Uznach
13.09.2019
13.09.2019 20:26 Uhr

Kahlschlag beim Pflegezentrum Linth

Das Pflegezentrum Linthgebiet in Uznach schliesst eine von drei Abteilungen, reduziert das Angebot von 70 auf 40 Betten und baut das Personal von 100 auf 70 Stellen ab.

Ende November des letzten Jahres hatte Linth24 auf die Krise im Pflegzentrum Linth aufmerksam gemacht. Damals ging es um eine Führungsperson, deren Verhalten zur fluchtartigen Kündigung von fast der Hälfte der 100 Mitarbeitenden führte. Bereits ein paar Wochen zuvor hatte der Verwaltungsrat den Leiter des Pflegezentrums entlassen.

Versprochen wurde damals eine fundamentale Untersuchung der Situation. Die Ergebnisse dieser Analyse wurden gestern den Mitarbeitenden und heute den Klienten bekannt gegeben. Die beschlossenen Veränderungen sind fundamental: Das alte Pflegezentrum Linth wird es nicht mehr geben.

Der Verwaltungsrat des Pflegezentrums Linth veröffentlichte heute den folgenden Text.

Das Pflegezentrum Linthgebiet plant die Schliessung einer Bettenstation

Das Pflegezentrum Linthgebiet befindet sich in einer betriebswirtschaftlich schwierigen Situation. Wie bereits 2018 zeichnet sich auch für das laufende Jahr ein deutliches Defizit ab. Trotz dieser Ausgangslage glaubt der Verwaltungsrat an die Zukunft der Institution. Zur Stabilisierung des Betriebs erachtet er die Schliessung eine der drei Bettenstationen bis Ende 2020 als unvermeidlich. Damit ist auch ein Stellenabbau verbunden. Das Konsultations­­verfahren wurde eingeleitet und eine Zusammenarbeit mit den Sozialpartnern wird angestrebt.

Das Pflegezentrum Linthgebiet hatte im Jahr 2018 einen Verlust von 600'000 Franken zu verzeichnen. Für das Jahr 2019 zeichnet sich nun ein Defizit von rund 900'000 Franken ab. Vor diesem Hintergrund hat der Verwaltungsrat Massnahmen geprüft, um die Betriebskosten schnellstmöglich zu senken, den Betrieb zu stabilisieren und den Fortbestand des Pflegezentrums langfristig zu sichern. Er beabsichtigt, bis Ende 2020 eine der drei Bettenstationen zu schliessen und die Zahl der Betten von heute 70 auf künftig rund 40 Betten zu reduzieren.

Die Reorganisation hat auch Auswirkungen auf den zukünftigen Personalbestand. Von den rund 100 Arbeitsplätzen bleiben voraussichtlich rund 70 erhalten. Der Stellenabbau soll schrittweise und so weit wie möglich über die natürliche Fluktuation und über ordentliche Pensionierungen erreicht werden. Sämtliche Lernenden werden ihre Ausbildung in jedem Fall vereinbarungsgemäss abschliessen können.

Die Mitarbeitenden des Pflegezentrums Linthgebiet wurden am 12. September im Rahmen einer Mitarbeiterversammlung und in Anwesenheit der Sozialpartner (Gewerkschaft und Berufsverband) persönlich über die Situation in Kenntnis gesetzt. Mit dieser Information wurde das Konsultationsverfahren eingeleitet. Damit wird den Mitarbeitenden die Möglich­keit gegeben, Vorschläge zu unterbreiten, wie der Stellenabbau so sozialverträglich wie möglich gestaltet oder gegebenenfalls minimiert werden kann. Der Verwaltungsrat strebt an, noch während des laufenden Konsultationsverfahren aktiv das Gespräch mit den Sozialpartnern zu suchen.

Die Bewohnerinnen und Bewohner sowie deren Angehörige wurden am 13. September soweit möglich persönlich und in jedem Fall schriftlich informiert. Mit besonderer Rücksicht­nahme auf die Bewohnerinnen und Bewohner ist vorgesehen, Umplatzierungen so weit wie möglich zu vermeiden.

