Linthgebiet
13.09.2019
13.09.2019 20:28 Uhr

Félix Brunschwiler verteidigt Kahlschlag

Félix Brunschwiler, VR-Präsident des Pflegzentrums Linth
Das Pflegezentrum Linthgebiet wird von sieben Gemeinden des Linthgebiets geführt. Präsident des Verbandes ist Félix Brunschwiler, Gemeindepräsident von Schmerikon.

Herr Brunschwiler als Präsident des Zweckverbandes sind Sie für das Funktionieren des Pflegezentrums Linthgebiet verantwortlich. Letztes Jahr erwirtschaftete das Pflegezentrum Linth ein Defizit von 600'000 Franken und für das laufende Jahr wird erneut ein Minus von 900'000 Franken erwartet. Wer zahlt diesen Verlust?
Brunschwiler: Die Verbandsgemeinden tragen Betriebsdefizite, sowie sie durch Reserven nicht gedeckt sind, nach einem vereinbarten Schlüssel.

Ursprünglich war das Pflegezentrum als Heim für Langzeitpflege konzipiert, hat sich aber immer mehr der Kurzzeitpflege von austretenden Patienten des Spitals Linth zugewendet. Ist das der wirkliche Kern des Problems?
Brunschwiler: Der Kern des Problems ist, dass zwischenzeitlich alle umliegenden kommunalen Heime von reinen Wohnheimen zu Alters- und Pflegeheimen mutiert sind und somit der ursprüngliche Zweck einer Institution, die für die Region Pflege zentral anbietet, überholt ist.

Wer hat diese Fokussierung auf aufwendige und wenig rentable Kurzzeitpflege zu verantworten? Ist das nicht der Verwaltungsrat?
Die Kurzzeitpflege im Anschluss an einen Aufenthalt im Akutspital Linth ist eine Aufgabe, die an diesem Standort sehr sinnvoll ist. Damit es jedoch auch betriebswirtschaftlich zweckmässig ist, ist ein spezifische Ausrichtung darauf unerlässlich. Es ist nicht eine Frage ob, sondern wie es angegangen wird. Im Zweckartikel der Statuten steht die Kurzzeitpflege an erster Stelle. Es kann somit nicht von einer «Verschuldensfrage» gesprochen werden.

Die Zahl der Betten wird von 70 auf 40 reduziert. Sind durch die Schliessung überhaupt Klienten betroffen oder hat es sowieso schon zu viele freie Betten im Pflegezentrum?
Da wir uns für den Reorganisationsprozess über ein Jahr Zeit nehmen wollen, wissen wir aufgrund der heutigen Ein- und Austritte, dass wir die Anzahl Betten ohne Fremdplatzierung erreichen werden.

Wie Linth24 vor einem Jahr berichtet hat, sind Ihnen fast die Hälfte ihrer 100 Mitarbeiter davon gelaufen, weil sie mit der Führung des Zentrums unzufrieden waren. Jetzt geben sie bekannt, dass Sie künftig nur noch 70 Mitarbeitende benötigen. Da kommt es wohl nicht zu Entlassungen?
Wir gehen davon aus, dass bedingt durch die Ankündigung einer Reorganisation einzelne Mitarbeitenden selber eine andere Anstellung suchen. Unter Berücksichtigung von Pensionierungen und den üblichen Fluktuationen wird es gleichwohl unausweichlich sein, Arbeitsverhältnisse zu kündigen.

Sie machen das schwierige Konkurrenzumfeld im Pflegebereich verantwortlich. Wen meinen Sie damit namentlich – sind es nicht insbesondere private Einrichtungen?
Die gesamte Heimlandschaft sowie das gesamte Gesundheitswesen ist im Wandel, getrieben von den gesellschaftlichen Veränderungen, der Demographie und den Weichenstellung durch den Bundesgesetzgeber. Hier sind sowohl öffentliche wie auch private Institutionen die Mitwirken und letztendlich alle miteinander auch im Wettbewerb um positive Betriebsergebnisse stehen.

In Zukunft soll sich das Pflegezentrum spezialisieren auf besonders aufwendige schwere Pflegefälle, Palliativ Care und Gerontopsychiatrie. Das bedingt sicher einen Umbau des Pflegzentrums, denn mit Zweibettzimmern ist das ja nicht zu machen.
Die Strategieentwicklung bedingt tatsächlich die Prüfung der baulichen Voraussetzungen und gegebenenfalls deren Anpassung.

Warum meinen Sie, dass diese Ausrichtung auf besonders schwere Fälle Chancen hat? Ist das nicht eher ein «Sterben auf Raten»?
Eine regionales Angebot macht nur Sinn für Dienstleistungen, die lokal nicht oder nur ineffizient erbracht werden können. Wir glauben daran, dass es ausreichend Aufgaben gibt, die eine regionale Institution rechtfertigen. Die Herausforderung ist eine kostendeckende Finanzierung und die geeignete Trägerschaft.

Interview: Mario Aldrovandi, Linth24
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