihm von ganzem Herzen. Adieu, lieber Markus.»

Gedenkstätte draussen mit Kränzen, Foto und Weihwasser.

Draussen wird es warm und wärmer und im Kircheninnern ist die Luft mit Weihrauch geschwängert. Um halb Zwölf geht die Messe zu Ende. Die meisten verabschieden sich persönlich von Markus Schwizer, in dem sie einen Moment vor seinem Porträt stehen und dann schweigend weggehen.

Die Beisetzung der Urne findet im engsten Familienkreis statt.

Mario Aldrovandi, Linth24