Begründung der instabilen Situation
Die finanzielle Entwicklung ist in erster Linie auf die unbefriedigende Auslastung im Bereich der Langzeitpflege zurückzuführen. In den letzten Jahren hat sich die Heimlandschaft in der Region Zürichsee-Linth grundlegend verändert. Die Alters- und Pflegeheime in den umliegenden Gemeinden haben beträchtliche Mittel in den Ausbau der Infrastruktur und in die Spezialisierung ihres Leistungsangebots investiert.

Viele Institutionen haben den Wandel vom klassischen Altersheim zum Pflegeheim voll­zogen, wodurch das Pflegezentrum Linthgebiet sein früheres Alleinstellungsmerkmal – die Langzeitpflege – verloren hat. Das Pflegezentrum steht nun im Wettbewerb zu den Heimen der eigenen Trägergemeinden und weist hierbei Nachteile auf, da das Erscheinungsbild und die zahlreichen Zweibettzimmer nicht mehr den heutigen Bedürfnissen entsprechen. Im Vergleich zu anderen Pflegeinstitutionen fallen ausserdem die vielen Ein- und Austritte von Patienten ins Gewicht. Diese hängen mit  der Kurzzeitpflege im Anschluss an den Aufenthalt im benachbarten Spital Linth zusammen. Gegenüber der Langzeitpflege bedeuten diese Kurzaufenthalte einen deutlichen Mehraufwand.

Mittel- bis langfristige Neuausrichtung
Trotz der gegebenen Herausforderungen glaubt der Verwaltungsrat an die Zukunft des Pflegezentrums Linthgebiet. Deshalb hat er 2018 mit professioneller Unterstützung von externen Fachleuten einen Strategieprozess für die mittel- bis langfristige Neuausrichtung des Pflegezentrums gestartet. Der Verwaltungsrat möchte das Pflegezentrum Linthgebiet in Zukunft als Kompetenzzentrum für besonders schwere Pflegefälle ergänzt um Angebote der Akut- und Übergangspflege, allenfalls Palliative Care und Gerontopyschiatrie profilieren und mit diesen Spezialisierungen das Angebot in den Pflegezentren der umliegenden Gemeinden ergänzen.

Diese Neuausrichtung setzt aber in erster Linie die Stabilisierung des Betriebs voraus, das heisst, eine solide finanzielle Grundlage. Der Verwaltungsrat ist überzeugt, dass es mit den nun eingeleiteten Massnahmen gelingt, einerseits den Fortbestand des Pflegezentrums zu sichern und andererseits eine solide Basis für die geplante Neuausrichtung zu schaffen.

Pflegezentrum Linth: Über uns

Das Pflegezentrum Linthgebiet in Uznach verfügt aktuell über rund 70 Pflegeplätze und beschäftigt knapp 100 Mitarbeitende.

Träger des Zweckverbandes sind die Gemeinden Benken, Eschenbach, Gommiswald, Kaltbrunn, Rapperswil-Jona, Schmerikon und Uznach.

Das Pflegezentrum wurde 1972 als regionales Pflegeheim eröffnet. Es befindet sich in den Räumlichkeiten des alten Uznacher Spitals und in unmittelbarer Nachbarschaft des heutigen Regionalspitals Linth.

Von 2005 bis 2007 wurde das über 100-jährige Gebäude unter Berücksichtigung strenger denkmalpflegerischer Auflagen letztmals saniert.

Félix Brunschwiler, VR-Präsident des Pflegzentrums Linth

Interview mit dem VR-Präsidenten

Félix Brunschwiler, Präsident des Verwaltungsrates für das Pflegezentrum Linthgebiet verteidigt die beschlossenen Massnahmen. Das ganze Interview: https://linth24.ch/articles/2663-felix-brunschwiler-verteidigt-kahlschlag

Linh24 / OM
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