Linthgebiet
12.07.2019
12.07.2019 20:24 Uhr

CHANDIRAMANIS BÖRSENWOCHE NR 28

Banken im Umbruch und Skeptische Schweizer Börsen dominieren in Europa und auf der anderen Seite des grossen Teiches eilt die Börse mit tiefen Zinserwartungen von Rekord zu Rekord.

In der Berichtswoche wurden der Zollstreit und die Irankrise nach wie vor thematisiert. Aber im Vordergrund standen die Zinsen in den USA. Notenbankpräsident Jerome Powell trat vor den Kongress und sprach von bevorstehenden Zinssenkungen aufgrund der andauernden Nullinflation und einer möglichen weltweiten leichten Abschwächung der Wirtschaftsdynamik.

Fallende Zinsen, das erste Mal seit der Finanzkrise vor zehn Jahren, das gefällt dem US-Präsidenten Donald Trump im Hinblick auf das kommende Wahljahr. Freude hatte auch die «Wall Street», die US-Börse. Sinkendes Zinsniveau, das ergibt neue Kursphantasien für Aktien.

Im Gegensatz zu den USA dominierten in Europa Gewinnwarnungen und Kurseinbussen der deutschen Chemie- und Autoindustrie. Auch der weltweite massive Personalabbau bei der Deutschen Bank schockierte und führte zu Kursverlusten an Europas Börsen, auch in der Schweiz. Der Bankensektor ist besonders im Umbruch wegen Digitalisierung und nachlassendem Anleihen-Geschäft.

Herabstufungen bei den Bankenempfehlungen (z.B. Sika, Emmi) verstärkten die Korrektur an der Schweizer Börse. Bezüglich Zwischen- und Halbjahresergebnisse gab es vereinzelte Meldungen. Beim Schokoladehersteller Barry Callebaut läuft alles rund. Auch die Ems-Chemie-Gruppe konnte den Gewinn steigern. Aber wegen des anspruchsvolleren Umfelds (Autoindustrie und Handelskonflikt) ging der Umsatz im ersten Halbjahr 2019 etwas zurück. Bei den Finanzwerten (Banken und Versicherungen) waren die Kursverluste geringen, dank des anhaltend positiven Zinsumfeldes.

Das Hypothekarzinsniveau fiel in diesen Tagen auf ein Rekordtief. Theoretisch gibt es nun je nach Laufzeit Kredite zwischen 0.5 und 1.0 Prozent Zins. In der Praxis wurden allerdings durch die Hintertür die Tragbarkeitsregeln für den Immobilienerwerb verschärft, so dass tatsächlich nur wenige Bankkunden von tieferen Zinsen profitieren. Zu Wochenschluss kam es auch bei den Basler Pharmawerten zu Gewinnmitnahmen. Die Aktien des Milch-Verarbeiters Hochdorf waren fast die ganze Woche unter Druck wegen Verlusten und Skepsis bezüglich eines geplanten Konzernumbaus.

Aussichten

Gespannt warten wir auf die Halbjahresergebnisse der Unternehmungen. Eine kurzfristige leichte Eintrübung der Weltkonjunktur, insbesondere durch den Handelsstreit ist denkbar. Das entspricht auch den allgemeinen momentanen Erwartungen. Eine Neuauflage der Frankenstärke, Dollar- und Euroschwäche, freuen unsere Exportindustrie und den  Tourismus nicht.

Auch die Klimadiskussionen könnten die Wirtschaftsdynamik beeinträchtigen. Jedenfalls werden sich die Autoindustrie und andere Sektoren sich weiter damit befassen müssen. Ungelöst – ein globales Problem – ist auch das Asylwesen. Jedenfalls bedeutet das hohe Kosten für einzelne Staaten, z.B. Deutschland, mit langfristig ungewissen Auswirkungen auf die Wirtschaft.

Christopher Chandiramani
Melden Sie sich jetzt an: