Uznach
28.11.2018

NEUER KNALL BEIM PFLEGEZENTRUM UZNACH

Anfang Oktober musste der langjährige Leiter des Pflegezentrums Uznach Knall auf Fall gehen. Jetzt wurde die Leiterin Pflege von einem Tag auf den anderem von ihrem Posten entfernt. Endlich! Sagen Mitarbeitende und Betroffene. Hintergründe und Recherchen von Linth24.

Jürg Heer hat das «Pflegzentrum Linthgebiet» in Uznach über zehn Jahre lang geleitet. Nach aussen klaglos, wie es schien. Ende September 2018 – an einem Wochenende – überraschte Uznachs Gemeindepräsident Christian Holderegger die Öffentlichkeit. Man habe sich von Jürg Heer mit sofortiger Wirkung getrennt. Offizielle Begründung: «unterschiedliche Auffassungen über die Ausrichtung des Pflegezentrums Linthgebiet». Die Formulierung «unterschiedliche Auffassungen über die Ausrichtung …» ist ein Standardsatz, der immer dann gewählt wird, wenn die wahren Hintergründe verschwiegen werden. Jürg Heer hat sich nie dazu geäussert. Darf er nicht. Er hat eine Stillhalte-Vereinbarung unterschrieben.

Die Linthzeitung schrieb damals die Begründung des Gemeindepräsidenten treuherzig ab. Merkte jedoch kritisch an, dass es bei der Belegschaft gebrodelt habe. Sogar eine «Massenkündigung» sei als Drohung im Raum gestanden.

Massenhaft Kündigungen

Ob das stimmt, ist offen. Aber unbestritten ist: Es gab in den letzten Monaten mehrere Dutzend Kündigungen, einige langjährige Mitarbeiterinnen mussten aufgrund von psychischen Problemen krankgeschrieben oder sogar stationär behandelt werden. In einem internen Bericht ist von 37 Kündigungen die Rede – und dies bei einer Belegschaft von knapp 100 Personen! Eine andere Quelle sagt, dass 41 Personen in den letzten Monaten den Job verlassen hätten.

Die Quelle des Übels

Uznachs Gemeindepräsident Christian Holderegger sagt zu Linth 24: «Die von ihnen genannte Grössenordnung bei den Abgängen trifft zu.» Die meisten Abgänge waren die Folge der unmöglichen Situation im Pflegeheim.

Anfang November zog der Verwaltungsrat die Reissleine und kündigte der Leiterin Pflege und Betreuung, Frau VF. Christian Holderegger sagt dazu: «Auf der Grundlage von persönlichen Gesprächen einer  Delegation des Verwaltungsrats und der Heimleitung mit Mitarbeitenden erfolgte die Kündigung der Pflegedienstleitung.» Seit der Kündigung wurden alle Erinnerungen an Frau VF von der Webseite des Pflegezentrums entfernt.

Nach mehreren übereinstimmenden Aussagen aus der Belegschaft und dem Umfeld war Frau VF hauptverantwortlich für den massenhaften Abgang beim Personal. Christian Holderegger sagt dazu nichts, aber steht zur Kündigung: «Wir mussten feststellen, dass der Rückhalt von ihr im Team nicht so gross ist, wie wir erwartet hatten und wie es notwendig ist für die Stabilität des Pflegezentrums.»

Zutrittsverbot für Arzt

Die aus dem grenznahen Lörrach zugezogene VF hatte im Heim ein Regime aufgezogen, das seinesgleichen suchte. Einige Zitate von Personen, die das Handtuch geworfen haben und von solchen, die noch dort arbeiten. «Frau F herrschte im Befehlston», «konstruktive Gespräche mit ihr waren nicht möglich, «auf Argumente trat sie nicht ein», «wir wurden nicht mehr menschenfreundlich behandelt».

Auch gegenüber externen Ärzten trat sie äusserst resolut auf. Junge Ärztinnen stauchte sie vor der Belegschaft zusammen. Einem auf Alterspflege spezialisierten Hausarzt, verbot sie gar das Betreten des Pflegezentrums.

Warnungen lange ignoriert

Die unhaltbaren Zustände in Uznach beschäftigten Ärzte, Psychiater und Seelsorger. Ein pensionierter Pfarrer sprach die Situation an der Bürgerversammlung von Schmerikon Anfang April an. «Es hat so gebrannt, ich konnte nicht mehr schweigen», sagt er.

Schmerikon Gemeindepräsident Felix Brunschwiler ist Vizepräsident im Verwaltungsrat dieses Zweckverbands. Den Ausführungen des pensionierten Pfarrers hörte er aufmerksam zu. Doch damit hatte es sich.

Christian Holderegger, dem Gemeindepräsident von Uznach und Präsident des Verwaltungsrates des Pflegezentrums, dämmerte es erst im Frühsommer, dass etwas im Heim nicht stimmte, also erst Monate nach dem Einsetzen der Kündigungswelle. Er verlangte einen Bericht und dann eine Mediation, also eine Art Friedensstiftung im Haus. Heute sagt er dazu: «Die Mediation brachte nicht die erhofften Ergebnisse.»

Wurde der Falsche entlassen?

Als er Anfang Oktober den Heimleiter Heer entliess, glaubte der FDP-Politiker, dass damit das Problem gelöst sei. «Es wurde der falsche entlassen», sagt ein Insider dazu. Nun wurde das also vor kurzem korrigiert. Holderegger legt jedoch Wert darauf, dass der Heimleiter nicht wegen der Personalsituation entlassen worden sei, sondern wegen der Differenzen über die Zukunft des Heims.

Der Schaden für das Pflegezentrum ist immens. Ein mit der Situation vertrauter Arzt sagt: «Jahrelang gute Arbeit wurde zerstört. Viele gute Frauen und Schwestern sind weg.». Wer geblieben ist, versuche das Beste aus der Situation zu machen, sagt ein Seelsorger. Aber das sei heute schwierig.

(Mario Aldrovandi)