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Kultur
01.09.2020

«Brückenschlag» im Rapperswiler Stadtmuseum

Im Ausstellungsraum zur Holzbrücke von 1358 bis 1878 blickt man auf die Stadt Rapperswil und das Brückentor.
Eine neue Ausstellung bringt die wechselvolle Geschichte des Seeübergangs zwischen Rapperswil und Hurden näher – von der Bronzezeit bis heute. Linth24 hat sich im Stadtmuseum umgesehen.

Der Seedamm verbindet Rapperswil-Jona mit Hurden und prägt das heutige Landschaftsbild durch seine Rolle als wichtige Verkehrsachse auf Strasse und Schiene. Seine Bedeutung als Seeüberquerung ist allerdings kein neues Phänomen, wie ein Besuch der neuen Ausstellung «Brückenschlag» zeigt.

Um in die Vergangenheit des Seedamms und seiner Vorgänger einzutauchen, präsentiert «Brückenschlag» nebst zahlreichen Bildern auch teils einzigartige Filmdokumente, wegen der Überlieferungslage jedoch nur wenige materielle Reste.

Für Kurator Mark Wüst steht das vielfältige Bildmaterial im Vordergrund der Ausstellung, die den «aussergewöhnlichen» Charakter des Seeübergangs herausarbeiten will. Das Thema sei schon eine Zeit lang in seinem Blickfeld gewesen.

«Wo, wenn nicht hier!»

Zunächst stellt «Brückenschlag» die geografische Ausgangslage dar. So befindet sich zwischen Rapperswil und Hurden sich nicht nur die schmalste Stelle des Zürichsees, sondern auch eine durchgängige seichte Wasserzone mit einer natürlichen Tiefe von maximal eineinhalb Metern. Das sind ideale Voraussetzungen, um an dieser Stelle den See zu überqueren.

Bereits im frühbronzezeitlichen 17./16. Jahrhundert vor Christus waren die beiden Seeufer hier durch Steg- oder Wegkonstruktionen verbunden, Reste davon wurden 1998 von Tauchern entdeckt – laut Wüst eine archäologische Sensation. Auch in den folgenden Epochen bis zum Frühmittelalter lassen sich (Holz-)Stege oder einfache Brücken nachweisen. Im Hochmittelalter war hier wegen des tiefen Wasserspiegels gar eine Seequerung zu Pferd oder zu Fuss möglich.

Rapperswil und die Holzbrücke während der Belagerung durch Zürcher Truppen 1656. Auszug des zeitgenössischen Kupferstichs von Johann Jakob Geilinger. (Bild: Stadtmuseum Rapperswil-Jona)

Die mittelalterliche Brücke war zollpflichtig

Mitte des 14. Jahrhunderts gelangte Rapperswil an die Habsburger, die aus strategischen und wirtschaftlichen Gründen eine Holzbrücke nach Hurden errichten liessen. In der Folge nahm der Handelsverkehr zu und die Stadt profitierte zudem vom Zollprivileg für die Brücke. Vermehrt überquerten auch PilgerInnen nach Einsiedeln oder Santiago de Compostela hier den See.

Wegen ihrer herausragenden strategischen Bedeutung war diese Holzbrücke bis 1799 wiederholt Schauplatz von Konflikten, Angriffen und Belagerungen. «Brückenschlag» zeigt dazu mehrere bildliche Darstellungen.

Der Seedamm als Opfer seines Erfolgs

Das 19. Jahrhundert stand ganz im Zeichen der Industrialisierung, die eine starke Zunahme des Verkehrs nach sich zog. Die alte Seebrücke genügte den neuen Anforderungen nicht mehr und wurde 1878 durch den Seedamm ersetzt.

Einer der Filme zeigt die händische Bedienung der Drehbrücke für grosse Schiffe auf dem ersten Seedamm.

Die Kapazitäten des neuen Seedamms reichten jedoch kurze Zeit. Schon Anfang des 20. Jahrhunderts erwog man eine Erweiterung und Sanierung. Die entsprechenden Arbeiten wurden von 1939 bis 1951 durchgeführt. Mehrere Filmausschnitte in «Brückenschlag» dokumentieren die Situation vor, während und kurz nach dem Ausbau.

Seither hat der Verkehr über den Seedamm weiter zugenommen. Die Ausstellung widmet sich auch den Verkehrsproblemen und verschiedenen Lösungsvorschlägen, die bis in die jüngste Zeit eingebracht wurden – vom Oberseetunnel über die Autofähre bis zur Oberseebrücke.

«Brückenschlag» im Stadtmuseum Rapperswil-Jona dauert noch bis Sonntag, 14. März 2021. Als Begleitprogramm werden regelmässig Führungen durch das Kuratorium sowie ein archäologischer Vortrag am Dienstag, 22. September, angeboten.

Stefan Knobel, Linth24